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Proteste während Prozess gegen obersten Muslimbruder

In Kairo hat der Prozess gegen Mohammed Badie begonnen. Dem Oberhaupt der Muslimbrüder wird der Aufruf zur Tötung von Gegnern vorgeworfen. Die Verhandlung musste vertagt werden.

Die Demonstration wurde später von der Polizei aufgelöst: Anhänger der Muslimbrüder haben nahe der Al-Azhar-Universität Container in Brand gesetzt. (9. Dezember 2013)
Die Demonstration wurde später von der Polizei aufgelöst: Anhänger der Muslimbrüder haben nahe der Al-Azhar-Universität Container in Brand gesetzt. (9. Dezember 2013)
Reuters

Fünf Monate nach der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi hat in Ägypten der Prozess gegen die Führung der Muslimbruderschaft begonnen. Begleitet von strengen Sicherheitsmassnahmen und lauten Protestrufen musste sich das Oberhaupt Mohammed Badie erstmals vor Gericht verantworten.

Ihm wird der Aufruf zur Tötung von politischen Gegnern vorgeworfen. In dem Verfahren sind auch 14 weitere Mitglieder der inzwischen verbotenen Organisation angeklagt.

Die Angeklagten hätten zum Auftakt im Gerichtssaal so laut geschrien, dass der Staatsanwalt seine Ausführungen habe unterbrechen müssen, meldete die Kairoer Tageszeitung «Al-Watan» auf ihrer Website. Das Gericht vertagte den Prozess auf den 16. Februar nächsten Jahres.

Konkret geht es in diesem Prozess um Strassenkämpfe in Giza nach der Machtübernahme durch das Militär. Dabei waren damals neun Menschen ums Leben gekommen. Zusammen mit Badie stehen auch Essam al-Arian, Mohammed al-Beltagi und der umstrittene Prediger Safwat Hegasi vor Gericht. Fünf der Angeklagten befinden sich auf der Flucht.

Legitimität des Gerichts bezweifelt

Mit ihren lauten Zwischenrufen zogen die Angeklagten beim Prozessauftakt die Legitimität des Gerichts in Zweifel. Die Muslimbrüder betrachten die Entmachtung des aus ihren Reihen stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli als «Putsch».

«Dieses Regime hat Tausende getötet und wird sich vor Gott verantworten müssen», erklärte Badie nach Angaben der Webseite «onaeg.com». Der Politiker spielte auf die blutige Unterdrückung der Proteste gegen den Sturz Mursis durch die Sicherheitskräfte an.

Ende Oktober hätte bereits ein Prozess gegen Badie wegen der Tötung von Demonstranten beginnen sollen. Die Richter hatten sich damals jedoch für befangen erklärt, weil die Justizbehörden Badie nicht vorgeführt hatten.

Anfang November begann in Kairo ein Prozess gegen den Ex-Präsidenten Mursi. Auch ihm wird die Anstiftung zum Mord an Demonstranten vorgeworfen.

Kundgebung gewaltsam aufgelöst

Der Prozess gegen Badie wurde in einer Akademie für Polizei-Unteroffiziere vor den Toren von Kairo eröffnet. Die Wahl des Gerichtsortes sollte einen möglichen Befreiungsversuch oder Demonstrationen von Anhängern der Angeklagten verhindern. Die Akademie liegt in der Nähe des Tora-Gefängnisses, wo die Muslimbrüder inhaftiert sind.

Die Polizei löste indes eine Protestkundgebung islamistischer Studenten vor der Al-Azhar-Universität in Kairo mit Gewalt auf. Das Nachrichtenportal «Al-Ahram» berichtete, junge Anhänger der Muslimbruderschaft hätten ihrerseits ein Fahrzeug der Ordnungspolizei in Brand gesetzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden mehrere Menschen verletzt.

(SDA)

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