Zum Hauptinhalt springen

So bewirbt man sich um eine Stelle als Jihadist

Wie sieht eine Stellenanzeige für Jihadisten aus? Diese etwas absurde Frage wird in den veröffentlichten Al-Qaida-Dokumenten beantwortet. Sie zeichnen ein bizarres Bild: Bin Laden, der Personalchef der Gotteskrieger.

«Wen sollen wir im Falle ihres Todes als Märtyrer kontaktieren?»: Ein Foto der übersetzten Dokumente des «Personalbogens» der al-Qaida. (20.05.2015)
«Wen sollen wir im Falle ihres Todes als Märtyrer kontaktieren?»: Ein Foto der übersetzten Dokumente des «Personalbogens» der al-Qaida. (20.05.2015)
J. David Ake, Keystone

Auf den ersten Blick wirkt das Formular wie ein üblicher Bewerbungsbogen: «Bitte tragen Sie die erforderlichen Informationen präzise und wahrheitsgetreu ein. Schreiben Sie deutlich und leserlich.»

Nach den Angaben zu Namen, Alter und Familienstand wird der Ton jedoch rauer. «Wollen Sie einen Selbstmordanschlag verüben?» und «Wen sollen wir im Fall Ihres Todes als Märtyrer informieren?», lauten die nächsten Punkte des Fragebogens, den das Jihadisten-Netzwerk al-Qaida zur Rekrutierung neuer Mitglieder einsetzte.

Das Formular gehört zu den mehr als hundert Dokumenten, die vor vier Jahren bei der Tötung des Al-Qaida-Gründers Osama Bin Laden in dessen Versteck in Pakistan von den US Navy Seals sichergestellt worden waren. Heute wurden die Schriftstücke von den US-Geheimdiensten freigegeben. Die Dokumente geben auch einen Einblick in den Verwaltungsapparat des Terrornetzwerks, in dem Bin Laden offenbar auch als eine Art Personalchef fungierte.

Bin Laden legte offenbar grossen Wert auf eine akkurate Verwaltungsarbeit. Diese dürfe keinesfalls vernachlässigt werden, mahnte er in einem längeren Memo, in dem er auch ein «professionelles Trainingsprogramm» für neue Al-Qaida-Mitglieder forderte.

«Fromm und geduldig»

Geeignet für einen Job in dem Terrornetzwerk seien Bewerber mit «tiefen religiösen Überzeugungen» und grosser Motivation. Zum Anforderungsprofil gehörten den Unterlagen zufolge aber auch naturwissenschaftliche Kenntnisse, Ingenieurswissen und Organisationstalent.

Ausgewählte Kandidaten sollten nach dem Willen Bin Ladens in Verstecken in Pakistan eine monatelange Ausbildung durchlaufen, bevor sie mit Anschlägen gegen westliche Ziele beauftragt würden. «Man muss fromm und geduldig sein», heisst es in einem Memo.

Als Vorbild werden die Attentäter von Nairobi genannt, die sich vor dem Anschlag auf die US-Botschaft 1998 neun Monate in einem Haus versteckt hielten. Menschen, die sich schnell langweilten «und Aufgaben nicht zu Ende bringen», seien für solche «Ausseneinsätze» nicht geeignet.

In einem anderen Dokument, das nach Einschätzung der CIA von Bin Laden oder einem anderen ranghohen Al-Qaida-Mitglied verfasst wurde, wird davor gewarnt, Attentäter nicht voreilig zu entsenden. In einem Fall habe ein Freiwilliger aus einem westlichen Land nur zwei Monate ausgebildet werden können, weil dann seine Aufenthaltserlaubnis abgelaufen sei.

«Wir haben ihm den Umgang mit Sprengstoff beigebracht», heisst es in dem Schriftstück. Der Mann sei dann in sein Heimatland zurückgekehrt. «Wir haben seitdem nichts mehr von ihm gehört.»

«Brauchen Entwicklungs- und Planungsabteilung»

Auch der Einsatz erfahrener Jihadisten war für al-Qaida problematisch. Denn die Extremisten, die in Afghanistan Kampferfahrung gesammelt hatten, waren den ausländischen Geheimdiensten oftmals bekannt und konnten sich nicht frei bewegen.

Den jungen Rekruten, die in den Westen einreisen könnten, mangelte es hingegen häufig an Geduld. Bin Laden wollte dieses Problem mit modernen Managementstrategien angehen. «Wir brauchen eine Entwicklungs- und Planungsabteilung», forderte der Al-Qaida-Chef. Vorgesehen war unter anderem, eine Art Leistungszentrum für Jihadisten einzurichten.

Zudem sollten «einige herausragende Brüder» zum Studium an die Universitäten geschickt werden, um eine Generation von Gotteskriegern mit Abschlüssen als Informatiker, Verwaltungsexperten und Politikwissenschaftler auszubilden. Für den Bau von Bomben würden ausserdem «dringend» Chemiker benötigt.

Auch an Medienexperten sah al-Qaida einen grossen Bedarf, denn Bin Laden plante eine PR-Kampagne zum zehnten Jahrestag der Anschläge in den USA vom 11. September 2001. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen, denn vier Monate vorher wurde der Chef des Terrornetzwerks von US-Spezialeinheiten getötet.

SDA/rsz

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch