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«So handelt kein Nato-Verbündeter»

Die Türkei stösst die USA vor den Kopf: Anders als von Obamas Sicherheitsberaterin vermeldet, besteht noch keine Einigung über die Nutzung der türkischen Stützpunkte. Über die US-Medien wird Ankara öffentlich angegangen.

Ein türkischer Jet startet von der Basis Incirlik: Die USA wollen von hier aus Angriffe auf Ziele im Irak und Syrien fliegen.
Ein türkischer Jet startet von der Basis Incirlik: Die USA wollen von hier aus Angriffe auf Ziele im Irak und Syrien fliegen.
Reuters

Trotz des Vormarsches der Terrormiliz IS streiten die USA und die Türkei weiter über die Nutzung von Stützpunkten in dem Nato-Land. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu, es gebe noch keine Einigung, dass die internationale Allianz die türkischen Stützpunkte für den Kampf gegen den IS nutzen könne.

Er dementierte damit Aussagen von Susan Rice, der Sicherheitsberaterin von US-Präsident Barack Obama. Rice hatte im US-Fernsehen gesagt, die Regierung in Ankara habe zugestimmt, ihre Stützpunkte zur Verfügung zu stellen. Minister Cavusoglu bestätigte aber, dass es eine Einigung über die Ausbildung gemässigter syrischer Rebellen gebe.

Kritik in den US-Medien

Das Anti-IS-Bündnis will die Türkei seit längerem enger einbinden. Die Regierung in Ankara sträubt sich jedoch dagegen und pocht unter anderem auf ein gemeinsames Vorgehen, das sich auch gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad richtet.

Seit Wochen erhöhen die USA deshalb den Druck auf die Türkei. Über US-Medien wurde Ankara öffentlich angegangen. Die «New York Times» zitierte einen anonymen US-Regierungsvertreter mit den Worten: «So handelt kein Nato-Verbündeter, während einen Steinwurf von der Grenze entfernt die Hölle ausbricht.»

Dieselbe Zeitung kommentierte mit Blick auf Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan: «Erdogans Verhalten ist dem eines Nato-Verbündeten kaum würdig.»

Kernproblem bleibt ungelöst

Doch selbst wenn das Bündnis von der Türkei aus künftig leichter Luftschläge gegen den IS fliegen könnte, bliebe das Kernproblem ungelöst: wer am Boden gegen die Jihadisten vorgehen soll. Konsens herrscht darin, dass Bombardements den IS bremsen, aber nicht vernichten können.

Die Türkei ist weiterhin nicht zu einem Alleingang mit Bodentruppen bereit. Was bei diesen Forderungen an die Adresse Ankaras allerdings häufig übersehen wird: Auch die Kurden, die die syrische Grenzstadt Kobane gegen den IS verteidigen, sind strikt gegen einen türkischen Einmarsch in ihre autonome Enklave.

Und niemand aus dem Bündnis gegen den IS lässt auch nur die geringste Bereitschaft erkennen, gemeinsam mit der Türkei Soldaten in einen internationalen Einsatz gegen die Terroristen zu schicken - der vermutlich blutig würde.

SDA/ldc

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