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Mursis eigene Leute beschuldigen Armee der Folter

Ägyptens Präsident weigert sich, Verfahren gegen Offiziere einzuleiten. Ein von ihm beauftragtes Komitee bestätigt laut einem Bericht aber die Vorwürfe: Das Militär habe verschleppt, getötet und gefoltert.

Ägyptens Armee soll bei den Gräueltaten nicht nur Zuschauer gewesen sein: Während der Proteste in Kairo packt ein Soldat einen Demonstranten. (3. Februar 2011)
Ägyptens Armee soll bei den Gräueltaten nicht nur Zuschauer gewesen sein: Während der Proteste in Kairo packt ein Soldat einen Demonstranten. (3. Februar 2011)
Reuters

Während auf dem Tahrir-Platz in Kairo die Massen demonstrierten, verschwanden im restlichen Land Hunderte von Menschen. Etliche wurden zudem gefoltert, einige gar getötet. Obwohl sofort Vorwürfe gegen die Armee erhoben wurden, stritt diese eine Beteiligung an den Gräueltaten ab. Zu Verfahren gegen beteiligte Offiziere kam es bisher nicht, Mohammed Mursi lehnte solche nach seiner Wahl zum Präsidenten ab. Dies könnte sich nun aber ändern. Der «Guardian» berichtet, dass ein von Präsident Mursi beauftragtes Komitee die Vorwürfe bestätige. Das entsprechende Kapitel aus dem noch nicht veröffentlichten Bericht hat die britische Tageszeitung zugespielt erhalten und nun veröffentlicht.

Die Rolle der ägyptischen Armee während der 18-tägigen Revolte gegen das Regime von Präsident Mubarak war bisher eine grosse unbeantwortete Frage. Der Bericht besagt nun, dass ägyptische Armeeangehörige folterten, während die Armeeführung öffentlich bekundete, sie verhalte sich den Protestierenden gegenüber neutral.

Folter im ägyptischen Museum

Der Bericht fördert laut dem «Guardian» Erschreckendes zutage, darunter folgende Begebenheiten:

  • An einem Checkpoint südlich von Kairo sollen Armeeangehörige eine «wahrscheinlich grosse Anzahl von Zivilisten» festgehalten haben, die danach nie mehr gesehen wurden.
  • Im ägyptischen Museum sollen Soldaten Demonstranten festgehalten und gefoltert haben.
  • Mindestens elf nicht identifizierte Leichen soll die Armee bei den Gerichtsmedizinern abgegeben haben. Die Todesfälle seien aber trotz Verletzungen und Hinweisen auf Folter nicht untersucht worden, die Toten seien in anonymen Gräbern bestattet worden.

Die Schlussfolgerung des Berichts ist deutlich: «Das Komitee empfiehlt eine Untersuchung gegen die Anführer der Streitkräfte», steht geschrieben. Die Untersuchung solle klären, welche Anweisungen Untergebene erhalten hätten, die für Folter und Verschleppungen verantwortlich seien.

Der Bericht setzt nun Präsident Mursi unter Druck, zumal er die Mitglieder des Komitees persönlich ausgewählt haben soll.

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