Zum Hauptinhalt springen

Nachbarn wollen sich im Kongo einmischen

Angola erwägt, Soldaten in den Ostkongo zu entsenden. Die Uno-Mission in Kinshasa hat skeptisch reagiert, obwohl sie Verstärkung nötig hätte.

Der stellvertretende Aussenminister von Angola, Georges Chicoty, wollte am Mittwoch nicht bekannt geben, wann wie viele Soldaten in die benachbarte Demokratische Republik Kongo aufbrechen. Er verfolge die Lage jedoch genau, um rasch reagieren zu können, sagte er zur BBC. Die Rebellen des abtrünnigen und von Ruanda unterstützten Tutsi-Generals Laurent Nkunda haben bereits angekündigt, alle Truppen zu bekämpfen, welche die kongolesischen Streitkräfte unterstützen.

Der Schweizer Oberst Jean-Paul Dietrich, Sprecher der Uno-Mission im Kongo (Monuc), ist skeptisch angesichts der Pläne Angolas. Falls angolanische Soldaten ohne Mandat – sei es von der Uno oder der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) – eingreifen, würde «die Krise im Nord-Kivu definitiv zum regionalen Konflikt», sagt Dietrich am Telefon in der Hauptstadt Kinshasa. «Wir bekämen Probleme mit Ruanda», ist er überzeugt.

Tatsächlich aber hätte die Monuc Verstärkung bitter nötig. Auf 10’000 Zivilisten kommen heute 10 Blauhelme. «Das ist sehr wenig», so Dietrich. 9000 der landesweit 17’000 Monuc-Soldaten sind auf Aussenposten im Nord- und Süd-Kivu verteilt. Die kleinen Holzforts mit Wachtturm und etwa 100 Mann Besatzung wirken wie Magnete: Rundherum schiessen kleine Flüchtlingslager aus dem Boden.

Die indischen Gurkhas kommen

Diese Strategie hat den Leuten seit Anfang Jahr etwas Sicherheit gebracht. Allerdings hat die Monuc nun nicht mehr das Personal, um auf grössere Krisen wie die aktuelle zu reagieren. «Wir brauchen zusätzlich mindestens 2000 bis 3000 Soldaten mit Helikoptern», bekräftigt Dietrich, was Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon längst gefordert hat. Um die Zivilbevölkerung ausreichend zu schützen, würden aber selbst 10 000 weitere Blauhelme nicht genügen, räumt Dietrich ein.

Heute oder morgen will der Sicherheitsrat entscheiden, ob die Monuc aufgestockt wird. Bis die allfällige Verstärkung jedoch eintrifft, würden drei bis sechs Monate verstreichen. Immerhin wird Indien, welches das grösste Monuc-Kontingent stellt, in den nächsten Wochen seine leichten Infanterie-Bataillone mit 1500 Gurkhas ersetzen, den legendären Elitesoldaten mit den krummen Dolchen. «Bis dahin müssen wir mit dem auskommen, was wir haben, und das Beste daraus machen.»

Zusammen mit der kongolesischen Armee haben die Blauhelme begonnen, verschiedene Verteidigungsringe um Goma herum aufzubauen. Oberst Dietrich kann jedoch nicht versprechen, dass die Provinzhauptstadt gehalten wird: «Der Wille dazu ist sicher da.» Nur 12 Kilometer vor Goma, in Kibati, stehen sich die Regierungstruppen und die Nkunda-Rebellen gegenüber, getrennt nur durch 500 Meter. In der Nacht auf Mittwoch ist es zu Feuergefechten gekommen. Deshalb seien zahlreiche Vertriebene erneut geflohen, berichtet Jaya Murthy, Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, aus Goma: «Die Menschen bleiben in Bewegung.» Deshalb verbreiten sich Masern und Cholera besonders schnell. Allein in Kibati stecken 65 000 Vertriebene fest. Unicef versucht heute erneut, ins Camp zu gelangen, um Nahrungsmittel zu verteilen und Kinder zu impfen. Die Flüchtlinge in der Region Rutshuru 100 Kilometer weiter nördlich bleiben dagegen auf sich gestellt. Die anhaltenden heftigen Kämpfe haben einen Hilfseinsatz bisher verunmöglicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch