Viele Tote nach Selbstmordanschlag auf Studenten in Kabul

In Afghanistan sind bei zwei Anschlägen fast hundert Menschen getötet worden. Allein das Attentat auf eine Schule forderte mindestens 48 Tote.

Selbstmordanschlag auf Schule: Zu der Tat hat sich zunächst niemand bekannt.

In einem Schiiten-Viertel der Hauptstadt Kabul starben nach offiziellen Angaben mindestens 48 Menschen bei einem Selbstmordattentat in einem Bildungszentrum, zu dem sich zunächst niemand bekannte. In der Vergangenheit hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zahlreiche Anschläge auf Schiiten für sich reklamiert.

Bei den Todesopfern und den mehr als 60 Verletzten handelt es sich mehrheitlich um Studenten, wie Polizeisprecher Haschmat Staniksai mitteilt. Die Zahl der Opfer werde möglicherweise weiter steigen.

Zunächst war nicht bekannt, wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Attentats in dem Zentrum aufhielten. Ein Augenzeuge namens Assadullah sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe den blutüberströmten Körper seines 17-jährigen Bruders aus dem brennenden Klassenraum gezogen. «Er war fit und voller Energie, Klassenbester», sagte er. «Jetzt weiss ich nicht, ob er überlebt», fügte er schluchzend hinzu.

Taliban bekennt sich nicht zu Anschlag auf Schule

Die Taliban ihrerseits erklärten, sie hätten mit dem Attentat in Kabul nicht zu tun. Sie bekannten sich aber zu dem Angriff auf einen Militärstützpunkt in der nördlichen Provinz Baghlan an, bei dem mindestens 44 Polizisten und Soldaten getötet wurden. Die neue Gewalt wirft ein Schlaglicht auf die Sicherheitslage vor den für den 20. Oktober geplanten Wahlen und schmälern Hoffnungen auf Friedensverhandlungen.

Bei dem Anschlag in Kabul wurden laut Gesundheitsministerium 67 weitere Menschen verletzt. Die Attacke beendete eine vergleichsweise ruhige Phase in der Hauptstadt, während es andernorts im Land zuletzt schon verstärkt zu Gewalt gekommen war. So steht die afghanische Regierung bereits wegen einer fünf Tage andauernden Taliban-Offensive auf die Stadt Ghasni unter Druck, bei der Hunderte Menschen getötet wurden. Es war eine der grössten Militäraktionen der Taliban seit Jahren.

«Extremes Leid der Menschen»

Laut der Uno starben bei den Kämpfen um Ghasni bis zu 150 Zivilisten. Das Spital war mit der Behandlung von Verletzten weitgehend überfordert, zudem fiel immer wieder die Strom- und Wasserversorgung aus. «Das durch die Kämpfe in Ghasni verursachte extreme Leid der Menschen unterstreicht die dringende Notwendigkeit, den Krieg in Afghanistan zu beenden», sagte der führende Uno-Vertreter in dem Land, Tadamichi Yamamoto.

Doch auch in Gegenden, in denen es derzeit nicht zu Gefechten kommt, leidet die Bevölkerung weiter unter den Folgen der jahrelangen Gewalt: In der östlichen Provinz Laghman starben Behördenangaben zufolge sechs Mädchen bei der Explosion einer Granate. Sie hatten den Sprengkörper gefunden und damit gespielt.

nag/sda

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