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In Bahrain brodelt der Konflikt weiter

Kurz vor dem Formel-1-Rennen in Bahrain macht Amnesty International auf die Menschenrechtslage im Land aufmerksam. Der Konflikt sei nicht beigelegt – Folter und Polizeigewalt seien noch immer verbreitet.

Die Menschen in Bahrain gehen nach wie vor auf die Strasse: Jugendlicher Demonstrant gegen die Regierung.(16. April 2012)
Die Menschen in Bahrain gehen nach wie vor auf die Strasse: Jugendlicher Demonstrant gegen die Regierung.(16. April 2012)
AFP

Wenige Tage vor dem Start des Grossen Preises von Bahrain hat Amnesty International (AI) auf schwere Menschenrechtsverstösse in dem arabischen Königreich hingewiesen. «Die Krise der Menschenrechte in Bahrain ist keinesfalls vorbei», heisst es in einem Bericht, den AI heute in London veröffentlichte.

Das Formel-1-Rennen am Wochenende könnte für die Regierung eine «Rückkehr zur Normalität» symbolisieren. Die internationale Gemeinschaft müsse deshalb dringend mehr Druck ausüben, schreibt die Menschenrechtsorganisation.

Seit der brutalen Niederschlagung der Proteste in Bahrain im Februar und März 2011 habe sich im Land nicht viel geändert. Damals hatten die Verantwortlichen das Rennen nach wochenlangen Protesten der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen das sunnitische Herrscherhaus abgesagt. Der Konflikt brodelt weiter, bislang verloren schätzungsweise um die 50 Menschen ihr Leben.

Willkür und Folter

Bis heute seien Hunderte Demonstranten weiter im Gefängnis. Viele von ihnen hätten keinen fairen Prozess bekommen. Opfer der Sicherheitskräfte seien nicht entschädigt worden.

Auch gebe es weiterhin Berichte über Folterungen. Die Sicherheitskräfte behandelten Demonstranten mit extremer Gewalt und setzten grosse Mengen Tränengas ein, was in den vergangenen Monaten zu mehreren Todesfällen geführt habe.

Sicherheitskräfte für ihre Taten belangen

«Die Behörden versuchen, das Land so darzustellen, als sei es auf dem Weg zu Reformen», erklärte der bei AI für die Region zuständige Expertin Hassiba Hadj Sahraoui. «Aber bei uns gehen weiter Berichte über Folter und unnötige und ausufernde Gewalt gegen Demonstranten ein.»

Die Regierung in Bahrain müsse «echten politischen Willen» zeigen und auch schwere Entscheidungen treffen, forderte AI. So müssten hochrangige Mitglieder der Sicherheitskräfte für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden. Gefangene, die wegen ihrer politischen Einstellung im Gefängnis seien, müssten freigelassen werden.

Erneut Demonstrationen

In London kletterten gestern zwei Demonstranten auf das Dach der Botschaft Bahrains, um auf die Lage inhaftierter Oppositioneller aufmerksam zu machen. Auch in Bahrain kam es heute zu Demonstrationen. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen der Polizei mit Demonstranten gegen das Königshaus und gegen die Durchführung des Formel-1-Rennens.

Augenzeugen und Aktivisten berichteten heute, die Polizei habe während der Ausschreitungen in dem Dorf Salmabad südlich der Hauptstadt Manama gestern Abend Tränengas eingesetzt. Heute Morgen beruhigte sich die Lage wieder. Aus mehreren Dörfern wurden jedoch kleinere Protestaktionen gemeldet.

Zu den jüngsten Ausschreitungen war es am dritten Tag der Trauerzeremonie für den 22 Jahre alten Fotografen Ahmed Ismail gekommen, der zwei Wochen zuvor an den Folgen einer Verletzung gestorben war, die er bei einer Demonstration erlitten hatte.

SDA/rbi

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