Falscher Messi unter Verdacht

Der Iraner Reza Parastesh gleicht Lionel Messi aufs Haar – und soll mit 23 Frauen geschlafen haben, indem er sich als der Fussballer ausgab.

Richtiges Trikot, falscher Messi: Reza Parastesh. Foto: Getty Images

Richtiges Trikot, falscher Messi: Reza Parastesh. Foto: Getty Images

Michèle Binswanger@mbinswanger

Wo der Iraner Reza Parastesh auftaucht, ist das Chaos nicht weit. Das liegt nicht nur an ihm selbst, vielmehr sehen die Menschen etwas in ihm, was er nicht ist. Der 27-Jährige gleicht nämlich dem Fussballer Lionel Messi so sehr, dass er immer wieder mit ihm verwechselt wird.

Ganz unschuldig ist er daran aber auch nicht – oder nicht mehr. Anfangs nämlich war es vor allem sein fussballbegeisterter Vater, der in seinem Sohn einen Messi-Doppelgänger erkannte. Er überredete den Sohn, sich einen Bart und dieselbe Frisur wie der Fussballer stehen zu lassen und sich ein Barca-Trikot mit der Nummer 10 überzuziehen. Schliesslich willigte der Sohn ein und schickte entsprechende Bilder an eine Sport-Website. Am nächsten Morgen luden ihn die Sportjournalisten zum Interview auf die Redaktion.

Sogar Messis Kollegen lassen sich täuschen

Es war der Anfang einer eigenwilligen Karriere. Seither tritt Parastesh als Messi-Doppelgänger auf und hat es über die Grenzen des Iran hinaus zu einiger Bekanntheit gebracht – weil immer wieder Leute auf ihn hereinfallen. So postete etwa Eurosport UK ein Foto des Iraners auf Twitter im Glauben, es handle sich um den echten Messi. Selbst Messis Fussballkollegen lassen sich täuschen; als der falsche Messi zu einem Interview mit Iker Casillas hinzutrat, liess dieser sich einen Moment vom Doppelgänger täuschen – merkte aber schnell, dass der Fake-Messi kein Spanisch spricht und deshalb kein echter Messi sein kann.

Parastesh geniesst seinen Status als Fake-Messi. Es sei ein tolles Gefühl, wenn die Leute so glücklich seien, ihn zu sehen, betont er in Interviews stets aufs Neue. Dass sie glauben, er sei jemand anderes, stört ihn offensichtlich nicht. Regelmässig gibt er auch Interviews oder Autogramme in den Strassen. Das hat auch schon dazu geführt, dass die Polizei einschreiten musste.

Die Moskauer Polizei nahm den Fake-Messi fest. Nicht ohne selber noch mit ihm zu posieren.

Im Mai 2017 sorgte er im Iran für einen solchen Menschenauflauf, dass die Polizei einschreiten musste. Sie beschlagnahmte sein Auto und nahm ihn auf die Wache. Was aber nichts daran ändert, dass der Deep-Fake-Messi seine eigene Vermarktung als Messi-Doppelgänger zu seinem Lebensinhalt gemacht hat. Vergangenes Jahr etwa verursachte er während der Fussball-WM in Russland auf dem roten Platz in Moskau ebenfalls einen solchen Menschenauflauf, dass die Polizei den Fake-Messi wegen Störung der öffentlichen Ordnung festnahm. Nicht ohne auch selber noch mit ihm zu posieren.

Doch nun könnte er für seine Täuschungen Ärger bekommen. Die Zeitung «Oma Sport» hat nämlich diese Woche eine Geschichte veröffentlicht, in der Parastesh behaupten soll, er habe 23 Frauen zum Beischlaf verführt, indem er sich ihnen gegenüber als echter Messi ausgegeben habe. Doch mittlerweile dementiert er diese Aussage. Das habe er nie so gesagt, ausserdem würden er und seine Familie aufgrund dieses Interviews nun bedrängt und belästigt. Und wenn diese Behauptung wahr wäre, fügte er noch an, sässe er doch längst im Gefängnis. Und würde sicher auch dort für Chaos sorgen.

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