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In Somalia verhungerte eine Viertelmillion Menschen

Bei der schweren Hungerkatastrophe am Horn von Afrika starben 2011 weit mehr Menschen als bisher angenommen. In eineinhalb Jahren verhungerten laut UNO 258'000 Menschen – darunter viele Kinder.

Eines von 258'000 Hungeropfern: Ein einjähriges Kind wird in einem Flüchtlingslager in Kenia nahe der somalischen Grenze beerdigt. (6. August 2011)
Eines von 258'000 Hungeropfern: Ein einjähriges Kind wird in einem Flüchtlingslager in Kenia nahe der somalischen Grenze beerdigt. (6. August 2011)
AP
Die extreme Dürre um das Jahr 2011 herum kostete nach UNO-Angaben weit mehr Menschen das Leben als bisher angenommen: Die Mutter am Grad des Kindes. (6. August 2011)
Die extreme Dürre um das Jahr 2011 herum kostete nach UNO-Angaben weit mehr Menschen das Leben als bisher angenommen: Die Mutter am Grad des Kindes. (6. August 2011)
AP
Die Dürre wird zuweilen von heftigen Regenfällen unterbrochen: Kinder spielen in den überfluteten Strassen im Quartier Hamar Jajab der somalischen Hauptstadt Mogadiscio. (14. Juli 2011)
Die Dürre wird zuweilen von heftigen Regenfällen unterbrochen: Kinder spielen in den überfluteten Strassen im Quartier Hamar Jajab der somalischen Hauptstadt Mogadiscio. (14. Juli 2011)
Reuters
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Das Ausmass der jüngsten Hungerkatastrophe in Somalia ist weitaus grösser gewesen als bislang vermutet. Zwischen Oktober 2010 und April 2012 seien in dem Land am Horn von Afrika fast 260'000 Menschen gestorben, mehr als die Hälfte davon Kleinkinder, heisst es in einem Bericht der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und der US-Organisation Fews Net.

Ein UN-Vertreter räumte Versäumnisse ein. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass während der jüngsten Hungerkatastrophe im Bürgerkriegsland Somalia zehntausende Menschen gestorben waren. Doch laut dem nun vorgelegten Bericht kamen sogar mehr Menschen ums Leben als bei der schweren Hungersnot von 1992, als binnen zwölf Monaten 220'000 Menschen an Unterernährung starben.

133'000 der Opfer waren Kinder

«Der Hunger und die schwere Ernährungsunsicherheit in Somalia haben zwischen Oktober 2010 und April 2012 258'000 Menschen getötet», heisst es in dem Bericht. 133'000 der Opfer seien Kinder unter fünf Jahren gewesen. Zwischen Mai und August 2011 habe es jeden Monat etwa 30.000 Hungertote gegeben. Im Süden und im Zentrum Somalias seien zwischen Oktober 2010 und April 2012 geschätzte 4,6 Prozent der Bevölkerung und zehn Prozent der Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung gestorben.

Die FAO veröffentlichte den Bericht gemeinsam mit dem Hunger-Frühwarnsystem-Netzwerk (Fews Net), einer von der US-Entwicklungshilfebehörde USAID finanzierten Organisation. Es handle sich um die «erste wissenschaftliche Schätzung» der Opferzahl dieser Katastrophe.

Ein Vertreter der Vereinten Nationen räumte Versäumnisse ein: «Der Bericht bestätigt, dass wir mehr hätten tun sollen, bevor die Hungersnot ausgerufen wurde», erklärte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe für Somalia, Philippe Lazzarini. «Die Warnungen, die bereits während der Dürre von 2010 vorlagen, haben nicht zu ausreichend frühem Handeln geführt.»

Seit 20 Jahren keine Zentralregierung

Somalia litt mehr als andere Staaten am Horn von Afrika unter der extremen Dürre, von der insgesamt 13 Millionen Menschen in der Region betroffen waren. Die UNO rief im Juli 2011 offiziell eine Hungersnot für mehrere Regionen Somalias aus. Im Februar 2012 erklärte die UNO die Hungersnot für beendet. In diesem Zeitraum waren rund vier Millionen Somalier – die Hälfte der Bevölkerung – von Hunger betroffen.

Nach UN-Definition herrscht Hunger, wenn mindestens ein Fünftel der Haushalte extreme Lebensmittelknappheit verzeichnen, mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut mangelernährt sind und zwei von 10'000 Menschen jeden Tag sterben.

In Somalia, einem der unsichersten Länder der Welt, sind die Folgen einer Dürre besonders schwerwiegend, denn die Bedingungen für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind äusserst schwierig. Das Land hat seit mehr als 20 Jahren keine funktionierende Zentralregierung.

AFP/mw

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