Zum Hauptinhalt springen

Islamisten stellen Christen in Nigeria ein Ultimatum

Binnen drei Tagen sollen alle Christen den Norden Nigerias verlassen, fordert die islamistische Sekte Boko Haram. Gleichzeitig wollen die Extremisten auch, dass alle Muslime vom Süden in den Norden ziehen.

Islamisten wollen die Trennung von Christen und Muslimen: Ein Mann, der beim Anschlag vom Weihnachtstag in Madala verletzt wurde, in einem Spital in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. (29. Dezember 2011)
Islamisten wollen die Trennung von Christen und Muslimen: Ein Mann, der beim Anschlag vom Weihnachtstag in Madala verletzt wurde, in einem Spital in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. (29. Dezember 2011)
Keystone

Die islamistische Sekte Boko Haram hat die im Norden Nigerias lebenden Christen aufgefordert, den hauptsächlich von Muslimen bewohnten Landesteil umgehend zu verlassen. Die Gruppe stelle den Christen dafür ein «Ultimatum von drei Tagen», sagte ein Sprecher der Sekte am Sonntagabend. Im Kampf gegen extremistische Gewalt schlossen nigerianische Soldaten am Montag mehrere Grenzübergänge.

Muslime, die im hauptsächlich von Christen bewohnten Süden des Landes lebten, sollten in den Norden zurückkehren, sagte Boko-Haram-Sprecher Abul Qaqa in einer Telefonkonferenz zu Journalisten. Es gebe «Beweise» dafür, dass die Muslime im Süden bald angegriffen würden.

Ausnahmezustand in mehreren Regionen

Boko Haram hat sich zu den blutigen Anschlägen auf Christen an Weihnachten mit mindestens 49 Toten bekannt. Nach den Anschlägen wuchs die Angst vor einer Eskalation religiöser Gewalt in Nigeria. So drohten Vertreter der Christen in Nigeria, sich zur Wehr setzen zu wollen, sollte es weitere Anschläge geben.

Am Samstag verhängte Staatschef Goodluck Jonathan in mehreren Unruheregionen in den vier Bundesstaaten Borno – einer Boko-Haram-Hochburg –, Niger, Plateau und Yobe den Ausnahmezustand. Zudem ordnete er die Schliessung bestimmter Grenzabschnitte an, «um grenzüberschreitende terroristische Aktivitäten» zu verhindern.

Boko Haram droht Armee

Der Boko-Haram-Sprecher sagte, es sei eindeutig, dass Soldaten in den Regionen, in denen der Ausnahmezustand verhängt wurde, «nur unschuldige Muslime» töten würden. Die Sekte werde sich daher der Armee «entgegenstellen, um unsere Brüder zu schützen».

Zugleich warf er Staatschef Jonathan vor, die Kirche in einem Vorort der Hauptstadt Abuja besucht zu haben, wo an Weihnachten beim blutigsten der Anschläge 44 Menschen getötet worden waren. «Der Präsident hat sich nie an die Orte begeben, an denen Muslime getötet wurden», sagte er mit Blick auf den Tod dutzender Muslime bei blutigen Unruhen nach den Wahlen im April.

Undurchsichtige Sekte

Boko Haram soll aus mehreren Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielen bestehen, die genaue Struktur der Sekte ist unbekannt. Qaqa hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach für die Sekte gesprochen.

Am Montag patrouillierten in Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno im Nordosten des Landes, vermehrt Soldaten in den Strassen, wie Anwohner berichteten. Die Einsatzkräfte würden auf der Suche nach Waffen und Sprengstoff Häuser durchsuchen. Anwohner seien aufgefordert worden, ungewöhnliche Vorkommnisse oder verlassene Autos, in denen Sprengsätze versteckt sein könnten, zu melden. In Maiduguri hat Boko Haram immer wieder Anschläge verübt, die sich auch gegen Muslime richteten.

Ein Anwohner berichtete am Montag zudem, mehrere Grenzübergänge zum im Osten Nigerias gelegenen Kamerun seien geschlossen worden. Schwerbewaffnete Soldaten hätten die Kontrolle über die Grenzposten übernommen. «Sie haben alle grenzüberschreitenden Bewegungen gestoppt». Er selbst sei beim Versuch, nach Kamerun zu gelangen, an drei Grenzübergängen abgewiesen worden, sagte der Anwohner.

AFP/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch