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Exodus im Morgengrauen

Als die Angst zu gross wurde, sind sie einfach losgerannt: Tausende Palästinenser mussten in der Nacht nach stundenlangem israelischem Bombenfeuer ihre Häuser verlassen.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Tausende Palästinenser haben in der Nacht nach stundenlangem israelischem Bombenfeuer auf den Vorort von Gaza-Stadt ihre Häuser verlassen, um irgendwo Schutz zu finden. Das Pulverfass Sajaiya liegt unweit der israelischen Grenze, ganze Strassenzüge sahen dort aus, als hätte es ein zerstörerisches Erdbeben gegeben.

«Der Beschuss hat gestern Abend angefangen, so gegen 21 Uhr, und es wurde immer schlimmer und schlimmer», erzählt Ahmed aus Sajaiya. «Überall um uns herum gab es Angriffe, wir hatten kein Licht und kein Wasser, wir wussten nicht, was wir tun sollen.»

Die Familie habe dann die Notdienste gerufen, von diesen aber zu hören bekommen, dass die Rettungskräfte wegen des Bombenhagels unmöglich vordringen könnten. Also schnappte sich Ahmed seine Frau, die Schwägerinnen samt deren müder Kinder und lief los, nach Gaza-Stadt.

Exodus im Morgengrauen

Wie sie liessen Tausende Menschen Sajaiya am Morgen in Panik hinter sich, eilten vorbei an zerbombten Häusern und verbrannten Leichen auf den Strassen. Mehr als 80 Menschen wurden am Sonntag im Gazastreifen bei israelischen Angriffen getötet, so viele wie nie seit fünf Jahren. Die meisten Opfer gab es in Sajaiya, unter ihnen waren viele Kinder.

Unzählige Verletzte schleppten sich ins Shifa-Spital im Zentrum von Gaza-Stadt, mit Russ im Gesicht und blutgetränkten Kleidern am Körper. Die meisten waren von Granatsplittern getroffen worden.

Der Arzt Said Hassan kümmerte sich um die Ankommenden, teils wurden sie in Autos und Lastwagen zur Klinik gefahren. «Die Rettungswagen kommen einfach nicht überall hin, wer jetzt hier ankommt, wurde schon vor Stunden verletzt», klagte er. «Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe», sagte der 38-Jährige, der seit acht Jahren für das palästinensische Gesundheitsministerium arbeitet.

In der Nähe reinigte der Rettungswagenfahrer Alaa nach einem Einsatz sein Fahrzeug mit Desinfektionsmittel. «Wir hatten eine verletzte Schwangere an Bord, und auf dem Weg haben wir noch einen Mann mit seiner Tochter mitgenommen.»

Durchkommen fast unmöglich

Zwischendurch wurde Alaa von verzweifelten Bewohnern angebettelt und angeschrien. «In unserem Haus sind Tote, warum kommen Sie nicht?» Das versuchten sie ja, entgegnete er, aber in viele Gebiete kämen sie eben schlichtweg nicht hinein. Auf ihrem Weg in den Ort wurden die Sanitäter selbst mehrfach beschossen.

Erst am Mittag gelang es dann einem Konvoi aus 15 Rettungswagen, nach Sajaiya vorzudringen. Die Menschen, die da noch immer in der Stadt festsassen, beschrieben eine Hölle auf Erden: «Das ist einer der schlimmsten Tage meines Lebens», klagte die 23-jährige Marah al-Wadia am Telefon.

«Seit gestern Nacht sitzen wir alle zusammen in einem Raum und warten, dass die Angriffe aufhören, damit wir fliehen können.» Am Samstag sei das Haus der Nachbarn getroffen worden, aber keiner konnte den Schreienden zu Hilfe kommen. «Wir wissen noch immer nicht, was ihnen passiert ist.»

SDA/ajk

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