Zum Hauptinhalt springen

In Ägypten deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an

Nach Mohammed Mursi, dem Kandidaten der Muslimbruderschaft, hat ein zweiter Kandidat die Stichwahl erreicht. Es ist Ahmed Shafiq, der letzte Regierungschef in der Ära Mubarak.

Erreichten die zweite Wahlrunde: Wahltafeln von Mohammed Mursi und Ahmed Shafiq in Kairo. (20. Mai 2012)
Erreichten die zweite Wahlrunde: Wahltafeln von Mohammed Mursi und Ahmed Shafiq in Kairo. (20. Mai 2012)
AFP

Bei der Abstimmung über einen neuen ägyptischen Präsidenten hat nach dem Kandidaten der Muslimbruderschaft einem vorläufigen Ergebnis zufolge auch der letzte Ministerpräsident des gestürzten Machthabers Hosni Mubarak die Stichwahl erreicht.

Die Zusammenrechnung der Auszählungen in den 27 Provinzen des Landes deutete am Freitagabend auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen an. Der Islamist Mohammed Mursi käme demnach auf 25 Prozent und Ahmed Shafiq auf 24 Prozent der Stimmen. Die beiden würden damit am 16. und 17. Juni in der zweiten Wahlrunde gegeneinander antreten.

Mussa abgeschlagen

Bereits aus der Parlamentswahl waren die Muslimbrüder als Sieger hervorgegangen. Mursi ist der Vorsitzende ihrer Partei für Gerechtigkeit und Freiheit und war eigentlich nur als Ersatzkandidat aufgestellt worden. Der bekanntere Muslimbruder Chairat al-Schater war wegen einer Haftstrafe von der Wahlkommission von der Kandidatenliste gestrichen worden.

Shafiq, der letzte Regierungschef in der Ära Mubarak, hatte den Ägyptern vor allem mehr Stabilität und Sicherheit versprochen. Er distanzierte sich im Wahlkampf zwar von Mubarak, betonte zugleich aber seine Erfahrungen in der Politik.

Christen und säkulare Ägypter fürchten, dass ihre Freiheiten unter einem Präsidenten der Muslimbrüder eingeschränkt werden könnten. Shafiqs Gegner wiederum sind besorgt, dass im Falle seines Sieges der unter Mubarak dominierende Einfluss der Militärs bestehen bleibt.

Zu den Favoriten hatten vor der Wahl auch der Ex-Aussenminister und frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, sowie der unabhängige Islamist Abdel Moneim Abul Futuh gezählt. Die beiden Kandidaten blieben allerdings unter den Erwartungen.

Weitgehend friedlich

Der Urnengang galt als historisch. 52 Millionen Ägypter konnten erstmals in einer freien und von einem echten Wettbewerb geprägten Wahl über den ersten Mann im Staat bestimmen. Nach Angaben der Wahlkommission beteiligten sich landesweit rund die Hälfte der Wahlberechtigten an der Wahl.

Nach teils blutigen Auseinandersetzungen im Vorfeld verlief die Wahl weitgehend friedlich. Bei tätlichen Auseinandersetzungen vor Wahllokalen wurden nach offiziellen Angaben aber Dutzende Menschen verletzt. Ägyptische Wahlbeobachter berichteten zudem von Stimmenkauf und Wählermanipulation in zahlreichen Wahllokalen. Beschwerden über Unregelmässigkeiten gab es jedoch bislang nicht.

dapd/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch