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Israel unter Beschuss – Vergeltung aus der Luft

Israel erlebt den schwersten Angriff seit dem Gaza-Krieg vor rund vier Jahren. Der Gegenschlag folgt prompt.

Rauchschwaden nach einem israelischen Luftangriff in Gaza. (29. Mai 2018)
Rauchschwaden nach einem israelischen Luftangriff in Gaza. (29. Mai 2018)
AFP

Aus Protest gegen die israelische Seeblockade des Gazastreifens ist am Dienstag eine Flotte palästinensischer Fischerboote in See gestochen – und wurde von der israelischen Marine gestoppt. Der Konflikt im Gazastreifen eskalierte unterdessen weiter: Rund 70 Geschosse aus Granatwerfern wurden auf Israel abgefeuert, wie die Armee mitteilte.

Es handelte sich um einen der schwersten Angriffe auf Israel seit dem Gaza-Krieg 2014. Gegen Mittag griff die israelische Luftwaffe als Reaktion mehr als 30 Ziele der Palästinenserorganisationen Islamischer Jihad und Hamas an.

Die israelische Armee teilte mit, rund 25 der Geschosse aus dem Gazastreifen seien vom Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden. Allerdings sei eine Mörsergranate im Hof eines Kindergartens im Süden Israels eingeschlagen. Berichte über bis zu sechs leicht bis mittelschwer verletzte israelische Soldaten bestätigte die Armee zunächst nicht.

Bei den israelischen Angriffen in Gaza wurde nach Angaben der Armee auch ein Angriffstunnel im Bereich des Warenübergangs Kerem Schalom an der Grenze zu Ägypten zerstört.

Es war das erste Mal seit Beginn der Proteste entlang der Gaza-Grenze am 30. März, dass Geschosse auf Israel abgefeuert wurden. Seit Ende März sind mehr als 120 Palästinenser bei Massenprotesten und Konfrontationen mit israelischen Soldaten am Hochsicherheits-Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen getötet worden. Tausende wurden verletzt.

Die EU und die Vereinten Nationen verurteilten die Angriffe auf Israel scharf. Der Uno-Nahostgesandte Nikolay Mladenov sagte: «Solche Angriffe (...) untergraben die ernsthaften Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, die Situation in Gaza zu verbessern.» Er forderte alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf.

Palästinensische Schule getroffen

Im Küstengebiet wurde bei den israelischen Luftangriffen laut Bildungsministerium in Gaza auch eine Schule stark beschädigt, während die palästinensischen Schüler dort ihre Abschlussprüfungen schrieben. Es gab keine Berichte von Verletzten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte bereits am Vormittag eine harte militärische Reaktion auf den Beschuss angekündigt. Nach Medienberichten berief er eine Dringlichkeitssitzung seines Sicherheitsstabes ein.

Der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus machte die Hamas und den Islamischen Jihad für die Angriffe auf Israel verantwortlich. Am Sonntag waren bei einer israelischen Attacke im südlichen Gazastreifen drei Mitglieder des bewaffneten Flügels des Jihad getötet worden. Der Islamische Jihad lobte nach palästinensischen Medienberichten die Angriffe auf Israel, bekannte sich aber nicht dazu.

Die Hamas sprach sich ebenfalls für die Attacken aus. «Was der bewaffnete palästinensische Widerstand heute Morgen getan hat, ist Teil des natürlichen Rechts auf Verteidigung unseres Volkes und Antwort auf die verbrecherischen Tötungen durch Israelis», sagte ein Sprecher der radikalislamischen Organisation.

Ägypten versucht sich als Vermittler

Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher des Islamischen Jihad eine Waffenruhe. Daoud Schihab teilte mit, es sei mit ägyptischer Vermittlung eine Beruhigung vereinbart worden. Man wolle zu einer nach dem Gaza-Krieg von 2014 von Ägypten ausgehandelten Waffenruhe zurückkehren. Man werde sich an die Waffenruhe halten, solange Israel dies auch tue, hiess es in der Mitteilung.

Israel dementierte jedoch nach Medienberichten die Vereinbarung einer Waffenruhe. Die Luftwaffe griff den Berichten nach am späten Abend erneut Ziele im Gazastreifen an.

Aktivisten auf See abgefangen

Ebenfalls am Dienstag wurde ein Boot mit 17 palästinensischen Aktivisten an Bord vor der Küste des Gazastreifens von der israelischen Marine abgefangen. Die Palästinenser wollten als Protestaktion die israelische Seeblockade durchbrechen.

Vier israelische Boote hätten die «Al-Hurrija» (Die Freiheit) knapp 17 Kilometer vor der Küste gestoppt, sagte Adham Abu Selmeja von der Palästinensischen Kommission gegen die israelische Blockade. Die Armee bestätigte, dass das Boot abgefangen wurde.

Auf der «Al-Hurrija» fuhren nach Angaben der Organisatoren auch zwei Palästinenser mit, die bei den Konfrontationen mit israelischen Soldaten an der Grenze zu Israel in den vergangenen Wochen verletzt worden waren.

Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt. Sie wird derzeit von Ägypten mitgetragen. Israel begründet die Blockade mit Sicherheitsinteressen. Im April weitete Israel die Fischereizone von sechs auf neun Meilen (knapp 17 Kilometer) aus.

Die palästinensische See-Aktion erfolgt acht Jahre nach der Erstürmung des Gaza-Solidaritätsschiffes «Mavi Marmara» durch die israelische Marine. Dabei waren zehn türkische Staatsbürger getötet worden.

Unterdessen hat Israel mit dem Bau einer Sperranlage im Meer vor dem Gazastreifen begonnen. Die Arbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

USA fordern Sitzung des Uno-Sicherheitsrats

Die USA haben wegen der Granaten-Angriffe radikaler Palästinenser auf Israel eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrates beantragt. Der Sicherheitsrat müsse Stellung beziehen zu der «jüngsten Runde von Gewalt gegen unschuldige israelische Zivilisten», erklärte am Dienstag die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley. Die Führung der Palästinenser müsse «zur Rechenschaft gezogen werden».

Der Sicherheitsrat wird voraussichtlich am Mittwochnachmittag (Ortszeit) zusammenkommen.

SDA/nag

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