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In der Falle

Für die ins irakische Sinjar-Gebirge geflüchteten Jesiden gibt es nur zwei Überlebensmöglichkeiten. Beide bergen tödliche Risiken.

Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Bulent Kilic, AFP
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Burhan Ozbilici, Keystone
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Reuters
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Noch immer sitzen rund 30'000 Jesiden im Sinjar-Gebirge fest. Sie sind umkreist von Kriegern des Islamischen Staates (IS) – ein Belagerungsring, der eine Flucht zu Fuss beinahe verunmöglicht. Die Evakuierungen durch irakische und amerikanische Hilfskräfte kommen gleichzeitig nur schleppend voran: «Es ist sehr dringend», sagte heute US-Aussenminister John Kerry. Eine Lösung müsse schnell her.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, der für viele Jesiden bereits verloren ist. Gemäss Ahmed Ithwany, einem irakischen General, der an der Rettungsmission beteiligt ist, sind bereits 70 Prozent der Geflüchteten gestorben: verdurstet, von Islamisten erschossen oder der Hitze zum Opfer gefallen. «Es ist das Tal des Todes», sagt Ithwany und bezieht sich dabei auf den Fluchtkorridor, der die Jesiden ins benachbarte Syrien bringen sollte.

Wer zu schwach ist, bleibt zurück

Von jenen, die den weiten Weg auf sich nehmen, bleiben viele auf der Strecke. Und wer zu schwach ist, tritt die Flucht erst gar nicht an. Saydo Kuti Naner ist einer von den rund 20'000 Jesiden, denen die Flucht zur Fuss gelang. Gegenüber «The Telegraph» erzählt der 35-Jährige, wie er Mutter und Vater zurücklassen musste: «Sie sind zu alt für den harten Weg.» Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Eltern jemals wiedersieht, dürfte klein sein. Dasselbe gilt für seine rund 200 Schafe, von denen die meisten bereits tot seien.

Diente das Sinjar-Gebirge den Jesiden zunächst als Rettung vor den IS-Kämpfern, entwickelt es sich immer mehr zur Todesfalle. Augenzeugen berichten Schauerliches. Etwa Jonathan Krohn, der als erster westlicher Journalist Einblick in das Gebiet erhielt. An Bord eines irakischen Rettungshelikopters nahm er an einem der Hilfseinsätze teil, die zurzeit geflogen werden: «Am Sinjar-Berg riecht es nach Tod», schreibt Krohn.

Schwierige Evakuierung

Augenzeugen berichteten dem «Telegraph»-Reporter, wie sich Hunde über die Toten hermachten. Viele der Leichen seien in Höhlen gebracht worden. Ein Jesid erzählt, wie er in einer der Grotten Schutz gesucht habe. Dort fand er rund 50 Tote vor. Der Gestank trieb ihn weiter. Bis auf die Bergspitze, wo er dann von einem Helikopter evakuiert worden sei, sagt der 27-Jährige.

So verläuft die Evakuierung aus dem Sinjar-Gebirge. (Quelle: Youtube)

Damit hatte er grosses Glück. Denn gemäss US-Hilfskräften seien bisher erst rund 100 Personen auf diese Weise evakuiert worden. Dies obwohl der Hilfseinsatz schon seit Tagen am Laufen ist. Ein Rettungsflug ist mit vielen Gefahren verbunden. Der Berg bietet nur wenige flache Stellen, die eine Landung ermöglichen. Genau genommen nur eine: zuoberst auf dem Berg, weil dies gemäss «Telegraph» die einzige Stelle ist, die nicht im Schussbereich der IS-Raketen liegt.

Helikopter stürzte ab

Gestern verlief der Hilfseinsatz eines irakischen Hilfshelikopters tödlich. Als der Hubschrauber Hilfsgüter in den Gebirgszug gebracht habe, sei er beim Start zum Rückflug abgestürzt. Zu viele Flüchtlinge hätten sich hineingedrängt, sagte ein irakischer Armeeoffizier.

Laut seinen Angaben wurde der Pilot beim Unglück getötet, eine jesidische Abgeordnete wurde verletzt. Auch eine mitreisende Journalistin der «New York Times» erlitt laut der US-Zeitung Verletzungen bei dem Absturz.

Kurdische Milizen werden eingeflogen

Inzwischen werden nicht nur Leute evakuiert, sondern auch im Gebirge abgesetzt: Kurdische Peshmerga-Milizen – rund 50 an der Zahl – seien bisher nach Sinjar transportiert worden. Nach langem Ringen gaben die USA vergangene Woche grünes Licht, die Kurden im Kampf gegen die radikalen Islamisten mit Waffen auszurüsten. Unterdessen zogen einige EU-Länder nach.

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