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Ermittler gehen von Versagen aus

Nach dem Absturz eines russischen Militärflugzeugs mit 92 Personen an Bord läuft die Bergungsaktion im Schwarzen Meer vor Sotschi auf vollen Touren.

Der Armeechor war auf dem Weg nach Syrien. (Video: Tamedia/Reuters)

Ein Pilotenfehler oder technisches Versagen waren nach den Worten des russischen Verkehrsministers Maxim Sokolow vermutlich für den jüngsten Absturz einer Militärmaschine mit 92 Menschen an Bord verantwortlich.

Ein Terroranschlag gelte als weniger wahrscheinlich, sagte Sokolow am Montag im russischen Fernsehen. Die Regierung sehe keine Notwendigkeit für stärkere Sicherheitsmassnahmen auf russischen Flughäfen, erklärte Sokolow. Am Montag galt in Russland Staatstrauer.

39 Schiffe und 150 Taucher

Bislang konnten elf Leichen geborgen werden. Die Suchmannschaften fanden mehr als 150 Trümmerteile der Tupolew Tu-154, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte. Trümmer waren nur 1,5 Kilometer von der Küste entfernt entdeckt worden. Zehn Leichen seien nach Moskau gebracht worden, um identifiziert zu werden.

Eine erste Überprüfung hat ergeben, dass die Blackbox offenbar nicht ernsthaft beschädigt ist. (27. Dezember 2016)
Eine erste Überprüfung hat ergeben, dass die Blackbox offenbar nicht ernsthaft beschädigt ist. (27. Dezember 2016)
Rossiya One TV Channel photo via AP, Keystone
Erste Untersuchungen des Flugdatenschreibers haben zunächst keine neuen Erkenntnisse zur Absturzursache gebracht. (27. Dezember 2016)
Erste Untersuchungen des Flugdatenschreibers haben zunächst keine neuen Erkenntnisse zur Absturzursache gebracht. (27. Dezember 2016)
Rossiya One TV Channel photo via AP, Keystone
Rettungstruppen haben im Schwarzen Meer Wrackteile gefunden. Ein Tupolew-Transportflugzeug gefolgt von russischen Su-34 Bombern.  (15. März 2016)
Rettungstruppen haben im Schwarzen Meer Wrackteile gefunden. Ein Tupolew-Transportflugzeug gefolgt von russischen Su-34 Bombern. (15. März 2016)
Russisches Verteidigungsministerium, AFP
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Mehr als 3500 Helfer, darunter 150 Taucher, 39 Schiffe, fünf Helikopter und Drohnen waren bei der Suche nach Opfern und Wrackteilen im Einsatz. Die russischen Behörden weiteten derweil den Radius der Suche aus. Die Black Box konnte bisher noch nicht gefunden werden.

Kurz nach Start ins Meer gestürzt

Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start in Sotschi ins Schwarze Meer gestürzt. Unter den Passagieren waren auch 64 Mitglieder des weltbekannten Alexandrow-Militärchores, der auch als Chor der Roten Armee bekannt ist, sowie die für ihre wohltätige Arbeit bekannte russische Ärztin Jelisaweta Glinka. Bei dem Absturz kamen vermutlich alle Menschen an Bord ums Leben.

Die Maschine war auf dem Weg von Sotschi zu einem Besuch russischer Truppen in Syrien auf der Militärbasis Hemeimim in der Provinz Latakia, dort sollten die Musiker ein Neujahrskonzert geben. Im Oktober 2015 war ein russischer Ferienflieger auf seinem Flug von Ägypten nach Russland durch eine an Bord geschmuggelte Bombe abgestürzt, alle 224 Insassen starben.

Al-Assad kondoliert

Gestern gab es unterschiedliche Angaben zur Möglichkeit eines Anschlags. Zunächst hatte ein ranghoher Regierungsvertreter die Möglichkeit heruntergespielt, dass es sich um einen Terrorakt handeln könnte, dann sagte Verkehrsminister Sokolow, als mögliche Ursache werde auch ein Terrorakt in Betracht gezogen. Diese Aussage schwächte er nun wieder ab, ohne einen Terrorakt gänzlich auszuschliessen.

Präsident Wladimir Putin rief für den Montag eine eintägige Staatstrauer aus. Syriens Präsident Bashar al-Assad, den Russland seit September 2015 mit Luftangriffen im Kampf gegen Aufständische hilft, kondolierte Putin.

«Wir sind uns nie sicher, ob wir lebend zurückkommen»

Der Kontakt zur Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 war bereits zwei Minuten nach dem Start abgerissen. An Bord befanden sich nach Ministeriumsangaben acht Besatzungsmitglieder und 84 Passagiere, darunter der Leiter des Chors, Waleri Chalilow. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax reisten auch neun Fernsehjournalisten mit.

Auch die russische Ärztin Jelisaweta Glinka sass in dem Flugzeug. Sie ist unter dem Namen «Doktor Lisa» bekannt für ihre wohltätige Arbeit unter anderem in der Ostukraine und wollte laut ihrer Stiftung Medikamente in ein Krankenhaus in Syrien bringen. Erst im November war sie von Präsident Putin für ihre Arbeit geehrt worden. Damals sagte sie über ihre Einsätze:«Wir sind uns nie sicher, ob wir lebend zurückkommen. Aber wir sind uns sicher, dass Herzlichkeit, Mitgefühl und Wohltätigkeit stärker sind als jede Waffe.»

Das Flugzeug sollte den Chor von Sotschi zur russischen Armeebasis im syrisischen Latakia bringen. (Karte: Google maps)

Bei der Tupolew Tu-154 handelt es sich um ein dreimotoriges Verkehrsflugzeug aus Sowjet-Produktion. Nach heutigen Standards ist es zwar laut und braucht viel Treibstoff, es gilt aber als wendiges und zuverlässiges Arbeitspferd. Die verunglückte Maschine wurde 1983 gebaut und 2014 repariert.

Auch die Maschine, in der im April 2010 der polnische Präsident Lech Kaczynski und 95 weitere Menschen ums Leben kamen, war eine Tu-154. Untersuchungen machten einen Fehler des Piloten und schlechtes Wetter für das Unglück verantwortlich. Die polnischen Behörden leiteten aber eine weitere Untersuchung ein.

SDA/foa/fal

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