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In Nordsyrien droht eine humanitäre Katastrophe

Die syrische Opposition appelliert an die Weltgemeinschaft, sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Mehr als 200'000 Menschen sind auf der Flucht.

Auf der Flucht: Eine Syrerin trägt ein Kind durch ein verschlammtes Flüchtlingslager nahe der Grenze zur Türkei. (Foto: Aref Tammawi/AFP)
Auf der Flucht: Eine Syrerin trägt ein Kind durch ein verschlammtes Flüchtlingslager nahe der Grenze zur Türkei. (Foto: Aref Tammawi/AFP)

Angesichts Zehntausender Flüchtlinge in Nordsyriens Kriegsprovinz Idlib hat die syrische Opposition einen dramatischen Appell an die Weltgemeinschaft gerichtet. In Syrien entwickle sich die nächste «humanitäre Katastrophe», die internationale Gemeinschaft müsse «das rote Warnlicht einschalten», sagte der Oppositionspolitiker Nasr Hariri in Istanbul. Die Menschen fliehen aus dem umkämpften Idlib vor einer Offensive des Assad-Regimes und der russischen Luftwaffe in Richtung der geschlossenen türkischen Grenze. Idlib ist das letzte von Gegnern des Diktators in Damaskus gehaltene Gebiet.

Es müsse alles getan werden, um einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen, verlangte Hariri. Wenn die internationale Gemeinschaft die Menschen in Idlib nicht vor den Angriffen schützen könne, dann müsse sie wenigstens humanitäre Hilfe leisten, «damit sie bei diesem kalten Wetter und unter den schwierigen Umständen überleben», forderte Hariri.

Auch Aussenminister Heiko Maas (SPD) hat zu einer Waffenruhe in Idlib aufgerufen. «Zehntausende sind auf der Flucht», mitten im Winter, sagte Maas der Funke Mediengruppe. Er forderte die Verlängerung der «Cross-Border-Resolution» des UN-Sicherheitsrats, die humanitäre Hilfe aus der Türkei und dem Irak nach Syrien bringt. Diese Hilfe wird am 10. Januar enden, ihre Verlängerung wird derzeit im UN-Sicherheitsrat von Russland und China blockiert. Moskau und Peking hätten «Blut an ihren Händen», sagte US-Aussenminister Mike Pompeo. Auch die Welthungerhilfe warnte am Sonntag vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage. Etwa 235'000 Menschen hätten sich in den vergangenen zwei Wochen aus Angst vor den Kämpfen auf die Flucht begeben. Viele hätten Zuflucht in Flüchtlingslagern in der Nähe der türkischen Grenze gefunden, deren Kapazitäten seien aber erschöpft.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zu Beginn der vergangenen Woche eine Delegation nach Moskau geschickt. Sie sollte auf ein Ende der Kämpfe drängen. Erdogan hatte gleichzeitig Europa vor einer neuen Flüchtlingswelle gewarnt, die Türkei könne nicht mehr Menschen aufnehmen, sagte er. Sie beherberge bereits 3,7 Millionen Syrer. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar rief bei einem Besuch an der türkisch-syrischen Grenze am Sonntag Moskau dazu auf, sich an das im vergangenen Jahr mit der Türkei vereinbarte Abkommen über eine Pufferzone in Idlib zu halten. Die Türkei unterhält dort auch zwölf Beobachterposten, die sie laut Akar nicht räumen wolle. Mit dem Abkommen sollte eigentlich ein Angriff des Regimes auf die Rebellenhochburg verhindert werden. Die stärkste Kraft in Idlib ist die Al-Kaida-nahe Miliz Hayat Tahrir al-Scham. In Idlib leben etwa drei Millionen Menschen, darunter viele bereits aus anderen Regionen vertriebene Zivilisten.

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland war zuletzt wechselhaft. Erdogan kaufte russische Abwehrraketen und riskierte damit US-Sanktionen. Der Konflikt in Syrien und der in Libyen, wo Ankara – gegen Moskau – auf Seiten der Regierung in Tripolis steht, belasten die Beziehungen nun aufs Neue.

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