Friede im Jemen hätte Signalwirkung

Nahost-Korrespondent Michael Wrase zum Krieg in Jemen.

Seit mehr als anderthalb Jahren tobt im Jemen ein verheerender Krieg. Im Gegensatz zum Konflikt in Syrien, der fast täglich für Schlagzeilen sorgt, schien sich für die Tragödie im Armenhaus Arabiens aber kaum jemand zu interessieren. Ob sich dies nach den Angriffen der saudischen Luftwaffe vom vergangenen Wochenende auf eine Trauerhalle in Sanaa nun ändert, wäre wünschenswert. Sicher ist es nicht.

Amerikanische Offizielle haben das ­Blutbad in Sanaa zum Anlass genommen, die Sicherheitskooperation mit den Saudis infrage zu stellen. Die Empörung in Washington scheint gross zu sein. Doch die Frage ist, ob sie wirklich so gross ist, dass jetzt als Konsequenz die Waffenlieferungen an Riad tatsächlich zurückgefahren oder sogar eingestellt werden.

Zumindest eine Reduzierung der ­Waffenlieferungen – nicht nur aus den USA – wäre nach dem Massaker in Sanaa das richtige, längst überfällige Signal an Riad. Denn die über 140 toten Jemeniten nach dem Angriff von letz­-tem Samstag waren mitnichten eine Ausnahme. Fast 4000 Zivilisten kamen im Bombenkrieg der Saudis bereits ums Leben. Und täglich steigt die Opferzahl weiter. Rund fünfzehn Millionen Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im Jemen droht eine Hungersnot. Und Hilfsorganisationen melden bereits den Ausbruch der Cholera.

Was wir im Jemen erleben, ist nicht nur eine humanitäre Tragödie. Auch im Jemen ringen Saudis und Iraner um die Vorherrschaft im Mittleren Osten. Im Vergleich zu Syrien ist der Jemen-Krieg nur ein Nebenschauplatz, der mit gutem Willen aller direkt und indirekt beteiligten Parteien sicherlich rascher gelöst werden könnte als der so mörderische ­Syrien-Konflikt.

Ein Frieden im Jemen, das ist sicher, hätte eine Signalwirkung auf den gesamten Nahen Osten. Die bei dem saudischen Fehlangriff ums Leben gekommenen 140 Jemeniten wären dann nicht umsonst ­gestorben.

Mail:ausland@bernerzeitung.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt