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«Wir sind nicht wie andere Länder»

Die australische Regierung verlangt von Israel eine Erklärung für den Tod des «Gefangenen X». Nun nimmt sich das israelische Parlament des Falles an.

Der Australier soll sich in einem israelischen Gefängnis erhängt haben: Ben Zygiers Grab auf dem jüdischen Friedhof von Melbourne.
Der Australier soll sich in einem israelischen Gefängnis erhängt haben: Ben Zygiers Grab auf dem jüdischen Friedhof von Melbourne.
AP/Andrew Brownbill

Ein mysteriöser Todesfall wird zunehmend zur Belastung der Beziehungen zwischen Australien und Israel. Im Mittelpunkt steht ein Mann mit beiden Staatsbürgerschaften, der anonym in einem israelischen Gefängnis inhaftiert war und im Dezember 2010 tot aufgefunden wurde – nach israelischen Angaben handelte es sich um Selbstmord. Nun hat die australische Regierung Israel gebeten, die Umstände genau aufzuklären.

«Wir wollen ihnen Gelegenheit geben, uns eine Erklärung zu bieten, wie dieser tragische Tod zustande kam», sagte Aussenminister Bob Carr am Sonntag in Canberra. Carr hat sein eigenes Ministerium mit einem Bericht zu dem Fall beauftragt.

Israels Parlament schaltet sich ein

Das israelische Parlament hat eine umfassende Untersuchung des Falls des in israelischer Isolationshaft gestorbenen «Gefangenen X» angekündigt. Der für den Geheimdienst zuständige Unterausschuss des aussen- und verteidigungspolitischen Knesset-Ausschusses werde alle «Aspekte der Affäre» untersuchen, erklärte Ausschuss-Sprecher Asaf Doron.

Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Der Fall war erst am vergangenen Dienstag durch einen Bericht des australischen Fernsehsenders ABC bekannt geworden, bis dahin hatte Israel ihn geheim gehalten. Bei dem Gefangenen soll es sich um einen jüdischen Australier namens Ben Zygier handeln, der für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet haben soll. Er wurde im Dezember 2010 in einem Gefängnis bei Tel Aviv erhängt aufgefunden.

«Wir sind bedrohter»

Erstmals äusserte sich am Sonntag auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Er habe völliges Vertrauen in die Sicherheitskräfte und das Rechtssystem des Landes, sagte der Regierungschef. Mit Blick auf die australischen Medienberichte sagte Netanyahu im Kabinett, die Meinungs- und Pressefreiheit sei ein hohes Gut. Aber «wir sind nicht wie andere Länder. Wir sind bedrohter, stehen vor mehr Herausforderungen, und müssen deswegen gewährleisten, dass unsere Sicherheitskräfte die richtigen Aktivitäten ergreifen».

Der in Israel nur als «Gefangener X» bezeichnete Mann hatte den Geburtsnamen Ben Zygier, in seinem australischen Pass wurde er als Ben Allen geführt. Nach Informationen des australischen Rundfunksenders ABC soll er ein Agent des israelischen Geheimdienstes Mossad gewesen sein, der sich trotz 24-stündiger Überwachung in seiner Zelle erhängt haben soll. Seine Verhaftung sei streng geheim gewesen; zu den Gründen dafür gebe es keine Informationen. Kritiker werfen den israelischen Behörden vor, den Fall zu vertuschen.

AP/AFP/mw

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