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Minister sagte seine Ermordung voraus

Der von radikalen Islamisten getötete Shahbaz Bhatti – einziger christliche Minister Pakistans – hat mit seinem gewaltsamen Tod gerechnet. Offen ist, warum seine Bodyguards nicht zugegen waren.

Von Kugeln durchlöchert: Ein Ermittler untersucht den Dienstwagen des Ermordeten ...
Von Kugeln durchlöchert: Ein Ermittler untersucht den Dienstwagen des Ermordeten ...
Reuters
... und ein Freund namens Wasif Ali Khan betrauert den Minister.
... und ein Freund namens Wasif Ali Khan betrauert den Minister.
Keystone
... Martha Jacob (M), die Mutter von Bhatti, mit weiteren Mitgliedern der Familie.
... Martha Jacob (M), die Mutter von Bhatti, mit weiteren Mitgliedern der Familie.
Reuters
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In einem vor rund vier Monaten aufgenommenen Video, das nach dem Anschlag am Mittwoch wieder online gestellt wurde, sagte der Minister für religiöse Minderheiten, Shahbaz Bhatti, er werde von Taliban oder al-Qaida gejagt. Extremisten wollten ihn wegen seiner Kritik an dem Blasphemie-Gesetz und seines Widerstands gegen die Scharia töten, sagte Bhatti in der Aufnahme, die die europäische Gruppe First Step Forum veröffentlichte. Zugleich versicherte der katholische Minister, er sei bereit zu sterben. «Ich lebe für meine Gemeinde und leidende Menschen und ich werde sterben, um ihre Rechte zu verteidigen.»

Bei den Ermittlungen gab es am Donnerstag noch keinen Durchbruch. Die Fahnder prüften unter anderem, warum Bhattis Wachmänner am Morgen des Anschlags nicht bei dem Minister waren, wie ein Polizeivertreter sagte, der anonym bleiben wollte. Nach Angaben der Polizei hatte Bhatti selbst angeordnet, dass die Sicherheitsleute in seinem Büro sein sollten und nicht im Haus seiner Mutter, vor dem er erschossen wurde.

Mindestens 25 Schüsse auf Dienstwagen

Drei oder vier Männer hatten in einem weissen Auto dem Minister vor dem Haus seiner Mutter in einem wohlhabenden Wohnviertel Islamabads aufgelauert. Weiter berichtete die Polizei, die Angreifer hätten mindestens 25 Schüsse auf den Dienstwagen des Ministers abgegeben, als dieser von dem Grundstück gefahren sei. Bhatti sei bei der Einlieferung in ein Spital bereits tot gewesen; sein Fahrer sei verletzt worden.

Den Angaben zufolge wurde am Anschlagsort ein Brief gefunden, in dem sich mutmassliche Anhänger von al-Qaida und den pakistanischen Taliban zu der Tat bekannten. Ein ranghoher Polizeibeamter, Muhammad Ishaq Warraich, sagte jedoch, das Schreiben könne auch ein Versuch sein, die Ermittlungen in die falsche Richtung zu lenken.

Der zweite Mord wegen Blasphemie-Gesetzen

Nach der Ermordung des christlichen Ministers rief Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani heute eine dreitägige Staatstrauer aus. Premier Gilani verurteilte den Anschlag, vermied aber eine Erwähnung der Blasphemiegesetze.

Bhatti war der bereits zweite pakistanische Politiker, der in diesem Zusammenhang getötet worden war. Am 4. Januar war der Gouverneur von Punjab, Salman Taseer, von einem seiner eigenen Leibwächter erschossen worden, weil er ebenfalls eine Änderung der Gesetze gefordert hatte.

In Pakistan sind Schätzungen zufolge drei Prozent der rund 170 Millionen Einwohner nicht-muslimischen Glaubens. Sie gehören vor allem den sozial schwachen Schichten an und sind im Alltag immer wieder Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt.

AFP/raa

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