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Pakistan lässt den Mann frei, der Osama Bin Laden verraten hat

Enthüllung aus Pakistan: Laut US-Geheimdiensten haben pakistanische Behörden einen wichtigen CIA-Informanten aus dem Gefängnis entlassen. Dieser meldete sich umgehend wieder bei seinen alten Gefährten.

Der Schlag gegen den Terroristenführer zieht das Land noch immer in den Bann: Ein Pakistani schaut sich die Bilder der Operation gegen Bin Laden an.
Der Schlag gegen den Terroristenführer zieht das Land noch immer in den Bann: Ein Pakistani schaut sich die Bilder der Operation gegen Bin Laden an.
Keystone

Es hört sich an wie eine Geschichte aus einem Agentenfilm: Hassan Ghul, ein von der CIA im Jahr 2004 festgenommenes al-Qaida-Mitglied, das wichtige Informationen zur Festnahme Osama Bin Ladens beisteuerte, wurde aus seiner pakistanischen Gefangenschaft entlassen – und schmiedet nun wieder Pläne für die Terrororganisation.

Laut Informationen aus aus US-Geheimdienstkreisen war Hassan Ghul bereits 2006 unter der Regierung von George W. Bush an den pakistanischen Geheimdienst überstellt. Pakistan hatte bereits seit dessen Gefangennahme zwei Jahre zuvor dessen Freilassung gefordert. Ghul wurde in Pakistan mindestens ein Jahr festgehalten, bevor er entlassen wurde und schliesslich seinen Weg zurück zur al-Qaida fand, um der Organisation bei Vorhaben gegen die USA zu helfen.

Gespannte Beziehungen zwischen Islamabad und Washington

Die Enthüllung, dass Ghul von Pakistan freigelassen wurde, hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine besondere Brisanz. Schliesslich sind die amerikanisch-pakistanischen Beziehungen seit der Tötung Osama bin Ladens in seinem pakistanischen Versteck in erhebliche Schieflage geraten. In Washington fragen sich seitdem viele, inwieweit Islamabad im Kampf gegen den Terrorismus noch als vertrauenswürdiger Partner angesehen werden kann.

Früheren CIA-Mitarbeitern zufolge war Ghul Teil des Netzwerkes von al-Qaida-Cheflogistiker Abu Zubaydah. Jahrelang hatte der US-Geheimdienst Druck auf Pakistan ausgeübt, Ghul festzunehmen, um nach dem 11. September 2001 festzustellen, dass dieser sich in sicheren Häusern in der Region Lahore versteckt gehalten hatte, die der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba gehören, die für den Terroranschlag im indischen Mumbai 2008 verantwortlich gemacht wird. Doch eine Festnahme Ghuls lehnte der pakistanische Geheimdienst ISI ab.

Im Januar 2004 wurde Ghul dann früheren CIA-Angehörigen zufolge im Norden Iraks geschnappt, als er sich dort nach dem US-Einmarsch mit irakischen al-Qaida-Mitgliedern treffen wollte, um die Invasoren zu bekämpfen. Aufseiten Pakistans reagierte man entsprechend zornig und forderte Ghuls Freilassung. Doch der wurde zunächst zum Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan und später in ein CIA-Geheimgefängnis in Osteuropa verlegt, wo er von einem wichtigen Kurier berichtete, der bin Laden sehr nahe stand. Die CIA gelangte später zu dem Schluss, über diesen Kurier möglicherweise den al-Qaida-Chef selbst zu finden.

Ghul soll Beziehungen zur Lashkar-e-Taiba unterhalten haben

Als später in aller Eile die Geheimgefängnisse aufgelöst werden sollten, bot Pakistan an, Ghul zu übernehmen. Aufseiten der USA war man der Ansicht, auf diese Art guten Willen zu zeigen, zumal die CIA vom ISI das Versprechen erhielt, dass Ghul nicht freikommen würde.

Warum Pakistan Hassan Ghul so dringend zurückhaben wollte, ist nicht ganz klar. Doch frühere CIA-Mitarbeiter sagen, dass dieser Beziehungen zur Lashkar-e-Taiba unterhielt, die die Unterstützung des ISI genoss. Nur wenig ist bekannt darüber, wo Ghul sich seit seiner Rückkehr in Pakistan aufgehalten hat. An einem geheim gehaltenen Ort sprach er mit dem mittlerweile in Grossbritannien verurteilten Rangzieb Ahmed. Das letzte Mal, dass er Ghul gesehen habe, sei im Januar 2007 gewesen, sagte Ahmed.

dapd/ssc

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