Zum Hauptinhalt springen

«Obama ist ein Heuchler»

Tarik Asis, Aussenminister unter Saddam Hussein, kritisiert den Rückzugsplan der Amerikaner. Gleichzeitig fordert er ein härteres Vorgehen gegen den Iran.

Zu 15 Jahren Haft verurteilt: Tarik Asis sagt vor dem Gericht aus.
Zu 15 Jahren Haft verurteilt: Tarik Asis sagt vor dem Gericht aus.
Keystone

Der langjährige Aussenminister des von den USA gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Tarik Asis, hat dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama Heuchelei vorgeworfen. Die USA müssten länger im Irak bleiben und dürften sich jetzt noch nicht zurückziehen, zitierte die britische Zeitung «The Guardian» in ihrer Freitagausgabe den 64-Jährigen.

«Ich dachte, er würde einige der von (seinem Vorgänger George W.) Bush gemachten Fehler korrigieren», sagte Asis nach Angaben des «Guardian» bei einem Interview in seiner Gefängniszelle im Irak. «Aber Obama ist ein Heuchler. Er kann uns nicht so allein lassen. Er überlässt den Irak den Wölfen.»

Obama hatte in seinem Wahlkampf versprochen, den Irak-Rückzug in 16 Monaten zu beginnen - also in diesem August. Wegen instabiler politischer Verhältnisse nach der Parlamentswahl und schwerer Anschläge wurde im Mai der angekündigte Beginn des Rückzug um mindestens einen Monat verschoben. Die Truppenpräsenz soll von 92.000 auf 50'000 Soldaten verringert werden.

Moralische Pflicht der USA

«Wir sind alle Opfer der USA und Grossbritannien», sagte Asis der Zeitung zufolge weiter. «Sie haben das Land auf viele Arten getötet. Wenn man einen Fehler macht, muss man das korrigieren, und nicht den Irak seinem Tod überlassen.» Die USA seien moralisch verpflichtet, dem Irak wieder auf die Beine zu helfen, bevor sie sich zurückzögen.

Asis wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Vor einigen Monaten wurde er von den USA an die irakischen Behörden übergeben. Im Irak steht er erneut vor Gericht.

Saddam Husseins Taktik

Von dem 2006 hingerichteten Saddam Hussein wollte Asis sich in dem Interview nicht distanzieren. «Wenn ich jetzt über Bedenken reden würde, würden mich die Leute einen Opportunisten nennen», wurde er zitiert. Saddam Hussein habe es vorgezogen gehabt, die Welt im Glauben darüber zu lassen, er verfüge über Massenvernichtungswaffen. Damit habe er aber keinen Konflikt mit den USA und Grossbritannien herausfordern wollen, sondern sich in der Region gegen den Iran behaupten wollen, erklärte Asis.

«Teilweise war es wegen dem Iran. Sie haben acht Jahre Krieg gegen uns geführt, also hatten wir Iraker das Recht, sie abzuschrecken. Saddam war ein stolzer Mann. Er musste die Würde des Iraks verteidigen... Nun hat der Iran ein Waffenprogramm. Alle wissen es und niemand macht irgendwas. Warum?»

dapd/jak

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch