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EU-Beamter in Syrien von Rakete getroffen

Die Grossmächte, das syrische Regime und die Rebellen ringen um diplomatische und militärische Lösungen im Bürgerkrieg. Ein Mitarbeiter der EU wurde bei Damaskus während einer Hilfsaktion getötet.

Anwohner versuchen sich in Ostsyrien in Sicherheit zu bringen bei einem Raketen-Angriff, der laut Rebellen von Kampfjets des Assad-Regimes ausgeführt wurde. (12. März 2013)
Anwohner versuchen sich in Ostsyrien in Sicherheit zu bringen bei einem Raketen-Angriff, der laut Rebellen von Kampfjets des Assad-Regimes ausgeführt wurde. (12. März 2013)
Reuters

Bei einem Raketenangriff auf einen Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus ist nach Angaben der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton ein EU-Beamter getötet worden. Der 32 Jahre alte Sicherheitsberater sei im Vorort Deraja getötet worden, als er an einer humanitären Hilfsaktion für die dortige Gemeinde beteiligt gewesen sei, teilte Ashton heute Mittwoch in Brüssel mit. Der Familie, den Freunden und Kollegen des Opfers sprach sie ihr Beileid aus. Zugleich würdigte sie den «Mut und die Selbstlosigkeit» des EU-Mitarbeiters.

Der EU-Beamte syrischer Nationalität arbeitete noch immer für die EU-Delegation in Syrien, nachdem die letzten ausländischen Mitarbeiter im Dezember aus Sicherheitsgründen abgezogen worden waren. Die meisten europäischen Länder schlossen im vergangenen Jahr ihre Botschaften in Syrien. Die Vereinten Nationen teilten Ende 2012 mit, ihre Arbeit in Syrien «bis auf Weiteres» einzustellen.

Assad beschwert sich über Hilfe an Rebellen

Syriens Regime hat sich über westliche Hilfe für die Opposition beschwert. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, das Aussenministerium habe am Dienstag einen entsprechenden Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und den Vorsitzenden des Sicherheitsrates geschrieben.

Dass einige Staaten «nicht-tödliche militärische Ausrüstung» an die Opposition liefern wollten, sei ein weiterer Beweis dafür, dass sie die bewaffneten Aufständischen unterstützten. Das Regime von Präsident Bashar al-Assad schrieb ausserdem, ein Grossteil der jüngsten Waffenlieferungen sei an die islamistische Al-Nusra Front gegangen.

Cameron will Rebellen bewaffnen

Im Streit über das Waffenembargo gegen Syrien brachte der britische Premierminister David Cameron einen Alleingang seines Landes ins Gespräch. Seine Regierung könne die EU-Vereinbarung aufkündigen, wenn die bestehenden Sanktionen bei Bedarf nicht im Sinne Grossbritanniens geändert würden, sagte Cameron am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss.

Die Briten hatten eine Aufhebung des Waffenembargos für syrische Oppositionelle gefordert. Die meisten EU-Staaten lehnen diesen Schritt ab, weil sie eine weitere Eskalation des Konflikts fürchten.

Grossmächte suchen Verhandlungspartner

Frankreich lotet mit den USA und Russland neue Lösungsmöglichkeiten für den Syrien-Konflikt aus. Seit einigen Wochen werde an einer Liste mit Vertretern des Assad-Regimes gearbeitet, die bei Verhandlungen mit der Opposition akzeptable Gesprächspartner sein könnten, sagte Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius am Dienstag.

Der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Koalition, Ahmed Moas al-Chatib, habe sich zu Diskussionen mit Regime-Mitgliedern bereiterklärt. Lediglich eine Beteiligung von Bashar al-Assad sei demnach ausgeschlossen, sagte Fabius vor der Nationalversammlung in Paris.

Tödlicher Zwist in Assads Familie

Regimegegner berichteten derweil von einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Familienclans in Kardaha, dem Heimatort des syrischen Präsidenten Assad. Dabei sollen etwa 30 Menschen getötet worden sein.

Der Tod von Hilal al-Assad, einem Cousin des Präsidenten, sei der Auslöser für die Gewalt gewesen. Der Cousin hatte eine regimetreue paramilitärische Truppe geleitet. Er war nach Angaben verschiedener Oppositionsgruppen am vergangenen Wochenende nach einem Streit um Geld von einem Vertrauten getötet worden. Anderen Berichten zufolge war er von einem Vertrauten an die Rebellen verraten worden, die ihn abgepasst und getötet haben sollen.

Israel fordert arabische Blauhelmtruppe

Der Chef der US-Geheimdienste, James Clapper, sieht eine «beschleunigte Erosion» des Assad-Regimes. Angesichts der Unfähigkeit, die Rebellen auf konventionelle Weise zu besiegen, gerate die Regierung in Damaskus immer stärker in Bedrängnis, schrieb Clapper in einem Bericht für den US-Senat. Das Regime könnte daher bereit sein, chemische Waffen gegen das eigene Volk einzusetzen.

Der israelische Präsident Schimon Peres forderte unterdessen eine Intervention der Arabischen Liga in Syrien. Die UNO solle arabische Blauhelm-Truppen unterstützen, sagte Peres am Dienstag vor dem EU-Parlament in Strassburg.

Es müsse sichergestellt werden, dass die chemischen Waffen in Syrien nicht in die falschen Hände geraten. Die Arabische Liga «kann und sollte eine provisorische Regierung in Syrien bilden, um das Massaker zu beenden», sagte Peres. Ein militärisches Eingreifen westlicher Staaten würde hingegen als Einmischung wahrgenommen. Ziel sei, die Verbrechen an der Bevölkerung zu stoppen und zu verhindern, dass Syrien in viele Teile zerfällt.

Der Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad dauert seit mittlerweile zwei Jahren an und hat sich zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden bislang mehr als 70'000 Menschen getötet.

AFP/sda/rub

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