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Mit kugelsicherer Weste zur letzten Medienkonferenz

Niemand hätte gedacht, dass die Aufständischen Tripolis in so kurzer Zeit einnehmen. Auch die ausländischen Journalisten nicht. Matthew Price von der BBC schildert die dramatischen Stunden.

Warten mit kugelsicherer Weste und Helm: Journalisten aus aller Welt im Hotel Rixos in Tripolis.
Warten mit kugelsicherer Weste und Helm: Journalisten aus aller Welt im Hotel Rixos in Tripolis.
Reuters
Aufnahme oder Aufgabe? Journalisten bereiten weisse Flaggen mit der Aufschrift «TV» vor.
Aufnahme oder Aufgabe? Journalisten bereiten weisse Flaggen mit der Aufschrift «TV» vor.
Reuters
Hier war Tripolis noch sein: Der libysche Machthaber Muammar al-Ghadhafi spricht an einer Pressekonferenz im Hotel Rixos am 8. März 2011.
Hier war Tripolis noch sein: Der libysche Machthaber Muammar al-Ghadhafi spricht an einer Pressekonferenz im Hotel Rixos am 8. März 2011.
Reuters
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Die internationale Presse hält die Welt aus dem Hotel Rixos in Tripolis über die Vorgänge in Libyen auf dem Laufenden. Wie BBC News berichtet, war der von der Aussenwelt abgeschottete und sichere Ort in den vergangenen sechs Monaten nicht nur für Journalisten zum Zuhause geworden. Auch Vertreter von Muammar al-Ghadhafis Regime sowie deren Frauen und Kinder hielten sich dort auf.

Doch plötzlich war auch im friedlichen Stammlokal der Ghadhafi-Anhänger Feuer unterm Dach. 24 Stunden nachdem die ersten Schüsse und Bombeneinschläge zu hören waren, packten die Offiziellen ihre Familien und verliessen das Rixos – auf der Suche nach einem neuen sichereren Aufenthaltsort.

Dinner mit kugelsicherer Weste und Helm

Trotzdem sollte der Schein der Übermacht Ghadhafis gewahrt bleiben. Journalisten, die sich bereits über eine gemeinsame Fluchtstrategie berieten, wurden zum Abendessen gerufen. Mit kugelsicheren Westen und dem Helm neben sich auf der Bank nahmen die Medienleute ihr Dinner ein – begleitet vom Knallen von Bomben und Schüssen im Hintergrund. Laut BBC News rief der libysche Informationsminister Moussa Ibrahim erst nach dem Essen zur Medienkonferenz – sehr wahrscheinlich zu seiner letzten. «Die Nato zerstört mein Land», sagte er und rief zum Waffenstillstand auf.

Noch am Sonntag hatte Ibrahim von 65'000 Soldaten berichtet, die nur darauf warten zuzuschlagen, falls die Rebellen in Tripolis eintreffen. «Die Hauptstadt kann und wird nie fallen», sagte er.

Warten auf den Arabischen Frühling in Libyen

Was genau sich auf den Strassen in Tripolis abspielt, wissen die Medienleute nicht. Sie dürfen das Rixos-Hotel nicht verlassen. Sie verbunkern sich im Haus genauso, wie es viele libysche Familien tun. Sie warten. Warten darauf, wie Ghadhafi auf die vollkommene Einnahme seiner Stadt durch die Rebellen reagiert. Und sie warten darauf, dass der Arabische Frühling ein weiteres unbeliebtes Regime zu Fall bringt.

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