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Nato bombardiert Ghadhafi-Zentrale überraschend am Tag

Bei einem seltenen Angriff bei Tage haben Nato-Kampfjets ein Kommandozentrum des libyschen Machthabers bombardiert. Ghadhafi sei manchmal dort. Er sei jedoch nicht das Ziel gewesen, erklärt die Nato.

Die Nato bombardierte die fünfte Nacht in Folge Ziele in Tripolis: Französiche Rafale-Jets, die vom Flugzeugträger Charles de Gaulles aus operieren.
Die Nato bombardierte die fünfte Nacht in Folge Ziele in Tripolis: Französiche Rafale-Jets, die vom Flugzeugträger Charles de Gaulles aus operieren.
AFP

Ein Nato-Sprecher sagte, das Gelände Bab al-Asisijah sei heute morgen getroffen worden. Es sei nicht zu erfahren, ob Muammar al-Ghadhafi dort gewesen sei. Der Komplex war schon vor 25 Jahren bei Angriffen amerikanischer Kampfflugzeuge schwer beschädigt worden. Der Angriff damals war eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle», bei dem zwei US-Soldaten getötet worden waren.

Die Allianz hat mit dem heutigen Angriff nach fünf Nächten in Folge auch am hellen Tage wieder einen Luftangriff auf die Hauptstadt gefolgen, was bislang selten vorkam. In der Nacht zuvor hatte die Nato nach Angaben des libyschen Staatsfernsehens und des arabischen Nachrichtensenders al-Arabiya erneut mehrere Ziele in Tripolis bombardiert. Rauchsäulen standen demnach über der Stadt.

Auch Angriffe auf Misda

Die Nato griff zum Wochenende nach Berichten des libyschen Staatsfernsehens auch Misda im Süden an. Dabei sei «menschlicher und materieller Schaden» entstanden, hiess es. Einzelheiten über mögliche Opfer wurden jedoch nicht bekannt.

Tripolis ist eine Hochburg von Machthaber al-Ghadhafi, der seit mehreren Monaten versucht, einen Aufstand gegen seine 41-jährige Herrschaft gewaltsam niederzuschlagen. Die Nato unterstützt mit ihren Luftschlägen faktisch die Rebellen.

Verstärkter Druck - auch von Russland

Das Bündnis bereitet inzwischen auch erstmals den Einsatz von Kampfhelikoptern vor, um Gaddafis Bodentruppen gezielter angreifen zu können. Es lägen Anzeichen vor, dass die Kampagne gegen Ghadhafi zunehmend in Schwung komme, sagte der britische Premierminister David Cameron gestern auf dem G8-Gipfel im französischen Deauville. «Also ist es richtig, dass wir den militärischen, den wirtschaftlichen und den politischen Druck erhöhen.»

Unterstützung erhält die Nato dabei überraschend nun auch von Russland. Präsident Dmitri Medwedew - bislang ein entschiedener Kritiker des seit zehn Wochen andauernden internationalen Militäreinsatzes - schlug am Rande des Treffens in Frankreich einen neuen Ton an, als er sagte, al-Ghadhafi «muss weg». Zugleich kündigte er an, einen Sondergesandten nach Libyen zu schicken.

dapd/rub

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