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Syrische Luftwaffe attackiert IS-Hochburg

Bei einem Angriff auf Raqqa sind laut Aktivisten fast 70 Menschen ums Leben gekommen. Anwohner berichten derweil vom Leben in der selbst proklamierten Hauptstadt des IS-«Kalifats».

Viele tote Zivilisten: Ein Platz in Raqqa. (25. November 2014)
Viele tote Zivilisten: Ein Platz in Raqqa. (25. November 2014)
Reuters

Die Zahl der Todesopfer der syrischen Luftangriffe auf die Islamistenhochburg Raqqa ist nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte auf mindestens 95 gestiegen. Die Stadt ist die inoffizielle Hauptstadt des von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) ausgerufenen Kalifats.

Syrische Flugzeuge hätten mindestens zehn Angriffe auf die Stadt im Nordosten des Landes geflogen, teilten die in London ansässige, oppositionsnahn Beobachtungsstelle mit. Es war eine der schwersten Bombardierungen seit Beginn des Bürgerkriegs vor mehr als drei Jahren.

Der Nachrichtenkanal al-Arabiya aus Dubai berichtete unter Berufung auf Aktivisten sogar von 170 Toten, die meisten von ihnen Zivilisten. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden.

Die Menschenrechtler warfen dem syrischen Regime ein «Massaker» vor. Die Flugzeuge hätten ein Industriegebiet, einen Markt und eine Moschee bombardiert. Unter den Toten seien auch Kinder gewesen.

Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem weit verzweigten Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

«Nicht genug Ärzte»

Wie hoch die Opferzahlen tatsächlich liegen, lässt sich praktisch nicht feststellen. Laut dem Roten Kreuz befinden sich mehrere seiner Mitarbeiter vor Ort in Raqqa. «Der Zustand der Krankenhäuser ist sehr schlecht», sagte ein Vertreter der Organisation in Beirut gegenüber der «International Business Times». «Es gibt weder genügend Ärzte, noch Medikamente oder medizinisches Gerät».

Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter mitteilte, töteten IS-Extremisten in Syrien zwei junge Männer wegen angeblicher Homosexualität durch Steinigung.

Ein 20-Jähriger sei unter dem Vorwurf der Homosexualität in der Ortschaft Majadin in der Provinz Deir al-Sur gesteinigt worden, erklärte das Netzwerk. Auf seinem Handy seien angeblich Bilder gefunden worden, die ihn bei «unschicklichen Akten mit Männern» zeigten. In Deir al-Sur wurde demnach ein 18-Jähriger unter dem gleichen Vorwurf gesteinigt.

Aktivisten schrieben im Internet jedoch, der Vorwurf der Homosexualität sei nur ein Vorwand gewesen. In Wahrheit habe es sich um Gegner der IS-Jihadisten gehandelt. Diese haben bereits wiederholt Frauen wegen Ehebruchs gesteinigt. Im August wurde nach UNO-Angaben in Majadin auch eine Zahnärztin geköpft, weil sie weiterhin Frauen wie auch Männer behandelt hatte.

«Das Leben ist hart»

Viele Einwohner von Raqqa sind bereits längst aus der Stadt geflohen, nur wenige blieben. «Das Leben hier ist schwierig. Morgens töten Assads Luftangriffe Zivilisten. Nachts greifen dann die USA an – und in der Stadt tötet der IS», sagte ein Anwohner der Zeitung.

Die sunnitischen Fanatiker berufen sich bei ihren Taten auf die Scharia. Allerdings verurteilen selbst konservative islamische Rechtsgelehrte ihr Vorgehen als unislamisch.

SDA/ajk

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