Kein Fake-Präsident

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist Gerüchten entgegengetreten, er sei gestorben und durch einen Doppelgänger ersetzt worden.

Ist er der echte? Nicht alle sind überzeugt, dass der Mann auf dem Foto tatsächlich Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist. Foto: Darren Ornitz (Reuters)

Ist er der echte? Nicht alle sind überzeugt, dass der Mann auf dem Foto tatsächlich Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist. Foto: Darren Ornitz (Reuters)

Hans Brandt@tagesanzeiger

«Ich bin nicht geklont. Ich bin der Echte, das versichere ich Ihnen!» In Polen, am Rande der internationalen Klimakonferenz, hat Nigerias Präsident Muhammadu Buhari am Sonntag auf ein Internetgerücht reagiert, das seit gut einem Jahr kursiert. In einem Gespräch mit Nigerianern, die in Polen leben, sagte der 75-Jährige, dass er sich nach wie vor stark fühle. Wenn ihm irgendetwas zu schaffen mache, dann seien es seine Enkelkinder: «Es werden zu viele.»

Hunderttausende haben Videos auf Youtube und Facebook angesehen, in denen behauptet wird, Buhari sei 2017 nach einer schweren Krankheit in London gestorben. Seine Rolle habe ein Doppelgänger übernommen, ein gewisser «Jubril aus dem Sudan». Zeitungen berichten, dass Jubril selbst unter der gebildeten Elite zum Gesprächsthema geworden sei, dass auf der Strasse und in Kneipen leidenschaftlich über die angebliche Verschwörung diskutiert wird.

In Internetforen kursieren Bilder, die belegen sollen, dass ein deutlich jüngerer Mann, dessen Aussehen chirurgisch verändert wurde, die Rolle des Präsidenten übernommen hat. Da wird die Form der Ohren analysiert und die angeblich viel zu glatte Haut auf den Händen des Präsidenten unter die Lupe genommen. Es gibt Aufnahmen, in denen der rechtshändige Buhari plötzlich mit der linken Hand zu schreiben scheint.

Wahlkampfthema Gesundheit

Dabei sind die Beweise längst als Fälschungen entlarvt worden. Menschenrechtsgruppen, die Nachrichtenagentur AFP und Zeitungen haben die Originale von manipulierten Fotos präsentiert. Und den ernsten politischen Hintergrund der Gerüchte hervorgehoben.

Im Februar wird in Nigeria ein neuer Präsident gewählt. Buhari, der Mitte Dezember 76 wird, will erneut antreten. Auch dieses Mal prägen Spannungen zwischen dem muslimischen Norden, aus dem Buhari stammt, und dem christlichen Süden die Debatte. Urheber des Jubril-Gerüchtes scheint ein Oppositionspolitiker aus dem Süden zu sein. Auch ein früherer enger Mitarbeiter von Buharis Vorgänger, Goodluck Jonathan, hat die Verschwörungstheorie verbreitet.

Buhari war 2017 fast ein halbes Jahr lang wegen einer unbekannten Krankheit in London in Behandlung. Er tritt seitdem zwar öffentlich auf, macht aber einen abgemagerten, geschwächten Eindruck. Zweifellos wird seine Gesundheit eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen.

Erfolglos gegen Boko Haram

Buhari, der eine lange Offizierskarriere hinter sich hat, ist einer der bekanntesten Politiker des Landes. Schon 1983 bis 1985 war er Staatschef, damals als General und Oberbefehlshaber einer Militärregierung. Immer wieder hatte er zuvor eine Machtübernahme der Offiziere unterstützt.

Seit Jahrzehnten grassiert die Korruption in Nigeria, das wegen seiner Erdölvorkommen im Süden das reichste Land Afrikas ist. Zusätzlich wird die Stabilität bedroht durch die islamistische Miliz Boko Haram, die immer wieder den muslimischen Nordosten angreift – worauf das Militär mit oft ebenso brutaler Härte reagiert. Weder Korruption noch Boko Haram hat Buhari in seiner Amtszeit seit 2015 jedoch eindämmen können.

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