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Video aufgetaucht – Lebenszeichen der entführten Schulmädchen in Nigeria?

Erstmals seit zwei Jahren zeigt die Terrormiliz Boko Haram die gefangenen Mädchen in Filmaufnahmen. Aber sind die Bilder echt?

Jede wird nach ihrem Namen gefragt: Die entführten Mädchen im neuen Video. Screenshot: Youtube/CNN
Jede wird nach ihrem Namen gefragt: Die entführten Mädchen im neuen Video. Screenshot: Youtube/CNN

Am 14. April 2014 – also vor genau zwei Jahren – entführte Boko Haram 276 Mädchen aus dem nigerianischen Chibok. Die jihadistische Terrormiliz kam in der Nacht und zerrte die Opfer aus dem Schlafraum ihrer Schule. Einige der Mädchen konnten später wieder fliehen, aber mehr als 200 von ihnen befinden sich noch immer in den Fängen von Boko Haram. Jetzt tauchte ein neues Video auf, das zeigen soll: Die Entführten leben.

Müssen Red und Antwort stehen: Die entführten Mädchen im neu aufgetauchten Video von Boko Haram. (Video: Youtube/CNN)

Boko Haram hat die Aufnahme am 25. Dezember 2015 gemacht und an Unterhändler der nigerianischen Regierung verschickt, die um die Freilassung der Mädchen ringt. Eine Person, die in die Verhandlungen involviert ist, hat das Video nun CNN zugespielt. Es zeigt einen Teil der vor zwei Jahren entführten Mädchen verschleiert, wie sie Fragen eines Mitglieds von Boko Haram beantworten müssen. Die männliche Stimme fordert sie der Reihe nach auf, ihren Namen zu nennen, den Ort ihrer Entführung und das Datum der Aufnahme.

«Das sind definitiv unsere Mädchen.»

Yakubu Nkeki, Leiter der Selbsthilfegruppe für die betroffenen Eltern

Nigerias Regierung bestätigte, das Video erhalten zu haben und derzeit auf seine Echtheit zu überprüfen. Senator Shehu Sani, der an früheren Verhandlungen um die Mädchen beteiligt war, sagte der Nachrichtenagentur AP, er halte die Aufnahme für glaubwürdig. Auch Yakubu Nkeki, Leiter der Gruppe, welche die betroffenen Eltern unterstützt, ist von der Echtheit des Videos überzeugt: «Das sind definitiv unsere Mädchen.» Drei Mütter sowie eine Klassenkameradin hätten die Entführten erkannt, berichtete CNN.

In einem Video fordert ein bewaffnetes Boko-Haram-Mitglied die Freilassung von Gefangenen. Im Gegenzug sollen die vor über zwei Jahren entführten Chibok-Mädchen freigelassen werden. (14. August 2016)
In einem Video fordert ein bewaffnetes Boko-Haram-Mitglied die Freilassung von Gefangenen. Im Gegenzug sollen die vor über zwei Jahren entführten Chibok-Mädchen freigelassen werden. (14. August 2016)
Boko Haram, AFP
Bereits im April hatte es Lebenszeichen der entführten christlichen Mädchen gegeben: Eine ehemalige Mitschülerin konnte einige der Mädchen zuordnen. Screenshot: CNN
Bereits im April hatte es Lebenszeichen der entführten christlichen Mädchen gegeben: Eine ehemalige Mitschülerin konnte einige der Mädchen zuordnen. Screenshot: CNN
Rückblick: Bereits vor zwei Jahren wurden anhand eines Videos entführte Mädchen identifiziert. (15. Mai 2014)
Rückblick: Bereits vor zwei Jahren wurden anhand eines Videos entführte Mädchen identifiziert. (15. Mai 2014)
Stringer, Reuters
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Sowohl für die Angehörigen als auch für die Behörden war es das erste Lebenszeichen der Chibok-Mädchen seit zwei Jahren. «Wir sind ein wenig darüber besorgt, dass die Mädchen in dem Video nicht unter Stress zu stehen scheinen und dass sich ihr Aussehen [seit der Entführung] kaum verändert hat», so Informationsminister Lai Mohammed zu CNN. Er ist sich deshalb noch nicht sicher, ob es sich wirklich um aktuelle Aufnahmen handelt.

Die nigerianische Regierung ist aber unter Zugzwang, dies schnellstmöglichst herauszufinden. Denn seit der Entführung der Chibok-Mädchen steht sie immens in der Kritik. Der damalige Präsident Goodluck Jonathan dementierte zunächst, dass es die Massenentführung überhaupt gegeben habe. International zur Aufklärung gedrängt, gab er den Vorfall später zu und verlor sein Amt. Die Regierung geriet unter Druck, nachdem der Fall der Schulmädchen in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückte. Selbst die amerikanische First Lady Michelle Obama fordert die Freilassung der Entführten.

Setzte sich persönlich für entführten Mädchen ein: First Lady Michelle Obama. (Bild: AP)
Setzte sich persönlich für entführten Mädchen ein: First Lady Michelle Obama. (Bild: AP)

Boko Haram hat in den vergangenen Jahren Tausende Menschen in ihre Gewalt gebracht. Die zahlenmässig überlegene Armee Nigerias schafft es trotz internationaler Unterstützung nicht, die Extremisten entscheidend zu schlagen. Nach eigenen Angaben haben die Soldaten seit dem 26. Februar mehr als 10'000 zivile Geiseln gerettet – allerdings keine aus Chibok. Mit dem neu aufgetauchten Video lebt zumindest die Hoffnung der Angehörigen weiter, dass eine Teil der entführten Mädchen noch am Leben ist.

AFP/wig.

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