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Überraschender Auftritt des Hizbollah-Chefs

Der umstrittene Mohammed-Film hat den Chef der radikalen Hizbollah zu einem seltenen Auftritt und einer kämpferischen Rede im Libanon veranlasst. Für die Film-Verantwortlichen wird die Lage noch gefährlicher.

«Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen»: Kampfansage des Hizbollah-Chefs Scheich Hassan Nasrallah. (17. September 2012)
«Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen»: Kampfansage des Hizbollah-Chefs Scheich Hassan Nasrallah. (17. September 2012)
AFP

Der Chef der radikalislamischen Hizbollah, Scheich Hassan Nasrallah, hat vor Zehntausenden Anhängern im Libanon zu weiteren Protesten gegen den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed aufgerufen. «Dies ist der Beginn einer ernsthaften Bewegung, die zur Verteidigung des Propheten Gottes überall in der muslimischen Welt weitergehen muss», sagte Nasrallah gestern unter dem Jubel der Menschenmenge im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. «Solange es Blut in uns gibt, werden wir nicht über Beleidigungen gegen unseren Propheten schweigen.»

Nasrallah hat sich seit dem Krieg zwischen der Hizbollah und Israel 2006 aus Angst vor Attentaten nur selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Seine Rede bei der Kundgebung gestern dauerte rund 15 Minuten. Viele seiner Anhänger trugen Kopfbedeckungen in grün und gelb, den Farben der Hizbollah. Darauf war zu lesen: «Euch zu Euren Diensten, Prophet Gottes».

Nasrallah forderte, die USA für den Anti-Islam-Film zur Rechenschaft zu ziehen, da der Film in den USA produziert wurde. Der Film hatte in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in der muslimischen Welt geführt.

Familie des mutmasslichen Regisseurs flüchtet

Die Familie des mutmasslichen Regisseurs des Film verliess über Nacht ihr Haus in Kalifornien. Die Verwandten von Nakoula Basseley Nakoula seien in der Nacht auf gestern von Beamten abgeholt und gemeinsam mit Nakoula an einen geheimen Ort gebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei von Los Angeles. Nakoula soll eine Schlüsselfigur hinter dem umstrittenen Film sein.

In Ägypten hat ein salafistischer Imam eine Fatwa zur Tötung aller Beteiligten an dem in den USA produzierten Anti-Islam-Film erlassen. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, rief Ahmed Fuad Aschusch die «jungen Muslime in den USA und in Europa» in seinem religiösen Gutachten auf, die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed umzubringen.

Die Fatwa wurde SITE zufolge auf mehreren dschihadistischen Foren im Internet veröffentlicht. In dem Film «Die Unschuld der Muslime» wird der Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt. Der Islam wird als «Krebsgeschwür» bezeichnet. Der Film wurde offenbar im vergangenen Jahr von einem christlich-koptischen Ägypter aus Los Angeles zusammen mit einer rechten evangelikalen Gruppe in Kalifornien produziert.

Spektakuläre Flucht aus Moschee

Einer der Anführer der Proteste in Tunesien floh unterdessen aus einer umstellten Moschee. Hunderte Sicherheitskräfte hatten das Gotteshaus in Tunis gestern abgeriegelt, in dem sich Seif Allah Ben Hassine aufhielt. Gemeinsam mit Hunderten Anhängern stürmte Hassine mitten durch die Reihen der Polizei und entkam. Ein Polizei-Vertreter sagte indessen, die Gruppe habe die Absperrung nach Verhandlungen mit den Sicherheitskräften passiert.

Zuvor hatte Hassine gesagt, die Demonstration vor der US-Botschaft, bei der am Wochenende vier Menschen getötet worden waren, hätte friedlich verlaufen sollen. Er gab der Polizei die Schuld an der Gewalt. Ermittler vermuten, Hassine habe Verbindungen zu einer islamistischen Gruppe in Libyen, die hinter dem Sturm auf das US-Konsulat in Bengasi stecken soll. Dabei war am Freitag der US-Botschafter getötet worden.

dapd/AFP/sda/rbi

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