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Pass gegen Lohnverzicht

Sepp Blatter ist nach wie vor überzeugt von der Durchführung der Fussball-WM in Katar. Ein neuer Bericht von Amnesty International kritisiert nun heftig die Bedingungen der Gastarbeiter im Emirat.

Gekommen um Geld zu verdienen: Gastarbeiter in Doha. (Archivbild)
Gekommen um Geld zu verdienen: Gastarbeiter in Doha. (Archivbild)
Keystone
Präsentierte einen Bericht über die Missstände im Vorfeld der Fussballweltmeisterschaften in Katar: Amnesty-Internationel-Chefsekretär  Salil Shetty. (17. November 2013)
Präsentierte einen Bericht über die Missstände im Vorfeld der Fussballweltmeisterschaften in Katar: Amnesty-Internationel-Chefsekretär Salil Shetty. (17. November 2013)
Keystone
Katar investiert rund 75 Milliarden Euro in den Bau von WM-Stadien, Hotels und Infrastruktur. Die Projekte sind sehr ambitioniert. So werden mit dem Port Stadion in Doha (Bild)  Fussballspiele quasi auf dem Wasser möglich.
Katar investiert rund 75 Milliarden Euro in den Bau von WM-Stadien, Hotels und Infrastruktur. Die Projekte sind sehr ambitioniert. So werden mit dem Port Stadion in Doha (Bild) Fussballspiele quasi auf dem Wasser möglich.
Keystone
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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Arbeitsbedingungen für Migranten bei der Vorbereitung für die Fussball-WM 2022 im Emirat Katar heftig kritisiert. Die Organisation spricht von einem alarmierenden Ausmass an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit.

Viele Arbeiter erhielten monatelang keinen Lohn und würden zur Arbeit gezwungen, indem ihnen mit Abschiebung oder einem kompletten Lohnausfall gedroht werde, sagte Amnesty-Expertin Regina Spöttl anlässlich der Präsentation des jüngsten Berichts zu den Arbeitsbedingungen in Katar.

Pass für Lohnverzicht

Der UNO-Sonderberichterstatter François Crépeau hatte vor einer Woche bereits kritisiert, bei vielen Einwanderern in Katar würden an ihren Arbeitsplätzen die Menschenrechte verletzt, manche erhielten ihren Lohn nicht oder ihnen werde weniger gezahlt als vereinbart. Ähnliche Missstände dokumentierte nun auch Amnesty.

In einem Fall beobachteten Amnesty-Beauftragte demnach, «wie elf Männer erpresst wurden, im Beisein von Regierungsbeamten fälschlich ihren Lohnerhalt zu quittieren, damit sie ihren Pass zurückbekamen».

Ohne Schutzhelme und fliessend Wasser

Zudem kritisierte Amnesty, die schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen gefährdeten Leben und Gesundheit der Arbeiter auf den WM-Baustellen in dem Emirat. Häufig würden ihnen keine Schutzhelme und nicht genügend Trinkwasser zur Verfügung gestellt. In überfüllten Unterkünften lebten die Arbeiter zum Teil ohne fliessendes Wasser, sanitäre Anlagen oder Strom.

Die Fehlentwicklungen sind laut Amnesty zum Teil auf das sogenannte «Sponsorengesetz» von 2009 zurückzuführen, das ausländische Arbeiter dazu verpflichtet, die Genehmigung ihres Arbeitgebers einzuholen, wenn sie diesen wechseln oder Katar verlassen möchten.

Im Einzelnen kritisiert der Bericht:

  • Veränderte Arbeitsbedingungen, von denen Gastarbeiter erst nach ihrer Ankunft erfuhren - inklusive reduzierter Gehälter.
  • Fälle, in denen das Gehalt von Arbeitern erst mit monatelanger Verspätung oder gar nicht gezahlt wurde.
  • Unternehmer, die ausländischen Mitarbeitern Arbeitspapiere vorenthielten, so dass diesen die Verhaftung durch katarische Behörden drohte.
  • Fälle, in denen die Pässe von Migranten durch ihre Arbeitgeber konfisziert wurden, so dass diese nicht das Land verlassen konnten.
  • Arbeitszeiten, die zum Teil weit über das zumutbare Mass hinausgingen sowie die Verletzung von Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften.
  • Die Unterbringung von Arbeitern in «armseligen» Behausungen.

SDA/mrs

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