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So sieht das Organigramm des Terrors aus

Nach aussen ist der Islamische Staat brutal, nach innen straff organisiert: Geheime Dokumente enthüllen erstmals die Strategie der Terrormiliz.

Bakrs Pläne: Entwurf einer in Regional- und Bezirksebenen gegliederten Geheimdienststruktur (l.); Entwurf eines Verwaltungsaufbaus des Islamischen Staates.
Bakrs Pläne: Entwurf einer in Regional- und Bezirksebenen gegliederten Geheimdienststruktur (l.); Entwurf eines Verwaltungsaufbaus des Islamischen Staates.
Spiegel

Die 31 Schriftstücke sind meist handgeschrieben – und äusserst brisant. Dem deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel» liegen Strategiepläne und Organigramme aus dem Führungszirkel des Islamischen Staates (IS) vor. Sie zeigen, wie die Terrormiliz aufgebaut ist und ermöglichen einen Einblick in ihren Eroberungsfeldzug in Syrien.

Die meisten Dokumente schrieb Haji Bakr. Er ist Gründer des IS. Der Name ist ein Pseudonym des Mannes, der unter Diktator Saddam Hussein als Geheimdienstoberst der Luftabwehr tätig war.

Als 2003 die US-geführte Militärkoalition den Irak angriff und seine Armee auflöste, wurde Bakr arbeitslos – und verbittert. Er schloss sich der Vorgängerorganisation des IS im Irak an und errichtete in Syrien, was vor ihm noch niemand geschafft hatte – einen parallel operierenden Terrorstaat.

Die Brutalität, welche die Terrormiliz berühmt und berüchtigt gemacht hat, war in der ersten Phase des IS nicht existent. Die Devise war: nicht auffallen. Bakr liess sich in der syrischen Stadt Tall Rifat nieder, gründete islamische Zentren, rekrutierte junge, arbeitslose Männer und baute ein Netzwerk an Informanten aus.

Bakr gliederte das Netz in Regional- und Bezirksebenen. Emire der Sicherheitsabteilungen standen den jeweiligen Ebenen vor. Darunter waren Abteilungen aufgeführt – die meisten befassten sich mit: Informationsbeschaffung, Sicherheit, Geheimdiensttätigkeiten.

Die Bereiche Finanzen, Bildung, Transport und Medien waren in Verwaltungsdokumenten organisiert. Aber hauptsächlich ging es um Überwachung.

Die Spitzel spionierten alle aus: Nachbarn, Geschäftsleute, Geistliche, Männer, Frauen, Kinder – und sich gegenseitig. Jeder überwachte jeden. Niemand traute dem anderen. Bakr und andere Strippenzieher hievten einen der Anhänger 2010 in die Rolle des nominellen Führers: Abu Bakr al-Baghdadi. Er sollte als religiöser Kopf der Gruppe dienen. Denn Bakr selbst war nicht sonderlich religiös. Mit Glauben allein könne man keinen Krieg gewinnen, soll seine Überzeugung laut «Spiegel» gewesen sein.

Terrorfürst oder Marionette? Abu Bakr al-Baghdadi (Foto: AP)
Terrorfürst oder Marionette? Abu Bakr al-Baghdadi (Foto: AP)

Erst im Sommer 2012 entwickelte sich in Syrien, was heute als sogenannter Islamischer Staat bekannt ist. Bakr nutze Machtvakuen aus und hetzte Rebellenfraktionen gegeneinander auf. Er liess Kritiker entführen, foltern und töten. Er liess Schutzgeld erpressen und trieb «Steuern» ein. Die Informationen des terroristischen Geheimdienstes und seine Brutalität machten ihn mächtig.

Bakr wurde 2014 in Tall Rifat von Rebellen gefangen genommen und erschossen. Erst später erfuhren sie, dass ihnen der «Schattenmann» des IS in die Hände gefallen war.

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