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Sechs Tote bei neuen Gefechten in Tripoli

Im Norden des Libanons haben sich am zweiten Tag in Folge Gegner und Anhänger des syrischen Präsidenten Assad bekämpft. Die libanesische Armee schickte Panzer auf die Strasse.

Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien: Ein Panzer patrouilliert in Tripoli.
Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien: Ein Panzer patrouilliert in Tripoli.
Keystone

Der syrische Bürgerkrieg macht sich erneut im Libanon bemerkbar. Bewaffnete Anhänger und Gegner des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad lieferten sich den zweiten Tag in Folge heftige Gefechte in der nordlibanesischen Stadt Tripoli. Mindestens sechs Menschen seien dabei bislang getötet und mehr als 50 weitere verwundet worden, teilten die Behörden mit.

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, patrouillierten Panzer der libanesischen Streitkräfte in Tripoli. Wegen Heckenschützen sperrte die Polizei zudem Hauptstrassen. Vereinzelt waren Geschützfeuer und Explosionen zu hören.

Verschärfung der Spannungen

Bei den libanesischen Kämpfern handelte es sich um Sunniten aus dem Stadtteil Bab Tabbaneh und Alawiten aus dem angrenzenden Viertel Dschabal Mohsen. Der Grossteil der syrischen Rebellen gehört der sunnitischen Mehrheit an, Assad und die meisten seiner Elitesoldaten der Minderheit der Alawiten. Das jüngste Gefecht verstärkte die Sorge vor einem Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf die Region.

Seit der vergangenen Woche haben sich die Spannungen in Tripoli noch einmal verschärft. Hintergrund sind Berichte, wonach mindestens zwölf libanesische Sunniten in Syrien getötet worden seien, nachdem sie sich offenbar dem Aufstand gegen Assad angeschlossen hatten. Bilder von den Leichen einiger Kämpfer wurden später im syrischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Der syrische Botschafter Ali Abdul Karim Ali teilte dem libanesischen Aussenminister Adnan Mansur mit, dass Damaskus einer Überstellung der Leichen zugestimmt habe. Nach einem Bericht der amtlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA wollen beide Länder bald über die Einzelheiten beraten.

Im syrischen Bürgerkrieg rückte zuletzt Damaskus zunehmend ins Zentrum der Gewalt. Bei einem Granatenangriff auf eine Schule nahe der Hauptstadt kamen am Dienstag laut einem Bericht der staatlichen Medien neun Schüler und ein Lehrer ums Leben. Nach Angaben von Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden im Damaszener Vorort Thijabije 17 nicht identifizierte Leichen entdeckt.

Ban warnt Syrien vor Einsatz von Chemiewaffen

Mit Blick auf den zunehmenden Druck auf Assad wächst international die Sorge, dass das Regime Chemiewaffen einsetzen könnte. Mit eindringlichen Worten drohte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon der syrischen Regierung in diesem Fall mit «gewaltigen Konsequenzen.» Das Regime würde zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Ban der Nachrichtenagentur AP am Rande der UNO-Klimakonferenz in Katar. Zuvor hatten bereits US-Präsident Barack Obama sowie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen den syrischen Präsidenten Baschar al Assad vor einem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Auch US-Aussenministerin Hillary Clinton äusserte die Sorge, dass ein «zunehmend verzweifeltes Assad-Regime sich Chemiewaffen zuwenden könnte».

Der US-Geheimdienst hatte in den vergangenen Tagen nach Angaben aus Regierungskreisen Hinweise auf Bewegungen von Komponenten in etlichen syrischen Waffenarsenalen erhalten. Als Reaktion auf einen möglichen Einsatz von Chemiewaffen im Bürgerkrieg werde nun auch ein militärisches Eingreifen erwogen, hiess es in Washington.

In Syrien ging das Regime laut Aktivisten weiter mit unverminderter Härte gegen die Opposition vor. Im Norden des Landes nahm ein Kampfjet die an der türkischen Grenze gelegene Rebellenhochburg Tal Abjad unter Feuer. Die Aufständischen hätten mit dem Einsatz von Flugabwehrgeschossen reagiert, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Mindestens zwei Verwundete seien zur Behandlung in die türkische Grenzstadt Akcakale gebracht worden.

Ein von Aktivisten aufgenommenes Video zeigte derweil, wie Dorfbewohner in der nördlichen Provinz nach einem Luftangriff des Regimes einen Schutthaufen nach Überlebenden durchsuchten. In der Aufnahme waren kurz darauf Leichen auf der Ladefläche eines Jeeps zu sehen. Die Videoaufnahmen wirkten authentisch und deckten sich mit anderen Berichten über den Vorfall.

dapd/mw

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