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Militär meldet vollständige Rückeroberung von Kundus

Nach mehrtägiger Gegenoffensive hat die afghanische Armee mit Unterstützung des US-Militärs die Provinzhauptstadt offenbar wieder unter Kontrolle gebracht.

Vier Tage hatte die Gegenoffensive gedauert: Ein afghanischer Soldat in Kabul reckt seine Hände zum Zeichen des Sieges in die Höhe. (2. Oktober 2015)
Vier Tage hatte die Gegenoffensive gedauert: Ein afghanischer Soldat in Kabul reckt seine Hände zum Zeichen des Sieges in die Höhe. (2. Oktober 2015)
Dehsabzi, Keystone

Vier Tage nach der Einnahme von Kundus durch die Taliban haben die afghanischen Truppen die nördliche Provinzhauptstadt nach eigenen Angaben vollständig zurückerobert. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien in ganz Kundus aufgestellt. Dies sagte Polizeisprecher Sajed Sarwar Hassaini der Nachrichtenagentur AFP. Die radikalislamischen Taliban hatten Kundus, wo das deutsche Militär jahrelang stationiert war, am Montag in einer Blitzoffensive erobert und nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen die Bevölkerung terrorisiert.

Erstmals seit ihrer Entmachtung 2001 hatten die Extremisten wieder die Kontrolle über eine grosse afghanische Stadt übernommen. Am Dienstag startete die afghanische Armee mit Unterstützung des US-Militärs eine Gegenoffensive. Tagelang wurde erbittert gekämpft, am Donnerstag waren Sondereinheiten wieder bis ins Zentrum vorgestossen. Am Freitagmorgen meldeten Anwohner, der Gefechtslärm sei abgeebbt, in den Strassen lägen die Leichen von Taliban. Allerdings trauten sich viele Menschen aus Sorge vor Heckenschützen nicht auf die Strassen oder ins Krankenhaus.

In den Spitälern fehlt das Personal

«Wir suchen in den Gassen der Stadt und in Wohnhäusern nach Taliban», sagte Provinzpolizeisprecher Hassaini. «Wir werden sie finden und töten.» Die Sicherheitskräfte seien in allen Vierteln der Stadt. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte allerdings, in den Spitälern sei die Belegschaft wegen der Kämpfe noch nicht zurückgekehrt. Es herrsche ein akuter Mangel an Personal und medizinischen Gütern.

Amnesty International warf den Taliban vor, mit Morden an Zivilisten, Gruppenvergewaltigungen, Entführungen und dem Einsatz von Todesschwadronen in kürzester Zeit eine «Schreckensherrschaft» in der Stadt errichtet zu haben. Unter Berufung auf Augenzeugen und Bürgerrechtler erklärte die Menschenrechtsorganisation, die Islamisten hätten kleine Jungen auf Erkundungstouren durch die Häuser geschickt, um ihre Opfer, vor allem Frauen, ausfindig zu machen.

Familienangehörige von afghanischen Polizisten und Soldaten, darunter auch Kinder, seien gezielt getötet, weibliche Verwandte vergewaltigt worden. Der afghanische Amnesty-Vertreter Horia Mosadik forderte die afghanischen Sicherheitsbehörden auf, die Bevölkerung viel besser zu schützen.

Militärflugzeug abgestürzt

Im Osten des Landes stürzte eine US-Militärmaschine ab, sechs US-Soldaten und fünf Zivilisten kamen ums Leben. Das Flugzeug sei höchstwahrscheinlich nicht abgeschossen worden, sagte ein US-Militärsprecher zu AFP. Die US-Militärmaschine vom Typ C-130 war in der Nacht zum Freitag nahe Dschalalabad abgestürzt. Bei den zivilen Opfern handele es sich um Mitarbeiter der Nato-Ausbildungsmission «Resolute Support», erklärte US-Militärsprecher Brian Tribus. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid erklärte im Kurznachrichtendienst Twitter, die Taliban hätten die Maschine abgeschossen.

SDA/thu

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