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«Hosni Mubarak wird fallen»

Der tunesische Oppositionspolitiker Moncef Marzouki erwartet einen «Frühling der Demokratie» im Nahen Osten, in dem autoritäre Regierungen abgelöst werden. Mubarak gibt er nicht mehr viel Kredit.

«Auch die algerische Diktatur wird ein Ende haben»: Der tunesische Oppositionspolitiker Moncef Marzouki.
«Auch die algerische Diktatur wird ein Ende haben»: Der tunesische Oppositionspolitiker Moncef Marzouki.
Keystone

«Das Ende der arabischen Diktaturen straft alle diejenigen in Europa Lügen, die immer behauptet haben, die Demokratie, das sei nichts für die Araber», sagte der kürzlich nach zehn Jahren im französischen Exil nach Tunesien zurückgekehrte Menschenrechtsaktivist und Politiker am Freitag in einem Interview des Deutschlandfunks.

Bei Wahlen in Tunesien wolle er mit seiner neugegründeten Partei Kongress für die Republik antreten. «Ich möchte zu einer wirklichen Republik der Bürger beitragen», sagte Marzouki. Deshalb habe er seine Partei sogenannt.

«Sie können nicht weitermachen, als wäre nichts geschehen»

Die Lehre der tunesischen Revolution, mit der der autoritär regierende Präsident Zine El Abidine Ben Ali nach 23 Jahren ins Exil gezwungen wurde, laute «für alle diese Diktatoren» im arabischen Raum: «Sie können nicht so weitermachen, als wäre nichts geschehen.» Alle arabischen Regime seien ähnlich: «Die Alleinherrschaft eines Mannes, deren Familien plündern das Land, Vorspiegelung von Demokratie, die Herrschaft der politischen Polizei, der Ausschluss der Eliten und die Einbeziehung der Opportunisten. Das ist ein System, das den Staat zerstört. Alle diese Diktatoren sind Diktatoren auf Abruf. Ben Ali ist weg, der ägyptische Präsident Hosni Mubarak wird fallen und ich glaube auch, dass die algerische Diktatur fallen wird. Die syrische Diktatur befindet sich nach meiner Meinung in grossen Schwierigkeiten.»

Er sei davon überzeugt, dass im kommenden Jahr weder Mubarak noch dessen Sohn Präsident Ägyptens sein werden, sagte Marzouki. Der 82-jährige Präsident hat sich noch nicht öffentlich dazu geäussert, ob er bei der Präsidentenwahl in diesem Jahr kandidieren werde. Sein Sohn Gamal gilt als möglicher Nachfolger.

«Erste von Facebook organisierte Revolution»

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter hätten bei der Revolution in Tunesien eine wichtige Rolle gespielt. «Das war die erste Revolution, die von Facebook organisiert wurde», erklärte Marzouki. «Mit den sozialen Netzwerken kann man die Information, die Gedanken und die Herzen nicht mehr kontrollieren, und die Menschen organisieren sich im virtuellen Raum, ohne dass man dies verhindern könnte. Das Überleben der totalitären Regime wird zunehmend schwieriger.»

Bisher sei der Westen von einer «Angst vor dem Islamismus besessen», sagte Marzouki weiter. Aus Angst vor dem Islamismus habe man mit einem Mann wie Ben Ali zusammengearbeitet. Nun zähle die Zukunft. «Unser Platz ist der euro-mediterrane Raum. Für den Westen ist es einfacher, mit Demokraten zu kooperieren.» Dann entfalle der Widerspruch, «öffentlich für bestimmte Werte einzutreten und gleichzeitig mit Diktatoren zusammenzuarbeiten.»

dapd/pbe

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