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Palmyra dem IS entrissen

Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben die Terrormiliz vollständig aus der Oasenstadt vertrieben.

Ein syrischer Soldat steht in den Ruinen der historischen Stadt Palmyra, nachdem die Armee die Stadt am 27. März dem IS entriss. (1. April 2016)
Ein syrischer Soldat steht in den Ruinen der historischen Stadt Palmyra, nachdem die Armee die Stadt am 27. März dem IS entriss. (1. April 2016)
Youssef Badawi, Keystone
Syrien plant den Wiederaufbau der vom IS zerstörten Ruinen in Palmyra: der zerstörte Triumphbogen. (27. März 2016)
Syrien plant den Wiederaufbau der vom IS zerstörten Ruinen in Palmyra: der zerstörte Triumphbogen. (27. März 2016)
Maher Al Mounes, AFP
Syrische Soldaten warten nahe von Palmyra auf ihren Einsatz. (25. März 2016)
Syrische Soldaten warten nahe von Palmyra auf ihren Einsatz. (25. März 2016)
Stringer, AFP
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Die syrischen Regierungstruppen haben nach Angaben aus Militärkreisen die Oasenstadt Palmyra vollständig von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert. Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen nächtlichen Kämpfen gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Sowohl die Ausgrabungsstätten als auch die angrenzenden Wohngebiete seien wieder unter Kontrolle der Armee. Die Jihadisten hätten sich zurückgezogen.

Auch die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, das Hauptkontingent des IS sei aus der Stadt abgezogen. Lediglich in östlichen Stadtteilen habe es am Morgen noch Kämpfe gegeben.

Ein «Symbol der kulturellen Säuberung»

Die Einnahme von Palmyra ist ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrische Armee und eine schwere Niederlage für die Jihadisten. Diese hatten Palmyra im vergangenen Mai erobert. In den folgenden Monaten schockierten sie die Welt durch brutale Hinrichtungen in den Ruinen der antiken römischen Stadt und die Zerstörung mehrerer Tempel, Grabmäler und Skulpturen.

Die Jihadisten sprengten unter anderem den berühmten Tempel von Baal und Baalschamin, bevor sie den Triumphbogen der mehr als 2000 Jahre alten Stadt zerstörten. Palmyra wird von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt und die Ausgrabungsstätten wurden vor dem Bürgerkrieg jährlich mehr als 150'000 Touristen besucht.

Am 7. März startete die syrische Armee dann mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah-Miliz und der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der nordöstlich von Damaskus gelegenen Stadt. Die Unesco-Direktorin Irina Bokova hatte die Offensive auf Palmyra begrüsst. «Seit einem Jahr ist die Plünderung von Palmyra das Symbol der kulturellen Säuberung, welche der Mittlere Osten erlebt», sagte Bokova.

Auf Aufnahmen von der Militäroperation schienen Teile der Ruinen aber noch zu stehen. Der Leiter der syrischen Antikenbehörde sagte Sana, ein Team von Experten werde die Kulturstätte schnellstmöglich untersuchen. Auch die UNESCO will sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden entsenden. Die Organisation der Vereinten Nationen werde am 4. April über einen Besuch beraten, sagte die russische UNESCO-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa am Sonntag in Moskau.

Nächstes Ziel: Raqqa

«Wenn wir gewinnen, ist es die erste grosse Niederlage, die die Armee Daesch beifügt», hatte ein Militärvertreter am Samstag unter Verwendung der arabischen Bezeichnung der IS-Miliz gesagt. Die Einnahme von Palmyra sei eine ähnliche Niederlage für die IS-Miliz wie der Verlust der kurdischen Stadt Kobane im Norden Syriens, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Laut der oppositionsnahen Organisation, deren Angaben für Medien meist kaum zu überprüfen sind, wurden seit Beginn der Offensive in Palmyra mindestens 400 Jihadisten getötet. «Es sind die schwersten Verluste für den IS in einer einzigen Schlacht seit seiner Entstehung» im Jahr 2013, sagte Abdel Rahman. Mit Palmyra verliere die IS-Miliz «automatisch die grosse syrische Wüste» bis zur Grenze zum Irak.

Auch dort sind die Jihadisten zunehmend unter Druck: Nach langer Vorbereitung startete die irakische Armee kürzlich eine Offensive auf die IS-Hochburg Mosul. Neben Mosul kontrollieren die Jihadisten noch die syrische Stadt Raqqa und Teile von Deir Essor, doch mussten sie in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Niederlagen hinnehmen. Als Nächstes will die syrische Armee Raqqa ins Visier nehmen.

AFP/sda/mch

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