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Geiselnahme in Algerien von langer Hand geplant

Die Geiselnahme war gemäss einem Jihadistensprecher monatelang für den Fall vorbereitet worden, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach Unterstützung im Mali-Krieg nachgibt.

Die Geiselnahme von In Amenas war keine spontane Aktion nach dem Eingreifen der Franzosen in Mali, sondern von langer Hand professionell geplant. Hinter der Aktion steht das Kommando des algerischen Jihadistenführers Mokhtar Belmokhtar.

Dieser war in der Terrororganisation al-Qaida im muslimischen Maghreb (Aqmi) zum «Emir» aufgestiegen. Aus Aussagen von Jihadisten und befreiten Geiseln ergibt sich folgender Ablauf:

  • Die Geiselnahme war gemäss einem Jihadistensprecher monatelang für den Fall vorbereitet worden, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach Unterstützung im Mali-Krieg nachgibt. Das Kommando war fast zwei Monate vor dem Angriff am Mittwoch einsatzbereit. Es hatte genau Kenntnis der Anlage und ihres Funktionierens und verfügte über Armeeuniformen, um seine Opfer zu täuschen.
  • Zum Kommando gehörten Männer aus Mali, Ägypten, Algerien, Niger, Mauretanien und Kanada. Ex-Geiseln identifizierten zusätzlich Tunesier und Schwarzafrikaner. Die Täter kamen mit Geländewagen.
  • Der Angriff begann am Mittwoch mit dem Beschuss eines von Sicherheitskräften begleiteten Busses, der Reisende zum Flughafen von In Amenas bringen sollte. Dabei gab es Opfer. Die Schüsse alarmierten die Beschäftigten. Sie hatten die Anweisung, sich bei einem Angriff dort zu verstecken, wo sie sich befanden.
  • Die Jihadisten brachten das Werk schnell unter ihre Kontrolle. Sie schalteten die Förderung ab und durchsuchten systematisch alle Zimmer der Wohneinheit nach Ausländern. Eine kleine Polizeieinheit vor Ort konnte nicht effektiv eingreifen.
  • Die algerischen Beschäftigten wurden im Freizeitgebäude der Anlage zusammengetrieben. Beim Angriff der Armeehelikopter gestern gerieten sie in Panik und brachen aus. Die Terroristen wurden überrascht und Hunderte – ein Franzose sprach in «Le Monde» von 400 bis 600 – Geiseln konnten entkommen.
  • Einige Jihadisten waren mit Geiseln in Fahrzeugen auf dem Gelände unterwegs, als die Armeehelikopter angriffen. Eine unbekannte Anzahl Fahrzeugpassagiere wurde getötet. Die algerischen Truppen befreiten die Wohngebäude und umstellten die Industrieanlagen der Oase. Bei den Kämpfen gab es eine unbekannte Anzahl Opfer.
  • Der Flughafen wurde militärisch gesichert. Heute wurden befreite Beschäftigte aus In Amenas ausgeflogen. Das Schicksal einer unbekannten Anzahl Ausländer blieb unklar.

(SDA)

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