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IS überrennt Weltkulturerbe Palmyra

Die Kämpfer des IS haben die antike Oasenstadt Palmyra vollständig in ihre Gewalt gebracht. Bislang wurden die Ruinen nicht beschädigt. Es gibt Befürchtungen, dass die Extremisten die Stätte zerstören könnten.

In Palmyra stehen antike Bauten, die nun in Gefahr sind, zerstört zu werden. (Archivbild)
In Palmyra stehen antike Bauten, die nun in Gefahr sind, zerstört zu werden. (Archivbild)
Keystone

Die berühmten archäologischen Stätten nahe der syrischen Oasenstadt Palmyra sind in der Hand der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Extremisten überrannten das zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Gelände am frühen Morgen, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilt. Bislang seien die Ruinen nicht beschädigt worden. Es gibt aber Befürchtungen, dass die Extremisten die Stätten zerstören könnten.

(Video: Reuters)

Ähnlich waren sie bereits mit archäologischen Anlagen im Irak verfahren, die sie erobert hatten. Am Mittwoch hatten die Extremisten die Stadt Palmyra eingenommen.

Die archäologische Anlage südwestlich der Stadt ist bekannt für ihre 2000 Jahre alten Kolonnaden, die aus der Zeit des alten Roms stammen. Darüber hinaus gibt es in der historischen Stätte etliche andere Ruinen und unschätzbar wertvolle Artefakte. Vor dem syrischen Bürgerkrieg kamen jährlich Tausende Touristen in das Wüstengebiet, um die Stätte zu bestaunen. Die Syrer nennen sie stolz «Braut der Wüste».

Der für Antiquitäten und Museen zuständige syrische Generaldirektor Maamun Abdulkarim sagte, er gehe davon aus, dass die Extremisten die Stätte zerstören werden. Arbeiter hätten zuvor Hunderte Statuen und Meisterwerke sicher nach Damaskus transportieren können. Die Kolonnaden, Tempel und Grabstätten könnten nicht gerettet werden.

Die Eroberung ist der zweite grosse Erfolg

Der Gouverneur der Provinz Homs, Talal Barsai, sagte, viele Einwohner von Palmyra würden in die Stadt Homs und die Hauptstadt Damaskus fliehen. Die syrische Armee sei nun ausserhalb der Stadt, von wo aus sie den Nachschub des IS ins Visier nehme.

Der Fall der Stadt nach den eine Woche andauernden Kämpfen ist nicht nur wegen der kulturellen Bedeutung von Palmyra ein enormer Verlust für die Regierung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Er macht den Extremisten auch den Weg frei, um auf wichtige, von der Regierung gehaltene Gegenden wie Homs und Damaskus vorzurücken. In der Region gibt es ausserdem mehrere wichtige Gas- und Ölfelder.

Die Eroberung ist der zweite grosse Erfolg des IS innerhalb weniger Tage nach der Einnahme der irakischen Stadt Ramadi, die nur gut 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad liegt.

In Palmyra leben rund 65'000 Menschen. In den letzten Tagen seien 1300 geflohen, sagte Barsai. Bei ihrem Sturm auf Palmyra überrannten die Extremisten auch das berüchtigte Gefängnis Tadmur, in dem Tausende syrische Regimekritiker einsassen und misshandelt wurden.

In einem online gestellten Video ist zu sehen, wie IS-Kämpfer vermutlich im Gefängnis ein riesiges Assad-Poster anzünden. Aktivist Bebars al-Talawy sagte, die Regierung habe vor kurzem Tausende Gefangene von Palmyra nach Damaskus gebracht. Allerdings hätten die IS-Kämpfer einige der noch Inhaftierten befreit. Vermutlich seien noch immer Tausende Gefangene dort.

AP/rsz

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