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Wie der arabische Frühling die Palästinenser beflügelt

Die Palästinenser schöpfen neuen Mut und neue Strategien in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit. Ihre neue Taktik könnte Israel stärker unter Druck setzen als Selbstmordattentate und Kassam-Raketen.

Palästinenser demonstrieren im Westjordanland am 63. Jahrestag der Vertreibung. (15. Mai 2011)
Palästinenser demonstrieren im Westjordanland am 63. Jahrestag der Vertreibung. (15. Mai 2011)
Keystone

Für die Palästinenser war es ein Vorgeschmack ihrer neuen Taktik, Israel unter Druck zu setzen und internationale Unterstützung für ihr Ziel eines eigenen Staates zu gewinnen. Beflügelt vom Arabischen Frühling und auf Facebook koordiniert, stürmen Menschenmengen auf Grenzen und Militärposten zu und fordern Israel heraus, doch zu schiessen. Die Methode könnte sich für Israel als problematischer erweisen als die Anschläge und Angriffe vorher, die nach Ansicht der derzeitigen palästinensischen Führung ihrem Anliegen nur geschadet haben.

Von Syrien, dem Libanon, Jordanien und dem Gazastreifen aus hatten Palästinenser am Sonntag die Grenzen nach Israel zu überrennen versucht, 15 kamen dabei ums Leben. Israelische Politiker rätselten danach unverhohlen, wie sie mit der ungewohnten Lage umgehen sollen. «Der Wechsel der Palästinenser von Terrorismus und Selbstmordanschlägen zu bewusst unbewaffneten Massendemonstrationen wird uns vor schwierige Herausforderungen stellen», sagte Verteidigungsminister Ehud Barak.

Versöhnung nährt Zuversicht

Hinter den Aktionen steht die wieder keimende Hoffnung, dass nach Jahren des Stillstands ein palästinensischer Staat doch noch in Sicht kommt. Die Zuversicht speist sich aus den Versöhnungsbemühungen von Hamas und Fatah wie aus der zunehmenden internationalen Unterstützung für den Plan von Präsident Mahmud Abbas, sich im September bei der UN für die Anerkennung eines Staates im Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem stark zu machen.

Obgleich eine Anerkennung durch die UN nach Meinung einiger in der Praxis wenig ändern würde, hat die Demokratiebewegung im arabischen Raum in den Palästinensern nach zwei gescheiterten Aufständen und endlosen fruchtlosen Verhandlungen den Eindruck geweckt, dass doch etwas geht. Zudem rückt die Generation Facebook vor und beginnt, die alten Funktionäre zu verdrängen. «Da ist eine neue Energie, eine neue Dynamik», stellt die ehemalige Unterhändlerin Hanan Ashrawi fest. «Die Palästinenser haben das Gefühl, dass sie wieder von Bedeutung sind.»

Palästinensische Version des Arabischen Frühlings

Den in Israel geäusserten Verdacht, dass Verbündete des Irans wie Syrien und die libanesische Hizbollah zu den Grenzaktionen angestiftet haben, weisen palästinensische Aktivisten zurück. Es sei allein ihre Initiative gewesen und vor Monaten auf Facebook gestartet worden. «Niemand hat damit gerechnet, dass es funktioniert - und es hat funktioniert», sagt Hasem Abu Hilal, einer der Organisatoren. Politiker vereinnahmten die Kampagne gleich als Stärkung ihrer Dreifachstrategie, bestehend aus dem Streben nach Anerkennung durch die UN, dem Aufbau eines Staatswesens von Grund auf und der Förderung gewaltfreien Protests.

Die Demonstranten hätten bewiesen, «dass der Wille des Volkes stärker ist als ihre Unterdrücker», rief Abbas den Toten vom Sonntag nach. Der palästinensische Unterhändler Nabil Schaath erwartet, dass die Massenaufmärsche erst der Anfang waren. «Diese Menschen sind jetzt motiviert von den erfolgreichen Revolutionen in der arabischen Welt, und ich glaube nicht, dass irgendjemand sie aufhalten kann.»

Karin Laub/ dapd

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