Opfer von Jerusalem: Drei US-Bürger und ein Brite

Bei den vier Todesopfern beim Angriff auf Betende in einer Synagoge in Jerusalem handelt es sich um Doppelbürger. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte eine scharfe Reaktion an.

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Bei den Todesopfern des Angriffs auf eine Synagoge in Jerusalem handelt es sich um drei US-Bürger und einen Briten. Wie die israelische Polizei mitteilte, hatten die vier Männer jeweils auch die israelische Staatsbürgerschaft. Zwei Palästinenser waren am Morgen in die Synagoge in Westjerusalem eingedrungen und hatten vier Menschen getötet und acht weitere jüdische Gläubige verletzt.

Die zwei Angreifer waren mit Messern, Äxten und Schusswaffen bewaffnet. Sie wurden schliesslich von israelischen Sicherheitsleuten erschossen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte eine scharfe Reaktion an.

(Video: Reuters)

Schon seit Wochen gibt es vor allem im Konflikt um den Tempelberg in Jerusalem immer wieder Gewalt. Mehrfach fuhren Palästinenser in israelische Menschenansammlungen oder griffen Passanten mit Messern an. Trotzdem ist der Synagogenangriff aus israelischer Sicht der schlimmste Anschlag seit Jahren.

«Das sind Individuen»

Nach Polizeiangaben handelt es sich bei den Tätern um zwei palästinensische Cousins aus Ostjerusalem. Sie sollen in die Synagoge im ultraorthodoxen Viertel Har Nof an der westlichen Stadtgrenze von Jerusalem gestürmt sein und die Gläubigen mit ihren Waffen angegriffen haben. Polizeisprecherin Luba Samri sprach von einem «terroristischen Akt».

Polizeichef Johanan Danino stellte aber klar, dass der Angriff vermutlich nicht von extremistischen Gruppen organisiert worden sei, sondern auf Initiative von Einzeltätern. «Das sind Individuen, die sich entschliessen, grauenhafte Taten zu verüben», sagte Danino.

Regierungschef Netanyahu machte dennoch die Palästinenserorganisation Hamas und Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas für den «grausamen Mord» mit verantwortlich, weil sie aufgestachelt hätten. Die internationale Gemeinschaft ignoriere das. US-Aussenminister John Kerry und sein britischer Kollege Philip Hammond verurteilten den Angriff scharf und forderten die Führung der Palästinenser auf, die Aufwiegelung zu stoppen.

Palästinenserpräsident Abbas verurteilte den Synagogen-Angriff wenig später tatsächlich. Doch warf er Israel seinerseits «Provokationen» und «Aufwiegelung» vor. Das Eindringen von Juden auf den Tempelberg müsse von Israel gestoppt werden.

Israel international unter Druck

Der Zugang zum Tempelberg war zuletzt einer der wichtigsten Konfliktpunkte zwischen Palästinensern und Israelis. Für Muslime ist das Edle Heiligtum auf dem Tempelberg der drittheiligste Ort nach Mekka und Medina in Saudiarabien. Sie sind nach einer seit Jahrzehnten geltenden Regelung die einzigen, die auf der Hochfläche mit Felsendom und al-Aqsa-Moschee beten dürfen. Sie empören sich über fundamentalistische Juden, die die Anhöhe gezielt besuchen und vom Wiederaufbau des biblischen Tempels dort sprechen.

Die radikalislamische Hamas, die sich im Sommer mit Israel einen 50-tägigen Krieg im Gazastreifen geliefert hatte, lobte den Synagogenangriff und erklärte, dies sei eine Antwort auf die fortgesetzten israelischen Verbrechen, die Tötungen und die Entweihung der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg.

Israel war zuletzt wegen des Streits, vor allem aber wegen des Baus neuer Wohnungen in Ostjerusalem international unter Druck. Die neuen Bauprojekte drohen, die Verbindung zwischen Ostjerusalem und Westjordanland zu kappen. Die Palästinenser wollen dort und im Gazastreifen ihren Staat errichten und Jerusalem zur Hauptstadt machen.

Unter den sechs Verletzten nach dem Angriff auf das Gotteshaus waren nach Angaben der Polizei auch zwei Polizisten. Vier der Verletzten befänden sich in ernstem Zustand. Die Polizei sei auf der Suche nach weiteren Verdächtigen.

rub/sda/AFP/AP

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