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IS-Terroristen in Reality-TV-Show

Im irakischen Fernsehen werden wegen Terrorismus verurteilte Männer den Opfern ihrer Gewalttaten gegenübergestellt.

Emotionale Gegenüberstellung: Sträfling Haider Ali Motar (r.) weint bei der Begegnung mit dem Sohn eines seiner Opfer, der im Rollstuhl ist. (16. Dezember 2014)
Emotionale Gegenüberstellung: Sträfling Haider Ali Motar (r.) weint bei der Begegnung mit dem Sohn eines seiner Opfer, der im Rollstuhl ist. (16. Dezember 2014)
Hadi Mizban, Keystone
Haider Ali Motar wird eine Serie von Autobombenanschlägen zur Last gelegt: Motar (2.v.l.) vor dem Dreh einer Szene.
Haider Ali Motar wird eine Serie von Autobombenanschlägen zur Last gelegt: Motar (2.v.l.) vor dem Dreh einer Szene.
Hadi Mizban, Keystone
Ein Mann (2.v.r.) äussert seine Wut auf Haider Ali Motar, der für eine IS-nahe Gruppe Terrorangriffe ausgeführt haben soll. (16. Dezember 2014)
Ein Mann (2.v.r.) äussert seine Wut auf Haider Ali Motar, der für eine IS-nahe Gruppe Terrorangriffe ausgeführt haben soll. (16. Dezember 2014)
Hadi Mizban, Keystone
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Im irakischen Fernsehen läuft eine Reality-TV-Show der besonderen Art: Terroristen, ihre Opfer und Hinterbliebenen begegnen sich. «Im Griff des Gesetzes», wie die Sendung heisst, soll so Menschen davor abschrecken, die Gesetze zu brechen, erklärt ein Geheimdienstler gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Laut dem nicht namentlich genannten Mann «fühlen viele dieser Terroristen Reue, wenn sie ihre Opfer sehen».

So scheint es auch bei Haider Ali Motar zu sein, einem unfreiwilligen Teilnehmer an der Sendung. Vor einem Monat wurde er verurteilt, weil er eine Serie von Autobombenanschlägen für eine IS-nahe Terrorgruppe ausgeführt haben soll. Als Motar einem Mann in einem Rollstuhl gegenübergestellt wird, dem Sohn eines seiner Opfer, fängt er zu weinen an. Moderator Ahmed Hassan vom irakischen Staatsfernsehsender al-Iraqiya TV stellt dem mit Handschellen gefesselten Häftling in der gelben Sträflingsjacke Fragen. Das Fernsehen rollt seinen Fall auf und präsentiert die Beweise, die zu seiner Verurteilung führten: «Mit Bildern von Überwachungskameras zeigen wir, wie er einen präparierten Wagen parkiert, wie er ihn in die Luft sprengt, wie er einen Mord ausführt», erklärt Moderator Hassan. Die zentrale Botschaft: Im Irak kommen Straftäter vor Gericht.

Der Fernsehmann hat keinen Zweifel daran, dass die als Terroristen präsentierten Männer die Taten, die ihnen zur Last gelegt werden, auch tatsächlich begangen haben. Sie legen alle vor der Kamera ein Geständnis ab. Davor hatten sie bereits vor einem Richter gestanden.

Kritik von Amnesty

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International übt Kritik an dem Fernsehformat. «Das irakische Justizsystem hat sehr grosse Defizite, und die Rechte der Angeklagten werden regelmässig verletzt, insbesondere wenn es um Terrorvorwürfe geht. Deshalb ist es praktisch unmöglich, zuversichtlich zu sein, dass die im Fernsehen präsentierten Männer frei reden können», schreibt Donatella Rovera von Amnesty.

Solche Bedenken werden am irakischen Fernsehen selten bis gar nie thematisiert. Stattdessen wird die Arbeit der Sicherheitskräfte überschwänglich gelobt. Das kommt auch in anderen Fernsehformaten wie «The Quick Response» (die schnelle Antwort) zum Ausdruck. Hier interviewt ein Reporter Soldaten. In Werbeunterbrüchen werden Sänger gezeigt, die vor Soldaten singen. Angesichts der Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat versucht das Fernsehen einen Beitrag zu leisten zur Stärkung der Kampfmoral – und gegen die Verherrlichung von Terror.

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