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«Es sind viele Schwerverletzte unter uns»

Nervenkrieg in Algerien: Zahlreiche Ausländer sind in der Gewalt von Terroristen. Die «Tribune de Genève» konnte mit einem Gefangenen sprechen. Offenbar müssen die Geiseln Sprengstoffgürtel tragen.

Traurige Arbeit: Rettungskräfte tragen die Särge der toten Geiseln in das Spital von In Amenas. (21. Januar 2012)
Traurige Arbeit: Rettungskräfte tragen die Särge der toten Geiseln in das Spital von In Amenas. (21. Januar 2012)
Reuters
Hier sollen die Körper identifiziert werden: Algerische Sicherheitsleute koordinieren das Entladen der Leichen aus Lastwagen. (21. Januar 2012)
Hier sollen die Körper identifiziert werden: Algerische Sicherheitsleute koordinieren das Entladen der Leichen aus Lastwagen. (21. Januar 2012)
AFP
Er führt die Jihadisten an: Mokhtar Belmokhtar. (undatierte Aufnahme)
Er führt die Jihadisten an: Mokhtar Belmokhtar. (undatierte Aufnahme)
Reuters
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Die Lage auf dem BP-Gasfeld in Algerien, wo Dutzende Personen von Islamisten als Geiseln gehalten werden, spitzt sich zu. Eine französische Geisel sagte laut dem Fernsehsender France 24, unter den Entführten seien Engländer, Japaner, Philippiner und Malaysier. Laut dem Sender sagte der Franzose, die Geiseln würden in einem mit Sprengfallen präparierten Gebäude auf einem BP-Gasfeld festgehalten. Mehrere Geiseln trügen Sprengstoffgürtel, um mögliche Angriffe von Sicherheitskräften zu verhindern. Frankreichs Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem konnte bislang nicht offiziell bestätigen, dass ein Franzose unter den Geiseln ist.

Auch die «Tribune de Genève» konnte mit einer Geisel sprechen: «Es sind viele Schwerverletzte unter uns.» Ein weiterer Augenzeuge sagt, er habe mit ansehen müssen, wie eine Geisel getötet wurde. Der telefonische Kontakt konnte kurz hergestellt werden, weil Terroristenführer Mokhtar Belmokhtars die Kommunikation erlaubt habe. Die Islamisten wollen offenbar, dass die Szenen um die Welt gehen.

Derweil sind Medienberichten zufolge mehrere ausländische Geiseln entkommen. 20 Ausländer, darunter ein französisches Paar, seien geflohen, berichtet der private Fernsehsender Ennahar unter Berufung auf eine «offizielle Quelle». Behördenangaben zufolge war zuvor bereits 30 algerischen Arbeitern die Flucht von der Anlage im Osten Algeriens gelungen, die gestern von einem islamistischen Kommando überfallen worden war. Bis heute Morgen war die Rede von 41 Geiseln. Wie viel es jetzt noch sind, ist unklar.

«Kreuzzug der französischen Truppen»

Ein Brite, ein Ire und ein Japaner äusserten sich derweil gegenüber dem Fernsehsender al-Jazeera. Die Geiseln baten um den Rückzug der algerischen Truppen, die sich rund um das Gasfeld aufhalten. Die drei Männer äusserten sich am Telefon, Bilder wurden keine gezeigt. Die gleichen Forderungen hatte zuvor ein Geiselführer namens Abu al-Baraa geltend gemacht: «Wir fordern den Rückzug der algerischen Truppen, um Verhandlungen aufzunehmen», sagte er auf al-Jazeera.

Die Entführer haben ein Ende der französischen «Aggression» in Mali gefordert. Die Geiselnahme sei eine erfolgreiche Reaktion auf den «Kreuzzug der französischen Truppen» in Mali, hiess es in einer auf der mauretanischen Website Alakhbar veröffentlichten Erklärung. Zudem fordern die Islamisten 20 vollgetankte Geländewagen, um auf einem Sicherheitspfad zur malischen Grenze zu gelangen.

Intervention auch in Algerien?

Die algerische Regierung hat nach Angaben aus Sicherheitskreisen Gespräche mit den USA und Frankreich über einen möglichen internationalen Einsatz im Geiseldrama in der Sahara aufgenommen. Überdies stehe die Regierung mit Stammesältesten der Tuareg in Kontakt, sagte ein Gewährsmann am Donnerstag. Die Tuareg sollen enge Verbindungen zu den al-Qaida nahestehenden islamistischen Extremisten haben. Algerien erhofft sich von ihnen Hilfe bei den Verhandlungen mit den Geiselnehmern.

Islamisten von der Gruppe «Maskierte Brigade» haben gestern Abend nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf einem Erdgasfeld im Süden des Landes in ihre Gewalt gebracht. Mindestens zwei Menschen wurden getötet. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem «Terroranschlag» und drohte mit Gegenmassnahmen, ohne diese näher zu erläutern. Algerische Regierungstruppen blockieren zurzeit den Fluchtweg der Extremisten und kesseln sie mit Soldaten und Helikoptern ein.

Zuvor hatte Algerien der französischen Luftwaffe für ihren Kampf gegen die Rebellen im benachbarten Mali Überflugrechte gewährt und damit den Zorn der Islamisten auf sich gezogen.

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