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«Wir warten auf den Tod»

Verzweifelte Zivilisten wenden sich mit «einer letzten Nachricht» aus Ost-Aleppo an die Welt.

Tausende sind auf der Flucht: Die Uno zeigt sich alarmiert über Gräueltaten in der umkämpften Stadt.
Tausende sind auf der Flucht: Die Uno zeigt sich alarmiert über Gräueltaten in der umkämpften Stadt.
AFP
Heftig umkämpft: Die Rebellengebiete im Osten von Aleppo. (10. Dezember 2016)
Heftig umkämpft: Die Rebellengebiete im Osten von Aleppo. (10. Dezember 2016)
EPA, Keystone
Weite Teile von Aleppo sind zerstört. (27. November 2016)
Weite Teile von Aleppo sind zerstört. (27. November 2016)
George Ourfalian, AFP
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In Ost-Aleppo müssen sich in den letzten Tagen und Stunden grauenhafte Szenen abgespielt haben. Während die UNO wegen Berichten über Gräueltaten gegen Zivilisten «alarmiert» ist, melden sich die Menschen aus Ost-Aleppo in sozialen Netzwerken selbst zu Wort: Sie flehen die Welt um Hilfe an.

«Das ist meine letzte Nachricht», schreibt Abdelkafi-al Hamdo in einer Serie von Tweets. «Versteht: Ich kann mich nicht einfach ergeben und gefangen nehmen lassen.» Der Lehrer und Anti-Assad-Aktivist bittet mehrmals darum, die Zivilisten aus Ost-Aleppo abziehen zu lassen: «Stoppt die Bombardierung! Lasst sie raus!»

Ein anderer Aktivist schrieb einem Journalisten des britischen «Independent» auf Whatsapp: «Wir kommen zusammen und warten zusammen auf den Tod. Das ist es, was gerade passiert.»

Andere beschreiben, die Luftangriffe und der Beschuss gingen wie «heftiger Regen» auf die verbliebenen Rebellengebiete nieder. «Die Menschen rennen davon, ich weiss nicht wohin. Menschen sind unter Schutt gefangen, aber niemand kann sie retten. Auf den Strassen liegen Verletzte, aber niemand kann ihnen helfen, weil die Bomben immer am gleichen Ort fallen.» Assad-Befürworter reagieren erbost auf diese Tweets: «Was für eine Menschlichkeit haben deine Rebellen je gezeigt? Ich hoffe, du leidest!»

Russischen Angaben zufolge haben 100'000 Menschen die Rebellengebiete verlassen. Die Angaben lassen sich aber nicht verifizieren. Da Flüchtlinge nicht registriert werden, ist auch unklar, wie viele Zivilisten noch immer in Ost-Aleppo ausharren. Schätzungen gehen von 10'000 bis 30'000 Menschen aus. Viele weigern sich, in die vom Regime zurückeroberten Gebiete zu fliehen – aus Angst, inhaftiert und in den Gefängnissen gefoltert zu werden. Diese Angst ist nicht unbegründet.

Zivilisten erschossen

Gerade vermeldete das UNO-Menschenrechtsbüro: Es gebe «zuverlässige Nachweise», dass Assad-Truppen an vier Orten in Ost-Aleppo 82 Zivilisten an Ort und Stelle erschossen hätten, darunter elf Frauen und 13 Kinder. «Wir sehen einen kompletten Zusammenbruch der Menschlichkeit in Aleppo», so ein UNO-Sprecher. Gemäss dem UNO-Kinderhilfeswerk Unicef sind in einem Haus in einem Rebellen-Viertel mehr als 100 Minderjährige eingeschlossen. Das Haus stehe unter Beschuss.

Die Assad-Regierung sagte jenen, die sich ergeben würden, Amnestie zu, doch die wenigsten Menschen in Ost-Aleppo trauen dieser Versicherung: «Politische Aktivisten, Journalisten, Helfer und all die Unbewaffneten mit ihren Familien – wir sind etwa 1000 hier. Wenn das Regime kommt, werden wir abgeschlachtet», zitiert die «New York Times» Hisham al-Skeif, Mitglied eines Stadtrats in Ost-Aleppo.

Ein anderer Aktivist schreibt auf Whatsapp: «Jeder, der das Assad-Regime kennt, weiss, was er zu erwarten hat. Die, die für Oppositionelle gehalten und gefangen werden, werden sich den Tod wünschen.»

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