Paris bestätigt Identität von IS-Kämpfer

Ein Video zeigt die brutale Hinrichtung mehrerer syrischer Soldaten durch die IS-Miliz. Nun ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft gegen zwei Franzosen.

Auf dem jüngsten Enthauptungsvideo der Terrormiliz zu sehen: Der 22-jährige französische Konvertit Maxime Hauchard.

Auf dem jüngsten Enthauptungsvideo der Terrormiliz zu sehen: Der 22-jährige französische Konvertit Maxime Hauchard.

(Bild: AFP)

Gegen zwei zum Islam konvertierte und radikalisierte Franzosen hat die Staatsanwaltschaft in Paris ein Verfahren wegen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet.

Damit reagierte Staatsanwalt François Molins am Montag in Paris auf eine neue Videoaufnahme von Enthauptungen Gefangener durch die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS). Nach Innenminister Bernard Cazeneuve sieht es auch die Justiz als «möglich» an, dass in dem Video ein junger Mann aus der Normandie zu sehen ist. Auch «ein zweiter Franzose» werde auf den Bildern vermutet.

Identität bestätigt

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat bestätigt, dass der Franzose Maxime Hauchard in dem jüngsten Enthauptungsvideo der Terrormiliz Islamischer Staat zu sehen war. Die französischen Behörden hätten den 22-jährigen Konvertiten auf dem Radar, seit dieser unter dem Vorwand eines humanitären Einsatzes 2013 nach Syrien gereist sei, sagte Staatsanwalt François Molins. Dort habe er sich dann den Jihadisten angeschlossen.

In einem Fernsehinterview hatte Hauchard sich im Juli dazu bekannt, bei der Eroberung des irakischen Mossul dabei gewesen zu sein. Sein Ziel sei der Heldentod, sagte er damals. Cazeneuve sagte: «Ich appelliere feierlich und ernsthaft an all unsere Bürger und vor allem unsere jungen Leute, die das bevorzugte Ziel der terroristischen Propaganda sind: Öffnen Sie Ihre Augen für die schreckliche Realität der Aktionen des IS. Das sind Kriminelle, die auf ein System der Barbarei bauen.» Unter den westlichen Jihadisten im Irak und Syrien sollen besonders viele Franzosen sein.

Unter den IS-Kämpfern, die bei der Enthauptung des US-Entwicklungshelfers Peter Kassig dabei waren, könnte auch ein weiterer Franzose sein, hiess es bei der Staatsanwaltschaft weiter. Es sei aber noch zu früh, um das mit Sicherheit zu sagen.

«Akt des puren Bösen»

Mit der Enthauptung des US-Bürgers Peter Kassig und mehrerer syrischer Soldaten hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erneut weltweit Entsetzen ausgelöst. US-Präsident Barack Obama sprach von einem «Akt des puren Bösen». Auf dem Video des Verbrechens meinen Experten auch einen französischen Jihadisten auszumachen. Innenminister Bernard Cazeneuve appellierte am Montag an IS-Sympathisanten in Frankreich, die barbarischen Taten der Gruppe zur Kenntnis zu nehmen und nicht auf ihre Propaganda hereinzufallen.

Das Video war am Sonntag von den Terroristen veröffentlicht und von US-Behörden als echt eingestuft worden. Anders als Videos von vier früheren Morden an westlichen Geiseln zeigt es Kassig nicht vor und nach der Enthauptung, sondern den abgetrennten Kopf des 26-jährigen US-Entwicklungshelfers und einen schwarz gekleideten Kämpfer. Präsentiert werden die Enthauptungen von rund einem Dutzend syrischer Militäroffiziere und Piloten. Der vermummte Kämpfer warnt, dass US-Soldaten ein ähnliches Schicksal blühen werde.

Brite erkennt seinen Sohn

In Grossbritannien sagte indes der 57-jährige Ahmed Muthana der Zeitung «Daily Mail», einer der IS-Milizionäre in dem Video sehe aus wie sein Sohn. Auch der Extremismusexperte Charlie Winter will den 20-Jährigen aus Cardiff in Wales auf dem Video erkannt haben. Das britische Aussenministerium wollte sich dazu nicht äussern. Allerdings war der Mann bereits auf einem in Juni verbreiteten Film zu sehen, in dem er Muslime aufrief, sich dem Islamischen Staat anzuschliessen.

Der 26-jährige Kassig aus dem US-Staat Indiana ist die fünfte bekannte westliche Geisel, die der IS geköpft hat. Der frühere US-Soldat war zum Islam übergetreten und hatte eine Hilfsorganisation für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge gegründet. Er wurde im Oktober 2013 im Osten Syriens von den Extremisten entführt. Präsident Obama beschuldigte den IS, in «der Schlachtung von Unschuldigen, einschliesslich Muslimen» zu schwelgen.

Stolz auf humanitäres Engagement

Untröstlich zeigten sich die Eltern des Enthauptungsopfers, Ed und Paula Kassig. Gleichwohl seien sie unglaublich stolz auf das humanitäre Engagement ihres Sohnes, hiess es in einer Stellungnahme. Kassigs Familie appellierte an die Medien, keine Fotos oder Videoaufnahmen zu veröffentlichen, die von den Entführern verbreitet wurden.

Vor Kassig waren ausweislich Terrorvideos bereits die beiden US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie die britischen Entwicklungshelfer David Haines und Alan Henning enthauptet worden. Die Terroristen sollen auch den britischen Fotojournalisten John Cantlie und eine 26-jährige US-Entwicklungshelferin in ihrer Gewalt haben.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut gab es am Montag Proteste von Angehörigen von Soldaten, die sich ebenfalls in der Hand des IS und anderer Islamisten befinden. Diese drohten zuletzt mit der Ermordung ihrer Geiseln, sollte die libanesische Regierung die Urteile gegen inhaftierte Jihadisten nicht zurücknehmen. Die Familien dringen auf eine Verhandlungslösung zur Freilassung der Soldaten.

wid/AP/sda

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