Iraner spotten über Trump wegen Verwechslung

Der US-Präsident hat dem toten Staatsgründer Irans gedroht. Hassan Rohani bezeichnete die jüngsten Sanktionen der USA als unverschämt.

Kritisiert die Sanktionen gegen seine hochrangigen Kommandanten: Irans Präsident Hassan Rohani. (Quelle: AFP/Spencer Platt)

Kritisiert die Sanktionen gegen seine hochrangigen Kommandanten: Irans Präsident Hassan Rohani. (Quelle: AFP/Spencer Platt)

«Das Vermögen von Ayatollah Khomeini und seinem Büro wird nicht von diesen Sanktionen verschont werden», verkündete US-Präsident Donald Trump am Montag feierlich, als er im Weissen Haus die neuen Sanktionen gegen die Führung in Teheran vorstellte. Das Problem ist nur, dass der Staatsgründer der Islamischen Republik seit 30 Jahren tot ist.

Gemeint war in Wahrheit sein Nachfolger, Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei. Unter Iranern brachte Trump die Verwechslung Spott ein.

«Trump weiss nicht, dass Ayatollah Khomeini verstorben ist und Ayatollah Khamenei der Führer des Iran ist», tweetete die Journalistin Sara Masumi. «Wartet dieser Narzisst darauf, das ein (toter Mann) ihn anruft?», fragte der Nutzer @SaeedIran mit Blick auf Trumps Aufruf an Teheran. @BahramAsadzadeh vermutete dagegen, dass Trump bewusst «wie ein Verrückter» erscheinen wolle.

Irans Präsident Hassan Rohani nannte Trumps Entscheidung zur Einfrierung des Vermögens von Khamenei «niedlich» und meinte, der US-Präsident sei offenbar «verwirrt». Alles, was Khamenei besitze, sei ein einfaches Haus und eine religiöse Versammlungshalle.

Anders als anderer Staatsführer habe er kein Vermögen, das man einfrieren könne, sagte Rohani. «Wozu ihn sanktionieren? Damit er nicht nach Amerika reist? Das ist niedlich.»

Ein Zeichen geistiger Behinderung

Die jüngsten Sanktionen der USA gegen den obersten Führer des Landes hat, mehrere hochrangige Kommandanten der Revolutionsgarden sowie die geplanten Sanktionen gegen Aussenminister Mohammed Jawad Sarif hat Rohani als «unverschämt» bezeichnet.

«Sanktionen gegen den obersten Führers des Landes sind unverschämt und ein Zeichen geistiger Behinderung», sagte Rohani am Dienstag. Zuvor hatte bereits das iranische Aussenministerium das Vorgehen der USA scharf kritisiert.

Die geplanten Sanktionen gegen den iranischen Aussenminister bewiesen, dass die Forderungen der Amerikaner für Verhandlungen nur vorgeschoben seien, erklärte Rohani. Ohne Sarif sei keine Diplomatie machbar. «Ihr (USA) habt den Iran Hunderte Male sanktioniert, versucht doch nur ein einziges Mal, den richtigen Weg einzuschlagen», sagte der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Am Montag hatten die USA Sanktionen gegen Ayatollah Ali Khamenei und mehrere hochrangige Angehörige der Revolutionsgarden (IRGC) verhängt. Sanktionen gegen den iranischen Chefdiplomat Sarif sollen in der kommenden Woche in Kraft treten.

«Ohrenbetäubendes Schweigen»

US-Sicherheitsberater John Bolton hat dem Iran wiederum «ohrenbetäubendes Schweigen» zum Gesprächsangebot aus Washington vorgeworfen. US-Präsident Donald Trump habe «die Tür für echte Verhandlungen offengehalten», sagte Bolton am Dienstag bei einem Besuch in Jerusalem. «Als Antwort ist das Schweigen Irans ohrenbetäubend», fügte er hinzu.

Lobte das Vorgehen von Donald Trump: US-Sicherheitsberater John Bolton (Quelle: AFP/Chip Somodevilla)

Präsident Rohani warf den USA indes vor, es mit dem Gesprächsangebot nicht ehrlich zu meinen. «Während Sie Verhandlungen fordern, wollen sie gleichzeitig dem Aussenminister Sanktionen auferlegen? Es ist offensichtlich, dass Sie lügen», sagte er während eines im Fernsehen übertragenen Treffens mit Ministern.

Zuletzt hatten die Spannungen zwischen dem Iran und den USA massiv zugenommen. Deutlich verschärft wurde die Lage in der vergangenen Woche durch den Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne durch die iranischen Revolutionsgarden.

Trump erwog daraufhin einen militärischen Vergeltungsangriff, sagte diesen aber nach eigenen Angaben kurzfristig ab. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran liegen seit 1980 auf Eis.


Video: Die Feindschaft zwischen den USA und dem Iran

Auslandchef Christof Münger erklärt, wie die beiden Staaten zu Erzfeinden wurden.


aru/sda

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