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Journalisten als Freiwild auf Kairos Strassen

Die Berichterstattung für Journalisten in Kairo wird immer ungemütlicher: Gezielt werden Reporter von Mubarak-Sympathisanten tätlich angegriffen. Am Freitag gab es ein erstes Todesopfer.

In Gefahr: Soldaten schützen einen Journalisten, der angegriffen wurde.
In Gefahr: Soldaten schützen einen Journalisten, der angegriffen wurde.
Keystone
An der Front: Zwei ausländische Fotojournalisten auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
An der Front: Zwei ausländische Fotojournalisten auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Keystone
Vom schwedischen Berichterstatter Bert Sundstrom fehlte jede Spur. Später tauchte er misshandelt und schwer verletzt wieder auf. Er wird im Spital behandelt.
Vom schwedischen Berichterstatter Bert Sundstrom fehlte jede Spur. Später tauchte er misshandelt und schwer verletzt wieder auf. Er wird im Spital behandelt.
Keystone
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André Marty, SF-Sonderkorrespondent in Kairo, übermittelte am Freitagabend seine Einschätzungen aus dem Hotelzimmer. Er ist bei weitem nicht der einzige Reporter, der sich in der Hauptstadt Ägyptens nicht mehr auf die Strasse wagt. Für westliche Berichterstatter ist es schlicht zu gefährlich geworden. Gezielte Übergriffe von Anhängern der Mubarak häufen sich.

Am Freitag nun ein erstes Todesopfer: Ein ägyptischer Reporter ist nach einem Bericht der amtlichen Zeitung «Al Ahram» am Freitag an den Folgen seiner Schussverletzung gestorben, die er Anfang der Woche bei seiner Tätigkeit während der Strassenschlachten in Kairo erlitten hat. Der 36-jährige Ahmed Mohammed Mahmud ist damit der erste Journalist, der während der Unruhen in Ägypten ums Leben gekommen ist.

Mahmud nahm den Angaben zufolge vom Balkon seines Hauses unweit des Tahrir-Platzes Bilder von den Kämpfen unten auf den Strassen auf, als er «von einem Heckenschützen getroffen wurde». Der Fotograf arbeitete für die Zeitung «Al Taawun», die vom Verlagshaus «Al Ahram» herausgegeben wird.

Schweizer Journalisten wieder freigelassen

Auch Schweizer Journalisten stehen im Fokus der Mubarak-Anhänger, hatten aber mehr Glück: Die vier welschen Journalisten, die in Kairo vorübergehend festgenommen wurden, werden am späten Nachmittag in der Schweiz erwartet. Sie berichteten von Todesdrohungen während den Verhören.

Der Chefredaktor der Freiburger Zeitung «La Liberté», Louis Ruffieux, schrieb am Nachmittag in einem Communiqué, dass ein am Donnerstag festgenommene Korrespondent wieder auf freiem Fuss sei. Er befinde sich auf dem Weg in die Schweiz.

70 Angriffe auf Journalisten

Das internationale Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat die Übergriffe gegen Journalisten bei den Unruhen in Kairo scharf verurteilt. Mindestens 60 Journalisten, die über die aktuellen Ereignisse in Ägypten berichtet haben, seien seit dem 2. Februar festgenommen worden, heisst es in einer am Freitag in Berlin verbreiteten Erklärung. Acht von ihnen würden offenbar noch immer festgehalten. Rund 70 Journalisten seien bislang körperlich angegriffen oder bedroht worden. Zudem seien mehrere Büros von Medien überfallen, Ausrüstungen wie Kameras und Material konfisziert oder zerstört worden. In erster Linie hätten Anhänger der Mubarak-Regierung regelrecht Jagd auf Mitarbeiter internationaler Medien in Kairo gemacht. Vor allem Fernsehteams und Fotografen seien Ziel von Angriffen, Drohungen und Behinderungen.

Unterstützter und Mitarbeiter von Reporter ohne Grenzen demonstrierten den Angaben nach am Freitag vor der ägyptischen Botschaft in Paris gegen die aktuelle systematische Gewalt gegen Medienmitarbeiter in dem nordostafrikanischen Land. ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard sprach am Rande der Protestkundgebung von einer «alarmierenden Situation mit ständigen Schikanen, die darauf abzielen, Berichterstattung zu unterdrücken und Kairo von Journalisten freizumachen». Diese Situation sei untragbar, die unvergleichliche Hass- und Gewaltkampagne gegen Journalisten müsse sofort ein Ende finden.

Unter den festgenommenen Journalisten waren nach ROG vorliegenden Informationen auch vier Mitarbeiter deutscher Medien: Eine französische Mitarbeiterin sowie ein ägyptischer Mitarbeiter der Deutschen Welle, die am Freitagmorgen festgenommen wurden, seien am Nachmittag wieder freigelassen worden. Das gleiche gelte für eine Mitarbeiterin des deutsch-französischen Fernsehkanals Arte und ihren ägyptischen Assistenten. Eine Mitarbeiterin des ZDF und der «New York Times», die am 2. Februar festgenommen wurde, kam am Donnerstag wieder frei.

dapd/mrs

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