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Türkei gibt Luftwaffenbasis frei

Aus Kuwait und Katar flogen die USA ihre Angriffe gegen den IS bisher. Nun dürften sie ihre Luftschläge bald aus näherer Distanz lancieren.

Immer wieder in den vergangenen Jahren wurde diese Luftwaffenbasis von der US-Armee benutzt: Incirlik im Süden der Türkei. (Archivbild)
Immer wieder in den vergangenen Jahren wurde diese Luftwaffenbasis von der US-Armee benutzt: Incirlik im Süden der Türkei. (Archivbild)
Reuters

Vor dem Hintergrund der schweren Gefechte um die syrische Kurdenstadt Kobani ist die Türkei einen Schritt auf die Militärkoalition gegen den Islamischen Staat (IS) zugegangen. Nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium erlaubte die Türkei am Sonntag der US-Luftwaffe die Nutzung ihrer Stützpunkte für Angriffe auf IS-Stellungen. Zudem dürfen in den Militäreinrichtungen Vertreter der gemässigten syrischen Opposition untergebracht und ausgebildet werden.

Ein ranghoher Vertreter der US-Streitkräfte sagte zu der Vereinbarung, die Details der Nutzung der türkischen Militärflughäfen würden derzeit noch geklärt. Die US-Streitkräfte erhielten aber das Nutzungsrecht der Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes. Die Basis wird schon seit langem von den USA genutzt, die Luftangriffe gegen IS-Stellungen starteten bislang allerdings von Stützpunkten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar. In Jordanien sind ebenfalls seit dem vergangenen Jahr US-Kampfjets stationiert.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel dankte in einem Telefonat seinem türkischen Kollegen Ismet Yilmaz für die «Bereitschaft», der Militärkoalition zu helfen. Das schliesse auch die «Unterbringung und Ausbildung» syrischer Oppositioneller mit ein, sagte Hagels Sprecher John Kirby. Demnach würdigte Hagel zudem den Umgang der Türkei mit dem Flüchtlingsansturm sowie der unsicheren Grenze mit Syrien. Beide Minister seien sich einig gewesen, der Bedrohung durch den IS weiter mit einem «strategischen Ansatz» zu begegnen.

Ein eigenes militärisches Eingreifen hat die Türkei ausgeschlossen, obwohl international der Druck auf das Nato-Mitglied wächst. Die Türkei hat auch Forderungen nach einem Hilfskorridor in die vom IS belagerte syrische Grenzstadt Kobani zurückgewiesen.

Kurden in Kobani unter Druck

Die Kurden in Kobani sehen sich nach fast einem Monat heftiger Kämpfe kaum noch in der Lage, dem Ansturm des IS weiter abwehren zu können. Zwar haben die Extremisten durch die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten schwere Verluste erlitten, erklärte die Kurdenmiliz YPG am Wochenende. In den vergangenen beiden Tagen seien die Einsätze aber nicht mehr so effektiv gewesen.

Die Türkei fordert eine international abgestimmte Strategie, die nicht nur den IS in die Schranken verweist, sondern auch den syrischen Bürgerkrieg löst, indem der dortige Präsident Bashar al-Assad gestürzt wird.

Kritiker werfen der Regierung in Ankara vor, sich auch deshalb zurückzuhalten, weil die YPG eine Schwesterorganisation der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK ist, die jahrzehntelang gegen die Sicherheitskräfte des Landes kämpfte und auch von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird.

IS bekennt sich zu Versklavung von Jesidinnen

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich offenbar erstmals dazu bekannt, jesidische Kinder und Frauen zu versklaven. In der neuen Ausgabe des angeblich von den Extremisten veröffentlichten Magazins «Dabik» hiess es am Sonntag, die Betroffenen würden nun an IS-Soldaten verkauft. Demnach wurden die Frauen und Kinder unter ihnen aufgeteilt, nachdem die Jihadisten im August die irakische Stadt Sindschar einnahmen.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden Hunderte jesidische Männer, Frauen und Kinder in Haftlagern im Irak und Syrien von der IS-Miliz festgehalten. Die Gruppe habe zudem junge Frauen und Mädchen gewaltsam von ihren Familien getrennt und einige von ihnen mit ihren Kämpfern zwangsverheiratet.

Kerry ruft Iraker zum Kampf gegen Jihadisten auf

US-Aussenminister John Kerry hat die Iraker zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufgerufen. «Letztlich sind es die Iraker, die den Irak zurückerobern müssen», sagte Kerry am Sonntag in Kairo nach der Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Gazastreifens.

Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass die Strategie der US-geführten Koalition gegen die IS-Miliz erfolgreich sein werde. Die Jihadisten würden «mehr und mehr isoliert» werden, sagte Kerry.

Zu der seit Wochen umkämpften syrischen Kurdenstadt Kobani sagte der US-Aussenminister, die IS-Offensive auf die Stadt sei eine «Tragödie». Jedoch handele sich hierbei «nur um eine Gemeinde», die nicht «die Strategie der Koalition» bestimme.

Die USA haben sich zwar wiederholt besorgt über die Lage in Kobani geäussert, aber immer betont, dass es nicht zu ihren obersten Prioritäten zähle, die Eroberung durch die Jihadisten zu verhindern. Inzwischen haben laut Kerry mehr als 60 Länder zugesagt, einen Beitrag zum Kampf gegen IS zu leisten.

UNO warnt vor Massaker

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und der UNO-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, warnten am Wochenende vor einem Massaker an der Zivilbevölkerung, sollte Kobani fallen. Die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt wird seit fast einem Monat von den IS-Extremisten belagert.

Seit einer Woche liefern sich Jihadisten und kurdische Einheiten erbitterte Strassenkämpfe. Unterstützt werden die Kurden durch die US-geführte Militärallianz, die auch am Wochenende neue Luftangriffe auf IS-Stellungen flog.

IS vor Bagdads Flughafen gestoppt

Das US-Militär hat einen Ansturm von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat auf den Flughafen von Bagdad kürzlich mit dem Einsatz von Apache-Kampfhubschraubern verhindert. Die Extremisten seien nur 24 Kilometer entfernt gewesen und hätten die irakischen Truppen zu überrennen gedroht, sagte der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey am Sonntag in der ABC-Sendung «This Week.»

Mit Blick auf den Kampf gegen die Terrormiliz in Syrien brachte er eine mögliche Flugverbotszone über dem Bürgerkriegsland ins Spiel. In der Zukunft könnten es die Umstände erfordern, dass eine solche Massnahme Teil der Militärkampagne sein werde, erklärte Dempsey.

sda/AP/thu/chk

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