Trumps Einflüsterer aus Abu Dhabi

Mohammed bin Zayed ist der starke Mann der Vereinigten Arabischen Emirate. Seine aggressive Agenda prägt die US-Politik im Nahen Osten.

Beste Verbündete: Donald Trump und Mohammed bin Zayed bei einem Treffen im Mai 2017

Beste Verbündete: Donald Trump und Mohammed bin Zayed bei einem Treffen im Mai 2017

(Bild: Keystone)

Der mächtigste arabische Politiker ist nach Ansicht der «New York Times» nicht MbS, sondern MbZ – also nicht der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman, sondern Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi und De-facto-Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate. MbZ, 58 Jahre alt, ist ein enger Verbündeter der USA mit grossem Einfluss in Washington. Die Macht des relativ unbekannten Kronprinzen von Abu Dhabi gründet auf jahrzehntelanger Loyalität gegenüber den USA. Seit ein paar Jahren verfolgt MbZ eine eigene, zunehmend aggressive und kriegerische Agenda.

«Und US-Präsident Donald Trump scheint ihm zu folgen», schreibt die «New York Times» in einem heute veröffentlichten Hintergrundbericht über die Politik von MbZ, der eine Konfrontation mit dem Iran sucht. Zuletzt prägten zunehmende Spannungen die Beziehungen zwischen Washington und Teheran. Der NYT-Bericht ist alles andere als schmeichelhaft für den amerikanischen Verbündeten aus der Golfregion: Der Kronprinz wird als Kriegstreiber beschrieben.

Zwei grosse Feinde: Iran und Muslimbruderschaft

Der Einfluss von MbZ in den USA sei legendär und nie spürbarer gewesen als unter der Trump-Präsidentschaft, schreibt die «New York Times». Der Kronprinz von Abu Dhabi soll von zwei Feinden besessen sein: dem Iran und der Muslimbruderschaft. Trump betreibt offensichtlich eine Politik im Sinne von MbZ, wenn es um den schiitischen Staat Iran oder die sunnitischen Islamisten der Muslimbruderschaft geht. Zuletzt versuchte Trump, den Widerstand der Opposition im US-Kongress zu umgehen, um weiterhin Waffen an die Emirate, aber auch an die Saudis verkaufen zu können.

Ob Iran oder Katar, Libyen oder Saudiarabien oder auch die Muslimbruderschaft: Laut NYT hat der US-Präsident wiederholt Positionen übernommen, die vom Kronprinzen von Abu Dhabi favorisiert wurden – sogar dann, wenn eigene Kabinettsmitglieder oder Berater seines nationalen Sicherheitsrats andere Haltungen vertreten hatten.

Auch der sogenannte Friedensplan von Trump-Schwiegersohn und -Berater Jared Kushner für den israelisch-palästinensischen Konflikt orientiert sich an Ideen und Vorstellungen des Kronprinzen von Abu Dhabi für einen Nahen Osten. MbZ ist zudem ein Fürsprecher des saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman, der seinerseits ein freundschaftliches Verhältnis mit Kushner pflegt – auch nach dem Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi. Dass Trump und sein Schwiegersohn den saudischen Kronprinzen nicht fallen gelassen haben, ist auch ganz im Sinne von MbZ.

Einflussreicher Politiker im Nahen Osten: Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi. Foto: Getty Images

Die guten Beziehungen von Mohammed bin Zayed zu den USA gehen auf das Jahr 1991 zurück, als der Irak Kuwait überfiel. Der junge Prinz ging damals nach Washington auf Shoppingtour, um sein Land militärisch aufzurüsten und gegen Invasionen zu wappnen. Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Emirate zu einem wichtigen Abnehmer von Rüstungsgütern und Militär-Know-how aus den USA. Die Emirate waren stets ein verlässlicher Partner der USA, sie beteiligten sich auch an US-Kriegen.

Die Beziehungen zu den USA verschlechterten sich im Zuge der Annäherung zwischen USA und Iran in den Jahren der Obama-Administration. Das Nuklearabkommen ist inzwischen Vergangenheit, weil es von der Trump-Regierung aufgekündigt worden ist. Im Vorgehen gegen den Iran haben sich die USA und die Emirate rasch gefunden. «Wenn es darum geht, Washington zu beeinflussen, ist MbZ eine Klasse für sich», sagt Ben Rhodes, einst Berater von Präsident Barack Obama. MbZ verstehe es, seine Interessen so zu verkaufen, dass diese als gute Ratschläge eines Freundes erschienen.

VAE sind eine heimliche Grossmacht

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bestehen aus Abu Dhabi, Dubai sowie fünf weiteren Emiraten. Bekannt sind die VAE als obszön reicher Staat und touristische Top-Destination mit glitzernden Skylines, Rekordbauten von Stararchitekten, palmenförmigen Inseln oder auch Sandstränden. Weniger wahrgenommen wird, dass die VAE zur heimlichen Grossmacht am Golf und im Nahen Osten aufgestiegen ist.

Ausgestattet mit der schlagkräftigsten Armee eines arabischen Staates sowie einer Söldnertruppe, betreiben die VAE eine aggressive Aussen- und Kriegspolitik. Dazu gehören die politische Isolierung von Katar sowie die militärische Intervention im Jemen. In beiden Fällen handelten die Emirate als Verbündete von Saudiarabien. Mit Luftangriffen beteiligten sich die Emirate auch am Kampf einer von den USA angeführten Koalition gegen den Islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien.

Kronprinz MbZ, an der britischen Militärakademie Sandhurst ausgebildet, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Emirate. Und er gilt als treibende Kraft hinter der offensiveren Politik, die im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 begann. So beteiligten sich die VAE an der Bekämpfung einer Demokratisierung Ägyptens respektive an der Installierung des autoritären Regimes des heutigen Herrschers Abdel Fattah al-Sisi. Die VAE haben heute erheblichen Einfluss in Ägypten, mehr womöglich als das grössere Saudiarabien, das als die sunnitische Führungsmacht gilt. Die Neuordnung der Mena-Region (Nahost und Nordafrika) möchten die Emirate in ihrem Sinne prägen.

vin

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