Zum Hauptinhalt springen

Mob wirft Steine auf Präsidentschaftskandidaten

Ahmed Shafik ist vor einem Wahllokal in Kairo angegriffen worden. Passanten bewarf den Ex-Ministerpräsidenten mit Steinen. Derweil stehen die Leute erneut vor den Lokalen an, um ihre Stimme abzugeben.

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse griffen Demonstranten das Büro von Ahmed Shafik an: Mitarbeiter räumen nach dem Anschlag auf.
Nach Bekanntgabe der Ergebnisse griffen Demonstranten das Büro von Ahmed Shafik an: Mitarbeiter räumen nach dem Anschlag auf.
Keystone
Werden sich bei der Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: Mohammed Mursi (l.) und Ahmed Shafik.
Werden sich bei der Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: Mohammed Mursi (l.) und Ahmed Shafik.
AFP
Streng bewacht: Soldaten stehen vor einem Wahllokal. (23. Mai 2012)
Streng bewacht: Soldaten stehen vor einem Wahllokal. (23. Mai 2012)
AFP
1 / 11

Bei der Präsidentenwahl in Ägypten ist einer der Kandidaten, der ehemalige Ministerpräsident Ahmed Shafik, bei der Stimmabgabe von wütenden Demonstranten angegriffen worden. Der 70-Jährige wurde gestern bei einem Wahllokal in Kairo mit Rufen von «Der Feigling ist hier, der Verbrecher ist hier» empfangen.

Einige Demonstranten bewarfen ihn mit Steinen und Schuhen. Shafiks Leibwächter schirmten ihn ab. Als er nach der Stimmabgabe wegfuhr, brachen Rangeleien zwischen den Demonstranten und seinen Anhängern aus. Shafik hatte unter dem gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak gedient. Seine Kandidatur hat das Land tief gespalten.

«Stabilität und zu der Veränderung»

Derweil strömen die Menschen den zweiten Tag in Folge in die Wahllokale, um erstmals in einer freien Abstimmung über ihren Präsidenten zu entscheiden. Wie am Vortag stehen die Wähler vor den Wahllokalen Schlange. Das Interesse ist aber nicht ganz so gross wie am Vortag, als die Wähler schon vor Öffnung zu den Wahllokalen strömten. Die Wahllokale sollten um 20 Uhr schliessen. Offizielle Ergebnisse werden am Samstag erwartet.

«Ich war gestern schon da, dann war es aber so voll, dass ich heute nochmals gekommen bin», sagte Chaled Abdu. «Ich muss an dieser Entscheidung über den Präsidenten teilnehmen und hoffe, dass das zu Stabilität und zu der Veränderung führt, die nötig ist.» Der 25- jährige Ingenieur fasste damit eine Stimmung in Worte, die die Wahl bereits am ersten Tag geprägt hatte.

Dennoch blieb die Beteiligung am Mittwoch ersten Schätzungen zufolge unter der der Parlamentswahl zu Anfang des Jahres. Nach Schätzungen des unabhängigen Nachrichtenportals «youm7» lag die Wahlbeteiligung am Mittwoch bei rund 25 Prozent. Beobachter machten neben dem Werktag die langen Wartezeiten und die sengende Hitze dafür verantwortlich, dass weniger Menschen ihre Stimme abgaben.

Stichwahl wahrscheinlich

Bei der Wahl stehen zwölf Kandidaten zur Abstimmung. Der künftige Präsident, der die sechs Jahrzehnte lange Vorherrschaft von Staatschefs aus den Reihen des Militärs beenden soll, wird wohl erst nach der Stichwahl im Juni feststehen.

Zu den Kandidaten mit guten Erfolgschancen gehört der frühere Chef der Arabischen Liga und Ex-Aussenminister Amr Mussa. Als weitere aussichtsreiche Bewerber gelten der von den radikal- islamischen Salafisten unterstützte frühere Muslimbruder Abdel Moneim Abol Fotuh und Mubaraks letzter Ministerpräsident Ahmed Shafik. Gut im Rennen dürfte auch der Muslimbruder Mohamed Morsi liegen.

Nach letzten Umfragen wird kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen, so dass am 16. und 17. Juni eine Stichwahl fällig wird.

Trotz Zwischenfällen friedlich

Die Wahl am Mittwoch verlief auch wegen der grossen Präsenz von Soldaten und Polizisten weitgehend friedlich. Vor einigen Wahllokalen kam es indes zu Schlägereien zwischen den Anhängern verschiedener Kandidaten. Insgesamt zählten die Behörden bisher nach Angaben der staatlichen Medien 28 Verletzte, was allerdings deutlich unter dem Gewaltniveau früherer Wahlen in Ägypten liegt.

Die Zahl der Beschwerden über Bestechung und Wählerbeeinflussung bei der Abstimmung war etwas geringer als bei der letzten Parlamentswahl, aus der die Islamisten als Sieger hervorgegangen waren.

dapd/kpn/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch