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Spionage aus 10'000 Meter Höhe

Wie die USA die IS-Bewegungen detektieren und Ziele für Luftangriffe definieren.

Das für Bodenziele verwendete Gegenstück der E-3 Sentry AWACS: Die Northrop Grumman E-8 Joint STARS, das fliegende Kommando- und Kontrollzentrum.
Das für Bodenziele verwendete Gegenstück der E-3 Sentry AWACS: Die Northrop Grumman E-8 Joint STARS, das fliegende Kommando- und Kontrollzentrum.
US Air Force
Veteran des Kalten Krieges: Die U-2 fliegt immer noch Aufklärungseinsätze. (Archivbild. 21. Oktober 2009)
Veteran des Kalten Krieges: Die U-2 fliegt immer noch Aufklärungseinsätze. (Archivbild. 21. Oktober 2009)
U.S. Air Force/Staff Sgt. Brian Ferguson, Reuters
Mit Raketen ausgerüsteter Aufklärer: Die MQ-1 Predator Drohne. (Archivbild. 7. Januar 2012)
Mit Raketen ausgerüsteter Aufklärer: Die MQ-1 Predator Drohne. (Archivbild. 7. Januar 2012)
U.S. Air Force/Tech. Sgt. Effrain Lopez, Reuters
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Nach den nahezu täglichen Luftangriffen der US-geführten Militärkoalition gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien oder im Irak bleibt eine Frage in der Regel offen: Wie wurde das jeweilige Angriffsziel identifiziert? Denn so ausgeklügelt die Überwachungs- und Spionagetechnik ist, mit der das internationale Bündnis seine Attacken vorbereitet, so diskret gehen die Verantwortlichen mit militärisch sensiblen Informationen um.

Die «Informanten» der internationalen Streitkräfte sind vom Schlachtfeld aus mit blossem Auge praktisch nicht zu erkennen: Ob mit Weltraumsatelliten, kilometerweit über dem Boden schwebenden Aufklärungsjets, bemannten Überwachungsflugzeugen oder Drohnen – Truppenbewegungen der Dschihadistengruppe werden vor einem Luftangriff mitunter tagelang beobachtet. Vor allem unbemannte Flugzeuge können dank ihres geringen Spritverbrauchs stundenlang über potenziellen Zielen kreisen, bis ein Feind ins Visier gerät.

Die neuesten US-Kampfjets und Bomber sind mit hochgerüsteten Kameras und Sensoren ausgestattet, die ganze Landschaften automatisch nach Zielen absuchen können. Das heisst aber nicht, dass alle alten Maschinen ausrangiert worden wären: So gehören die im Kalten Krieg berühmt gewordenen U-2-Flugzeuge der US Air Force noch immer zur Flotte und liefern – inzwischen mit generalüberholter Bordtechnik versehen – gestochen scharfe Luftaufnahmen.

28 Stunden in der Luft

Auch umgebaute Boeing-707-Maschinen in der E8-Variante mit dem sogenannten Joint Surveillance Target Attack Radar System (JSTARS) kommen zum Einsatz. Der an der Flugzeugfront befestigte Kanu-förmige Unterbau liefert dem Einsatzkommando aufschlussreiche Echtzeitaufnahmen von fahrenden Zielen und anderen Objekten.

Flugroboter vom Typ Global Hawk können ebenfalls Einsätze in grosser Höhe fliegen – mit 28 Stunden aber doppelt so lange in der Luft bleiben wie die U-2 als bemanntes Pendant. Ausserdem greift die US-Air Force auf die Drohnenmodelle RQ-170 Sentinel (keilförmiger Tarnkappenflieger) und Predator/Reaper (beide von Propellerturbinen angetrieben) zurück, die mit Luft-Boden-Raketen ausgerüstet werden können.

Bisher 700 Aufklärungsflüge

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden die bislang mehr als 300 Luftangriffe gegen den IS mit über 700 Aufklärungsflügen vorbereitet. Dabei filmen dieselben Flugzeuge, die die Angriffe ausführen oder potenzielle Ziele ausspähen, auch den Abwurf der Bomben. Mithilfe der Aufnahmen wird später die Effektivität einzelner Bombardements analysiert. Einige der Videos werden auch an Medien weitergegeben, um die Darstellung des Pentagons zu untermauern, die Luftangriffe seien ebenso tödlich wie präzise.

Die Armee ergänzt für ihre Zwecke Bildaufnahmen von Bodenzielen meist durch weitere Geheimdienstinformationen, die aus abgehörten Telefonaten, Funk- und Datenverbindungen stammen. Ein Schlüsselinstrument für die Aufzeichnung solcher Kommunikationsflüsse sind Militärflugzeuge vom Typ RC-135: Sie ermöglichen es, Telefonate aus knapp 10'000 Metern Höhe zu belauschen.

CIA-Einsätze am Boden

Der Militärnachrichtendienst NRO betreibt zudem ein Netz geheimer Überwachungssatelliten, die kontinuierlich elektronische Signale aus einem weiträumigen Zielgebiet abfangen können. Am Boden werden sie bei Bedarf ergänzt durch getarnte Armeelastwagen, die mit hochempfindlicher Antennentechnik vollgepackt sind. So lassen sich Telefonate rasch zu ihrem Ursprungsort zurückverfolgen.

Gewöhnlich schicken die USA zudem vorab Geheimdienstmitarbeiter in Konfliktgebiete, um Luftangriffe durch Aufklärung am Boden vorzubereiten. Bei der US-geführten Invasion in Afghanistan etwa übernahm 2001 eine Vorhut aus CIA-Agenten die Luftraumkontrolle für die Bomber der Air Force, während Spezialeinsatzkräfte die Stammeskämpfer der Nordallianz im Bodenkampf gegen die Taliban berieten.

Anzunehmen ist, dass auch in Syrien und im Irak auf eine ähnliche Doppelstrategie zurückgegriffen wird, also verdeckte Aufklärer unter CIA-Befehl geeignete Ziele für Bombenangriffe markieren. Zudem dürfte es im Interesse der Kurdenmilizen, irakischen Regierungstruppen und syrischen Rebellen sein, IS-Stellungen an das internationale Luftwaffenbündnis zu verraten. Offiziell äussern wollen sich die US-Streitkräfte dazu nicht.

AFP/cpm

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