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Rebellen wollen Regime vom Flughafen abschneiden

In Damaskus haben die Aufständischen den internationalen Flughafen zur militärischen Zone erklärt. Wer sich nähere, tue dies auf eigene Gefahr. US-Aussenminister Clinton sagt, die Entwicklung beschleunige sich.

Die Gefechte in Damaskus nehmen seit Wochen zu: Rebellen in der syrischen Hauptstadt. (7. Dezember 2012)
Die Gefechte in Damaskus nehmen seit Wochen zu: Rebellen in der syrischen Hauptstadt. (7. Dezember 2012)
Keystone

In Syrien versuchen die Rebellen einen Ring um den Flughafen von Damaskus zu ziehen. Am Freitag erklärten die Aufständischen den internationalen Flughafen der Hauptstadt zum Kampfgebiet. Seit Wochen nehmen die Gefechte um die Machtzentrale von Präsident Bashar al-Assad zu.

«Die Rebellen-Brigaden, die den Flughafen belagern, haben gestern entschieden, dass er ab sofort als militärische Zone gilt», sagte der Sprecher des Militärrates Damaskus der Rebellen, Nabil al-Amir. Jeder, der sich dem Flughafen nähere, tue dies auf eigene Gefahr.

Militär feuert Raketen auf Vororte ab

Auch aus anderen Gebieten des Grossraums Damaskus wurden Gefechte gemeldet. Das Militär feuerte nach Angaben der Opposition Raketen auf zwei von den Aufständischen gehaltenen Vororte und verstärkte seine Truppen nahe des Flughafens.

Sollten die Rebellen die Vororte Moadamia und Daraja halten können, hätten sie den Ring um Damaskus praktisch geschlossen und würden die Metropole zum Grossteil von der Aussenwelt abschneiden.

Niederlande entsendet «Patriot«-Raketen

Am Freitag stimmten auch die Niederlande einem Einsatz von zwei «Patriot«-Flugabwehrraketen in der Türkei zu. Mit dem Raketensystem sollen bis zu 360 holländische Soldaten für ein Jahr an die türkisch-syrische Grenze verlegt werden. Am Donnerstag hatte bereits die deutsche Regierung die Entsendung von «Patriot«-Raketen und 400 Soldaten beschlossen.

In Irland kamen der russische Aussenminister Sergej Lawrow, US-Aussenministerin Hillary Clinton und der UNO-Sonderbeauftragten für Syrien, Lakhdar Brahimi, zusammen – offenbar ohne Ergebnis.

Letzte Schlacht?

Clinton zeigte sich zuversichtlich, dass sich das Machtgleichgewicht zugunsten der Rebellen ändert: «Die Entwicklungen in Syrien beschleunigen sich, und wir sehen das anhand vieler Beispiele.»

Dagegen halten es viele Beobachter für verfrüht, von einer Endphase der Regierung Assad auszugehen. So erklärte Rami Abdelrahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London: «Ich glaube, es ist unvernünftig, davon zu sprechen, dass sich die Schlacht in ihren letzten Zügen befindet.»

Die grossen militärischen Fortschritte würden nur in den Medien gemacht. In Wirklichkeit sei die Lage auf beiden Seiten schlecht.

Spekulationen um Chemiewaffen Syriens

Die Frage, ob Assad, bei einer drohenden Niederlage Giftgas einsetzen würde, wurde ebenfalls heftig diskutiert. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte in der Türkei, die UNO habe «alarmierende Nachrichten» erhalten, «dass die syrische Regierung den Einsatz chemischer Waffen vorbereitet». Eine Bestätigung gebe es aber nicht.

Die USA betrachten einen Chemiewaffeneinsatz als «rote Linie» und drohen mit Konsequenzen. Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats, George Sabra, sagte im Nachrichtensender al-Arabiya, ein Giftgas-Einsatz sei nicht auszuschliessen. Die internationale Gemeinschaft müsse handeln, bevor es zu spät sei.

Russlands Nato-Botschafter Alexander Gruschko dagegen erklärte der Agentur Interfax, es gebe «keine Beweise für Pläne zur Anwendung chemischer Waffen».

Gefährliches Spiel

Selbst unter Assad-Gegnern gibt es viele, welche die Diskussion für ein Ablenkungsmanöver der USA halten. «Die Amerikaner spielen ein gefährliches Spiel», sagte ein syrischer Dissident in Istanbul. Die USA suchten einen Vorwand für ein Eingreifen in Syrien.

Die Rebellen selbst bereiten sich bereits für die Zeit nach einem Sturz Assads vor. Offiziere der Freien Syrischen Armee (FSA) berieten in der Türkei über eine neue Führungsstruktur. Insidern zufolge einigten sie sich am Freitag auf ein gemeinsames Kommando.

Syrischer Minister korrigiert Totenzahl

Bei einem Granatenangriff auf eine Schule in Syrien sollen Regierungsangaben zufolge am Dienstag weniger Kinder getötet worden sein als von den staatlichen Medien angegeben.

Aussenminister Walid al-Mualem sagte der amtlichen Nachrichtenagentur Sana, neun Schüler und ein Lehrer seien getötet worden. Sana hatte dagegen 28 Tote gemeldet.

Die Angaben aus Syrien können nicht überprüft werden, weil eine freie Berichterstattung kaum möglich ist. Bei dem seit März 2011 anhaltenden Aufstand sind schätzungsweise 40'000 Menschen getötet worden.

SDA/mw

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