Zum Hauptinhalt springen

Sechs US-Soldaten sterben bei Anschlag nahe Kabul

Ein Attentäter der Taliban fuhr mit einem Motorrad in eine Fusspatrouille und zündete danach einen Sprengsatz. Mehrere Sicherheitskräfte wurden getötet oder verletzt.

Die Taliban bekannte sich zum Anschlag: Ein afghanischer Polizist nahe Kabul. (Archiv)
Die Taliban bekannte sich zum Anschlag: Ein afghanischer Polizist nahe Kabul. (Archiv)
Rahmat Gul, Keystone

Beim folgenschwersten Angriff der Taliban auf westliche Truppen in Afghanistan seit Monaten sind sechs amerikanische Soldaten getötet worden. Zwei weitere Amerikaner und ein afghanischer Soldat wurden am Montag verletzt, wie aus US-Regierungskreisen in Washington verlautete. Ein Selbstmordattentäter der radikalislamischen Aufständischen sprengte sich in der Nähe des US-Stützpunkts Bagram in die Luft, wie Sprecher William Shoffner für die Nato-Mission Resolute Support sagte.

Die Taliban bekannten sich in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP zu der Tat. Nach Angaben der örtlichen Behörden rammte der Selbstmordattentäter sein mit Sprengstoff beladenes Motorrad in eine Patrouille aus Soldaten der Nato und der afghanischen Streitkräfte, die zu Fuss in einem Dorf in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts unterwegs war. Dieser liegt rund 45 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul.

Heftige Gefechte in der Region

Es ist der erste grössere Anschlag auf Nato-Truppen, seit am 22. August ein Konvoi in Kabul ebenfalls von einem Selbstmordattentäter attackiert wurde. Dort starben drei US-Bürger, die als örtliche Mitarbeiter beschäftigt waren. Am 7. und 8. August waren zuvor bei drei Angriffen der Taliban binnen 24 Stunden 35 Menschen umgekommen. Eine der Attacken traf ein Lager von US-Spezialeinheiten in der Nähe von Kabul.

Der Angriff erfolgte, während sich Taliban und afghanische Regierungstruppen in der Provinz Helmand heftige Gefechte um den strategisch wichtigen Bezirks Sangin lieferten. Die Taliban hatten nach Angaben der örtlichen Behörden am Sonntag die Kontrolle über die Region übernommen, allerdings nicht über die Stützpunkte der afghanischen Armee. Dabei sollen zahlreiche afghanische Sicherheitskräfte verletzt oder getötet worden sein.

Der Ruf nach Hilfe mittels Facebook

Das Verteidigungsministerium meldete am Montag eine Gegenoffensive von afghanischen Soldaten und Spezialkräften. Die afghanische Luftwaffe habe binnen 48 Stunden 160 Kampf- und Transportflüge absolviert, sagte Sprecher Daulat Wasiri. In der Provinz Helmand seien drei von zehn Aufständischen ausländische Kämpfer, darunter Pakistaner, Tschetschenen, Usbeken, Araber und chinesische Uiguren. Dies mache die Situation sehr kompliziert.

Der stellvertretende Gouverneur von Helmand, Mohammad Jan Rasuljar, hatte sich am Sonntag auf ungewöhnlichem Weg an Präsident Aschraf Ghani gewandt: Er nutzte Facebook, um dem Staatsoberhaupt mitzuteilen, dass Helmand in Gefahr sei, an die Taliban zu fallen, falls keine Hilfe geschickt werde. Binnen 30 Tagen seien 90 Sicherheitskräfte bei Kämpfen getötet worden.

Helmand ist für die Taliban ein wichtiger Stützpunkt. Hier wird weltweit das meiste Opium produziert. Mit dem Verkauf finanziert sich die Gruppe. In den vergangenen Jahren hatten die Extremisten immer wieder zeitweise die Kontrolle über die Region übernommen.

sda/afp/dia/fal

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch